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Bronze für Florian Wellbrock : Plötzlich Speedboat statt Wasserski

Hat noch eine Chance auf Gold: Florian Wellbrock Bild: dpa

Florian Wellbrock macht über 1500 Meter Freistil lange alles richtig – und gewinnt doch nur Bronze, weil die Konkurrenz auf der letzten Bahn eindrucksvoll zulegt. Nun hat er noch eine letzte Chance auf Gold.

          4 Min.

          Am Ende geht es um das Haustier. Auftritt Brewster. Halb Golden Retriever, halb Schäferhund. Deutscher Schäferhund, aber das hilft Florian Wellbrock nicht weiter. Brewster gehört Bobby Finke, der im 1500-Meter-Freistilrennen gerade zu seiner zweiten Goldmedaille im Tokyo Aquatics Center gekrault ist und nun ein Privileg hat: Die Erzählung vom eigenen Haustier, der menschliche Touch der Siegerstory, transportiert über einen Mischlingsrüden, in diesem Fall in Florida, ein Klassiker im Journalismus. Brewster also habe er seit Weihnachten nicht mehr gesehen, „ich würde ja gerne sagen, er ist mein Hund, aber in Wirklichkeit ist das ein Familienhund“ und deshalb freue er sich als allererstes auf einen Spaziergang im Park. Mit Brewster.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Und Wellbrock? Vielleicht hätte er den Reportern aus Amerika den human touch liefern müssen, dieses Etwas, das die Supermänner alltäglicher erscheinen lässt. Wenn der Mann aus Gainesville nicht diesen wahnsinnigen Schlussspurt hätte. So hatte Finke ihn am Donnerstag im Rennen über 800 Meter aus den Medaillenrängen geschwommen. Und wer die letzten 50 Meter des längsten Rennens sieht, das Beckenschwimmern angeboten wird, erlebt, wie Finke eine Kopie liefert, nein, eine verbesserte Version seines Meisterstücks. 25,78 Sekunden braucht der Gator von der University of Florida für die letzten 50 Meter, dann hat er Wellbrock verschlungen und den Ukrainer Michailo Romantschuk auch.

          Olympischer Druck

          „Das ist fast meine Bestzeit auf 50 Metern“ sagt Wellbrock später im ZDF und das heißt: er hatte keine Chance mehr. 1,98 Sekunden länger braucht er für die letzte Bahn, als Finke, von dem niemand gesprochen hatte noch vor einer Woche, als es darum ging Favoriten zu nennen. Und Romantschuk nimmt Wellbrock, dem Weltmeister mit der schnellsten Zeit auf dieser Strecke in diesem Jahr, mithin dem Mann, von dem alle gesprochen haben, seit Jahren schon, 98 Hundertstelsekunden ab. Bronze. Bronze!

          Die erste Medaille eines deutschen Beckenschwimmers auf einer Einzelstrecke seit Stev Theloke, 1978 in Karl-Marx-Stadt geboren, vor 21 Jahren in Sydney auch Bronze gewann, über 50 Meter Rücken. Florian Wellbrock, der kommende Woche 24 Jahre alt wird, konnte hinterher glaubhaft sagen, dass er „mit einer olympischen Bronzemedaille nicht unzufrieden sein darf“, obwohl er „natürlich Gold anvisiert hatte“. Nach 14:40,91 Monuten war Wellbrock im Ziel, gut vier Sekunden langsamer als im April in Berlin.

          Aber Wellbrock ist nicht der einzige Schwimmer, der sagt, dass die Finals am späten Vormittag nach harten Vorläufen am Abend nicht eben förderlich sind, um persönliche Bestzeiten zu schwimmen. Die Zeit aus Berlin, 14:36,45, die mehr als drei Sekunden schneller ist als Finke Siegerzeit, hatte Wellbrock den Druck des Favoriten auferlegt. Und es war dieses Rennen, von dem Wellbrock sagte, es steche heraus, „ein ganz minimales bisschen. Ich würde es schon sehr schön finden – Europameister, Weltmeister, wenn man im Anschluss direkt die Olympiamedaille mitnimmt, vielleicht sogar olympisches Gold, das hat noch mal einen ganz besonderen Charakter.“

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