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Skateboarderin Stoephasius : Knapp vorbeigebrettert

Eine coole Geschichte: Lilly Stoephasius hat nach den Ferien in der Schule etwas zu erzählen. Bild: Reuters

3,22 Punkte fehlen der deutschen Skateboarderin Lilly Stoephasius zum Finale bei den Olympischen Spielen. Die Erwartungen hat die 14-Jährige dennoch übertroffen.

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          Am ersten Schultag nach den Ferien kann Lilly Stoephasius wahrscheinlich mal wieder die coolste Geschichte erzählen. Sie kann das vermutlich oft, seit sie mit ihrem Skateboard von Berlin aus durch die Welt reist. In diesem Sommer wird ihre Geschichte aber noch ein bisschen cooler sein. Auch wenn sie nicht den Höhepunkt hat, der möglich gewesen wäre.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Es ist die letzte Woche ihrer Sommerferien, als Lilly Stoephasius, 14 Jahre alt, an diesem Mittwochmorgen im Ariake Urban Sports Park in Tokio steht. „Ich habe mich ein bisschen geärgert“, sagt sie und erinnert sich an den Moment, als sie mit ihren Knieschonern über den Boden gerutscht ist. Es war ihr dritter und letzter Versuch in der Bowl, so heißt der Parcours, durch den sie in Japan und anderen Orten der Welt skatet und der aussieht wie ein leeres Schwimmbecken, nur mit Hügeln und Rampen.

          Mit den Knien auf dem Boden

          Sie wollte ihre Punktzahl aus dem ersten Durchgang (38,37) noch mal steigern. Sie hatte noch ein „Ass im Ärmel“, so wird es später Jürgen Horrwarth sagen, der Skateboard-Bundestrainer. Das Ass kam dann aber nicht aus dem Ärmel raus. Ein Trick kam dazwischen. Einer, den sie eigentlich immer schafft: der Frontside Smith Grind. Nicht spektakulär, aber technisch anspruchsvoll. Sie landete danach nicht mit dem Board auf dem Boden, sondern mit den Knien. Sie vermutete in diesem Moment, „dass es für mich der letzte Run war, dass die Spiele vorbei sind“. Und irrte sich nicht. Am Ende der Qualifikation war sie Neunte. Ins Finale kommen: acht.

          Auch wenn sie also den möglichen Höhepunkt ihrer Sommer-Geschichte nicht erlebt hat, wird Lilly Stoephasius am ersten Schultag in Berlin erzählen können, dass sie zusammen mit 19 anderen jungen Frauen erstmals in der Geschichte der Olympischen Spiele auf einem Skateboard durch eine Bowl gefahren ist. Und dass sie letztlich nur wegen 3,22 Punkten nicht ins Finale gekommen ist. Und dann hat sie noch nicht erzählt, dass sie das alles in einem Alter gemacht hat, in dem noch nie zuvor eine deutsche Sportlerin an Olympischen Spielen teilgenommen hat.

          Als Lilly Stoephasius, Schülerin und vor allem Skateboarderin aus Berlin, danach im Ariake Urban Sports Park steht, kann sie daher auch wieder lächeln. „Eigentlich bin ich zufrieden“, sagt sie. „Ich habe meinen Run hingestellt. Mit meinen persönlichen Höchstschwierigkeiten. Das ist alles, was zählt.“ Man kann das nämlich auch so sehen: Wer das Finale der Olympischen Spiele um einen Platz verpasst hat, war immerhin bei den Olympischen Spielen. „Es ist wirklich sehr toll, hier zu sein“, sagt sie.

          „Das mit den Pins ist cool“

          Besonders im Dorf mit den anderen Athletinnen und Athleten, von denen sie die meisten mittlerweile aus der Ferne einer Nation zuordnen kann, wegen der Kleidung. Dort tauschen manche Pins aus, kleine Anstecker mit den Nationalflaggen ihres Landes. An Lilly Stoephasius’ Brust steckt zum Beispiel einer aus Brasilien. „Das mit den Pins ist cool“, sagt sie. „Das verbindet einen.“

          Unter den Skateboarderinnen ist das nicht nötig. Sie sind schon längst miteinander verbunden. Sie kennen sich von den vielen Contests, umarmen sich, wenn sie stehen oder stürzen. Sie wissen auch sehr gut, wer was leisten kann. Auf der Basis dieses Wissens kommt der Bundestrainer Jürgen Horrwarth, früher auch Profiskater, deshalb zu seiner Bewertung von Lilly Stoephasius an diesem Tag: „Ich schätze ihre Leistung ganz fantastisch ein“, sagt er. „Ich habe ihr gesagt, sie darf nicht zu hart zu sich selbst sein. Sie hat meiner Meinung nach wesentlich mehr erreicht, als von ihr zu erwarten war.“

          Er meint damit auch die Qualifikation für die Sommerspiele an sich. In Deutschland fehlt laut Horrwarth die Infrastruktur, um in der Weltspitze mithalten zu können. Es gibt nur eine Anlage in Berlin. Und auch die genügt nicht den höchsten Ansprüchen. „Da sind wir echt Schlusslicht im internationalen Vergleich.“

          Ganz vorne ist Japan. Von dort kommt Sakura Yosozumi, Star der Szene und nun auch Olympiasiegerin. Sie gewinnt am Mittwoch vor ihrer Landsfrau Kokona Hiraki und der Britin Sky Brown. An ihnen erkennt man auch, dass sich im Frauen-Skateboard gerade erst eine Weltspitze entwickelt. Sie sind 12 und 13 Jahre alt.

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