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Reiten : Deutsche Dressur-Equipe trabt zu Gold

  • -Aktualisiert am

Teil der Erfolgsequipe: Dorothee Schneider mit Showtime Bild: dpa

Cosmo, Desperados, Showtime und Weihegold gelingt die Passage zum Olympiasieg: Die deutsche Dressur-Equipe gewinnt wie erwartet souverän Gold. Die in London verlorene Dominanz ist zurück.

          Die Medaille lag zum Abholen bereit  - die deutsche Dressur-Mannschaft hat aber  nicht nur zugegriffen, sondern zugeschlagen. Mit zwei grandiosen, einer  glanzvollen und einer sehr guten Vorstellung erkämpfte das Quartett das Terrain zurück, das der traditionsreiche deutsche Dressursport nur kurzfristig für  andere hatte räumen müssen. Das beste Ergebnis des Tages im Grand Prix Special vom Freitag gelang dabei nicht etwa der bis dahin für unschlagbar gehaltenen britischen Doppel-Olympiasiegerin Charlotte Dujardin mit Valegro, sondern der erfahrensten Kämpferin auf dem Platz, Isabell Werth auf ihrer jungen Stute Weihegold.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Die 47 Jahre alte, nimmermüde Angreiferin legte einen  der stärksten Ritte ihrer Karriere hin. „Es war der Tag der Tage“, sagte  sie. „Es hat einfach alles geklappt.“ Perfektion, Leichtigkeit in der Bewegung,  Schönheit und Ausdruck - so muss es sein. Mit 83,711 Prozentpunkten im Grand  Prix Special lag sie knapp vor Dujardin (83,025), der zahlreiche schwere Schnitzer unterliefen - eigentlich hätte der Abstand noch größer ausfallen  müssen, doch so schnell reagieren Dressur-Richter nicht, wenn ein Star in der Arena auftritt.  

          Werth gelingt Rekord

          Auch Dorothee Schneider mit Showtime gelang ein Coup. Mit 82,619  Prozentpunkten war sie Dritte vor Kristina Bröring-Sprehe mit Desperados (81,401), deren Special zwar fehlerfrei, aber nicht so brillant ausfiel wie der ihrer Mannschaftskolleginnen. Das Streichresultat lieferte  Sönke Rothenberger mit Cosmo (76,261). Anders als früher umfasst die olympische Mannschaftswertung zwei Aufgaben, den Grand Prix und den Grand  Prix Special. Die deutsche Gesamtnote, die einen gemeinsamen Durchschnittswert wiedergibt, beträgt 81,936 Prozent. Silber ging an Großbritannien (78,595),  Bronze an die Vereinigten Staaten (76,667).  

          Isabell Werth hat damit ihr sechstes Olympiagold gewonnen, was sie an die  Spitze der ewigen Olympiawertung bringt. Sie überholte den verstorbenen  Altmeister Reiner Klimke, der sein letztes Gold mit Ahlerich 1988 in Seoul mit  der Mannschaft holte. Noch ein Grund zum Strahlen.

          Showtime hatte Spaß

          Phasenweise Begeisterung löste bei den Richtern aber auch die Vorstellung von Dorothee Schneider  aus. Die Passage, der kraftvolle, erhabene Trab, den ihr Wallach Showtime in  Perfektion beherrscht, entlockte an einer Stelle sechs von sieben  Jurymitgliedern die Höchstnote 10. Die 47 Jahre alte Amazone aus Rheinhessen, die ein ganz besonders inniges Verhältnis  zu ihrem Pferd hat, wurde damit für  eine sieben Jahre lange, sorgfältige Ausbildung belohnt. Der erst zehn Jahre  alte Showtime wird noch viel von sich reden machen. „Ich fühle mich um 50 Kilo  erleichtert“, sagte Dorothee Schneider mit feuchten Augen. „Natürlich macht man  sich vorher Druck. Aber Showtime war gelassen, hat die Ohren gespitzt, war  wach, und ich glaube, er hat auch Spaß gehabt.“ Lediglich ein Hüpfer am Ende  der Rechts-Pirouette fiel negativ auf.

          Auch Sönke Rothenberger aus Bad Homburg, mit 21 Jahren bei weitem der Jüngste und der einzige Mann im Quartett, hatte glänzend begonnen, allerdings  verhagelten ihm Fehler in den fliegenden Galoppwechseln die Note - mit dem 76,261 Prozentpunkten im Grand Prix Special lieferte er wie schon am im Grand  Prix das immer noch höchst attraktive Streichergebnis. Rothenberger war alles andere als geknickt. „Die ganze Welt weiß jetzt, was für ein überragendes Pferd Cosmo ist“, sagte er. „Die Fehler kann man abstellen, wir wissen jetzt, woran wir über den Winter arbeiten müssen.“ Er kann noch ein bisschen länger  üben. Sein holländischer Wallach Cosmo ist erst neun Jahre alt.

          Deutsche wieder auf dem Posten

          Die Serie deutscher Mannschaftssiege in der Dressur ist alt und lang. Dies ist bereits die dreizehnte Olympische Goldmedaille für die Chef-Nation in diesem  Sport. Vergeblich versucht der Weltverband seit ein paar Jahren, diese Dominanz, die alle außer den Deutschen als Langeweile empfinden, durch Regeländerungen zu durchbrechen, doch es ist nicht wirklich gelungen. Dass es in London 2012 nur zu Silber reichte, zeugte von einem erstaunlichen Dressur-Hoch in England  und einer deutschen Schwächephase.

          Vier Olympiasieger: Das deutsche Team dominiert im Dressurviereck

          Aber jetzt, vier Jahre später, sind die Deutschen schon wieder auf dem Posten. Erstaunlich dabei: Das Abschneiden der größten Herausforderer der vergangenen Jahre aus den Niederlanden auf Platz vier. Schon am Mittwoch, dem ersten Tag des Grand Prix,  waren ihre Chancen dahin,  als die dreimalige Europameisterin Adelinde Cornelissen ihr Pferd Parzival  während der Übung zurückziehen musste. Das Pferd war krank. „Es ging schon  gestern los“, sagte sie nach dem Ausstieg, „Als ich in den Stall kam, hatte er  eine geschwollene Backe und wir glauben, er ist vielleicht von einer Spinne oder einem Moskito gestochen worden.“

          Sein Körper sei voller Gift gewesen und er habe neun Stunden lang Infusionen bekommen. „Am Morgen sah er besser aus,  und der Teamveterinär sagte, ich könne es probieren.“ Negativ. Und nicht gerade  das, was sich der Tierfreund unter pfleglichem Umgang mit der anvertrauten  Kreatur vorstellt - zumal der altgediente Parzival schon 19 Jahre alt ist.

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