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Diskriminierung bei Olympia : IOC machte im Rad-Skandal Druck

  • -Aktualisiert am

Die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, Dagmar Freitag, wunderte sich deshalb nicht über die Wende: „Die Entscheidung, Herrn Moster nach seinem inakzeptablen rassistischen Ausfall nun doch nach Hause zu schicken, ist nach meiner Einschätzung ausschließlich dem massiven öffentlichen Aufschrei zu verdanken“, schrieb sie auf Anfrage und fügte hinzu: „Noch gestern (Mittwoch/d. Red.) haben wir ein aus meiner Sicht völliges Versagen der deutschen Delegationsleitung erleben müssen, als DOSB-Präsident Hörmann abgewiegelt hat und wie selbstverständlich den weiteren Verbleib des Herrn Moster in ,Team D‘ verkündet hat. Es ist geradezu bezeichnend, dass die einzig unmissverständliche Stellungnahme mit klarer Haltung zu den Werten des Sports von dem Athleten Nikias Arndt kam.“

Die Interpretation der SPD-Politikerin ist naheliegend. Aber war es so? Hat sich der DOSB-Chef umstimmen lassen, weil Athleten und Medien heftig reagierten? Weil Moster in aller Öffentlichkeit gegen eine der wichtigsten Regeln der olympischen Charta verstieß, fühlte sich auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) aufgerufen zu reagieren. Das bestätigte ein Sprecher auf Anfrage der F.A.Z. und übermittelte ein Statement auf Englisch.

Der algerische Radsportler Azzedine Lagab wurde diskriminierend beleidigt.
Der algerische Radsportler Azzedine Lagab wurde diskriminierend beleidigt. : Bild: dpa

Die Übersetzung: „Das IOC hat heute Morgen (am Donnerstag/d. Red.) den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) kontaktiert und sich zu dem Thema rund um den Sportdirektor des Deutschen Radsportbundes erkundigt. Wir begrüßen die schnelle Reaktion des DOSB, ihn in seiner Funktion nicht weiter führen zu lassen und ihn zu bitten, Tokio zu verlassen, um nach Deutschland zurückzukehren. Kommentare wie diese haben bei den Olympischen Spielen keinen Platz.“

Das liest sich so, als habe der IOC-Präsident Thomas Bach mal nachgehorcht und sich dann zufriedengegeben mit dem jüngsten Ergebnis. Zwischen der „Erkundigung“ des IOC und der Feststellung, der Fall sei gelöst, lag aber offenbar ein längerer Zeitraum. Denn auf Nachfrage lässt das IOC in Tokio auch dies wissen: „Wir haben um Klärung bis heute (Donnerstag-)Nachmittag gebeten und gesagt, wir würden, abhängig von der Antwort, die Anrufung der Disziplinarkommission in Erwägung ziehen.“

Der Erkundigung folgte also nicht postwendend die Antwort, Moster von seinen Aufgaben entbunden zu haben. Vor diesem Hintergrund lässt die Erklärung Hörmanns, wie es zum Umdenken kam, aufhorchen. Demnach führten eine „eingehende Beratung der Delegationsleitung“ am Donnerstag „sowie eine erneute Anhörung des Betroffenen“ zum Rauswurf Mosters. Dabei sind laut DOSB sowohl der Vorgang als auch die Konsequenzen für das Team D diskutiert worden. Etwa die Furcht vor einem mehr oder weniger öffentlichen IOC-Tribunal? Auf eine entsprechende Frage reagierte der DOSB zunächst nicht.

Dafür reagierte der Radsport-Weltverband UCI. Er suspendierte Moster vorläufig. Die Disziplinarkommission des Verbandes habe sich mit dem Fall beschäftigt und entschieden, dass Mosters Aussagen „diskriminierend“ seien und gegen die Grundregeln des Anstands verstießen, teilte die UCI am Donnerstag mit. Der Verband verurteile „jede Form rassistischen und diskriminierenden Verhaltens“ und wolle für Integrität, Vielfalt und Gleichheit sorgen.

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