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Judoka Luise Malzahn : Fast erwürgt und „mega-enttäuscht“

  • Aktualisiert am

Luise Malzahn wird fast bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt im Kampf gegen Anamari Velensek. Bild: AP

Für die deutschen Judoka ist Olympia eine Enttäuschung. Besonders hart erwischt es Luise Malzahn. Sie wird fast bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Dabei tritt sie schon mit einer schweren Verletzung in Rio an.

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          Selbst ein Kreuzbandriss und der Würgegriff ihrer Gegnerin konnten Luise Malzahn nicht zur Aufgabe zwingen. Tapfer kämpfte die deutsche Judoka bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro und verpasste Bronze nur knapp. Gegnerin Anamari Velensek würgte sie im entscheidenden Duell fast bis zur Bewusstlosigkeit, bis der Schiedsrichter den Kampf beendete. „Für mich kam aufgeben nicht infrage“, sagte Malzahn später. „Als ich dann wieder zu mir gekommen bin, habe ich nur gemerkt, ok, das war’s dann wohl.“

          Die Polizeikommissarin aus Halle/Saale zeigte eine starke Leistung, dabei war wie mit einem großen Handicap in den Wettkampf gegangen. „Ich habe mir vor sechs Wochen mein Kreuzband im Knie gerissen, das war schwierig, weil wir nicht wussten, ob ich fit werde“, sagte sie nach dem verlorenen Kampf unter Tränen. „Nun hatte ich mich doch eigentlich ganz gut gefühlt, klar, ich habe es gemerkt im Wettkampf.“

          „Als ich dann wieder zu mir gekommen bin, habe ich nur gemerkt, ok, das war’s dann wohl“: Luise Malzahn.

          Der Sportdirektor des Deutschen Judo-Bundes (DJB), Mark Borchert, erklärte zur Verletzung aus dem Juni: „Sie hat in der Vorbereitung normal trainieren können, das war kein Hinderungsgrund.“ Zu Bronze reichte es für 26-Jährige dennoch nicht. „Ich bin mega-enttäuscht“, sagte sie noch in der Halle weinend und gezeichnet vom Kampf. „Ich wollte das Ding nach Hause bringen und bin schon sehr, sehr traurig.“

          Von den Olympischen Spielen und Rio de Janeiro wollte auch Karl-Richard Frey am Donnerstag (Ortszeit) nichts mehr hören. „Ich bin hierher gekommen, um Olympiasieger zu werden. Hat nicht hingenauen“, sagte der deutsche Judoka nach seinem fünften Platz frustriert. „Jetzt bin ich froh, wenn ich wieder zu Hause bin und das abhaken kann.“ Der Vize-Weltmeister hatte die Gold-Medaille angestrebt, am Ende blieb ihm nur Rang fünf. Wie der große Medaillen-Favorit enttäuschte fast das gesamte Judo-Team bei den Spielen in Rio.

          Aufs Kreuz gelegt: Karl-Richard Frey (unten) holt keine Medaille.

          Nachdem elf von 13 deutschen Judokas in Rio gekämpft hatten, stand gerade einmal Bronze für Laura Vargas Koch auf der Liste der Erfolge. Vor allem die Niederlagen für Frey und Luise Malzahn in ihren Kämpfen um Bronze am vorletzten Judo-Wettkampftag schmerzten. „Ich würde am liebsten heulen. Vor allem wegen meiner Athleten. Der fünfte Platz ist ein grausamer Platz“, klagte der Präsident des Deutschen Judo-Bundes (DJB), Peter Frese.

          Drei bis vier Medaillen hatte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) für die Judokas in Rio als Ziel ausgegeben. Nur eine einzige Bronze-Medaille war es nach sechs von sieben Wettkampftagen, so schwach schnitten die Mattenkämpfer zuletzt 2000 in Sidney vor 16 Jahren ab. „Ich bin nicht zufrieden, kann ich ja nicht sein“, gab Frese nach den teils schwachen Auftritten zu. „Ich bin traurig, weil wir hier nicht den Erfolg geholt haben, den wir uns gewünscht haben.“

          Der bislang letzte Olympiasieg für die deutschen Judokas gelang 2008 in Peking Ole Bischof, vor vier Jahren in London gab es immerhin noch zweimal Silber und zweimal Bronze. In Rio schaffte an den ersten vier Wettkampftagen kein einziger Judoka den Sprung ins Viertelfinale. „Ich hatte ehrlich gesagt auch Angst, dass wir ohne Medaille nach Hause fahren könnten“, gab Frese zu. Dieses Horror-Szenario für den DJB verhinderte Vargas Koch mit ihrer Bronze-Medaille in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm. „Ich bin froh, mit einem dicken blauen Auge davon gekommen zu sein mit der Medaille“, sagte Frese.

          Dennoch will der DJB-Präsident mit Blick auf die nächsten Spiele in Tokio 2020 die Fehler schonungslos aufarbeiten. „Es geht weiter und wir müssen gucken, was wir falsch gemacht haben“, forderte er. „Man muss noch konzentrierter und noch fokussierter arbeiten. Aber ich sehe nicht schwarz für den deutschen Judo-Sport, im Gegenteil.“ Die Perspektiven für die Olympischen Spiele 2020 interessierten die enttäuschten und frustrierten Verlierer in Rio herzlich wenig. Frey erklärte mit leiser Stimme und leerem Blick: „Ich werde es erstmal jetzt verdauen müssen. Die Enttäuschung ist groß, ich habe andere Erwartungen gehabt an diesen Wettkampf.“

          Warum ist würgen im Judo erlaubt?

          Der Würgegriff im Judo ist eine offizielle Kampftechnik. Unter dem Oberbegriff Shime-waza sind in den Regeln alle Techniken zusammengefasst, bei denen dem Gegner die Luft oder die Blutzufuhr zum Gehirn abgeschnitten werden können. Dabei können verschiedene Techniken angewendet werden, am gängigsten ist der Einsatz von Armen und Beinen. Verboten ist allerdings das direkte Angreifen des Kehlkopfes, sowie ein Würgen mit Fingern, dem eigenen Gürtel, dem Gürtel des Gegners oder dem jeweiligen Jackenende.

          Die erlaubten Würgetechniken im Judo sind bei Einhaltung der Regeln nicht gefährlich, dabei jedoch sehr effektiv. Durch den Druck auf die seitlichen Blutgefäße wird die Blutzufuhr zum Gehirn verhindert, dabei kann der Partner nach ca. 8-14 Sekunden kurzzeitig das Bewusstsein verlieren. Dem Angegriffenen bleibt dabei jedoch meist noch ausreichend Zeit dem Kampfrichter durch mehrmaliges Klopfen auf die Matte den Abbruch zu signalisieren. Der Würgende muss daraufhin den Griff sofort lösen und mit einer Erstversorgung, durch das Hochlegen der Beine, erlangt der Gewürgte nach ca. 10-20 Sekunden wieder das Bewusstsein.

          Bei der U12 und U15 sind grundsätzlich alle Würgetechniken verboten. (lass.)

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