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Diskriminierung bei Olympia : IOC machte im Rad-Skandal Druck

Kurz vor dem Eklat: Azzedine Lagab aus Algerien (rechts) fährt am deutschen Sportdirektor Patrick Moster vorbei. Bild: dpa

Der deutsche Sport zeigt ein Wendemanöver in der Causa Patrick Moster, als die Disziplinarkommission droht. Der Sportdirektor verlässt nun doch die Olympischen Spiele.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Erst bleiben, dann fliegen? In der Diskriminierungsaffäre ist es nach knapp vierundzwanzig Stunden zu einer 180-Grad-Wende gekommen. Am Mittwoch noch hatte die Führung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) dem Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), Patrick Moster, sinngemäß eine gute Sozialprognose gestellt. Der Mann sollte weiter dem deutschen Olympiateam in Tokio angehören, in der kommenden Woche bei den Rennen auf der Bahn nach dem Rechten sehen.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Aber am Donnerstag saß er schon im Flieger nach Deutschland. Nicht aus freien Stücken, wie der DOSB mitteilte. Die Delegationsspitze unter Leitung von DOSB-Präsident Alfons Hörmann hatte dem Radsport-Funktionär mitteilen lassen, dass er nun doch nicht mehr erwünscht sei im Kreis des Teams.

          „Wir sind zwar weiterhin davon überzeugt, dass seine öffentliche Entschuldigung für die gestern von ihm getätigte rassistische Äußerung aufrichtig ist“, heißt es in der Nachricht. „Mit dieser Entgleisung“, schrieb der Dachverband des deutschen Sports, „hat Herr Moster jedoch gegen die olympischen Werte verstoßen. Fair Play, Respekt und Toleranz sind für das Team D nicht verhandelbar.“

          Klarer Fall von Diskriminierung

          Jetzt doch? Was ist passiert? Am Mittwoch hatte Moster während des Einzelzeitfahrens der Männer den deutschen Radrennfahrer Nikias Arndt mit rassistischen Anfeuerungsrufen vom Straßenrand unterstützen wollen: „Hol die Kameltreiber, hol die Kameltreiber, komm!“, rief er während des Rennens Arndt zu, live übertragen im Fernsehen. Vor dem deutschen Olympiateilnehmer waren der Eritreer Amanuel Ghebreigzabhier und der Algerier Azzedine Lagab im Kampf gegen die Uhr auf dem Weg.

          Ein klarer Fall von Diskriminierung. Der DOSB handelte sofort. Hörmann bat zum Gespräch. Es soll offen und kritisch gewesen sein. Als es vorbei war, gab sich der Präsident überzeugt, Moster und das Team würden „die notwendige Sensibilität für die künftigen Wettbewerbe“ mitnehmen. Ergo: Der Mann bleibt an Bord. Ende der Durchsage.

          Sensibel ist das deutsche Team tatsächlich. Jedenfalls im Fall von Diskriminierungen. Die Hockeyspielerin Nike Lorenz setzte vor Beginn der Spiele durch, eine regenbogenfarbene Armbinde tragen zu dürfen. Der Radrennfahrer Arndt reagierte postwendend auf die Anfeuerung des Sportdirektors. „Ich bin entsetzt über die Vorfälle beim heutigen olympischen Zeitfahren und möchte mich hiermit deutlich von den Aussagen des sportlichen Direktors distanzieren“, schrieb Arndt auf Twitter: „Solche Worte sind nicht akzeptabel.“

          Aus der Distanz forderte Radprofi Rick Zabel ein hartes Durchgreifen: „Ich persönlich kann nicht verstehen, dass nach diesem Verhalten nicht sofortige Konsequenzen vom BDR oder DOSB getroffen worden sind“, schrieb der 27-Jährige via Instagram: „Wenn wir die olympischen Werte und Anti-Rassismus-Kampagnen predigen und auch nachhaltig glaubhaft vertreten wollen, dann darf ein solcher Vorfall nicht geduldet werden.“ Gegenüber der F.A.Z. zeigten mehrere Präsidenten von Fachverbänden in Tokio am Mittwoch wie noch am Donnerstagmorgen Ortszeit kein Verständnis für das Festhalten des DOSB-Präsidenten an Moster. Deutsche und internationale Medien übten scharfe Kritik.

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