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Deutsche bei Olympia : Der historische Auftritt der Jasmin Jüttner

  • -Aktualisiert am

Mit voller Lautstärke: Jasmin Jüttner bei Olympia Bild: dpa

Die hessische Karateka Jasmin Jüttner erlebt trotz Vorrunden-Aus einen Moment für die Ewigkeit bei den Olympischen Sommerspielen in Japan. Am Ende ist die 28-Jährige dennoch enttäuscht.

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          Ein Schrei durchbricht die Stille. Jasmin Jüttners Hände „zerschneiden“ die Luft. Rasend. Plötzlich verharrt die 28-Jährige in einer Pose. Dann werden ihre Bewegungen weich, der Blick etwas sanfter, ein Fuß tastet wie suchend voran.

          Drei Minuten lang tanzt die Wiesbadenerin über die Tatami im Nippon Budokan. Zwei Katas, festgelegte Choreografien, darf sie in diesem Tempel des Kampfsports absolvieren. Dann ist der olympische Wettbewerb für die Hessin schon wieder Geschichte.

          Nur die drei Besten kommen weiter

          Die erste Runde in ihrer Disziplin hat die mehrmalige deutsche Meisterin nicht überstanden. Mit einem Durchschnittswert von 24,29 Punkten belegt die frühere Welt- und Europameisterschaftsdritte in einer von zwei Gruppen den vierten Platz. Nur die jeweils drei Besten kommen weiter.

          „Ich bin schon enttäuscht“, sagt Jüttner. Sie war nach Tokio gekommen, um eine Medaille zu gewinnen. Es wird ziemlich sicher die einzige Chance in ihrer Karriere gewesen sein. Karate, die Sportart der gebürtigen Aschaffenburgerin, stand in Japan zum ersten Mal auf dem olympischen Programm; 2024 in Paris sind Kata, wie der von Jüttner bevorzugte Kampf gegen einen imaginären Gegner heißt, und das im direkten Duell mit einem echten Kontrahenten ausgetragene Kumite schon wieder nicht mehr dabei.

          Kampf gegen einen imaginären Gegner: Jasmin Jüttner
          Kampf gegen einen imaginären Gegner: Jasmin Jüttner : Bild: dpa

          Umso wertvoller erachtet Jüttner ihre Auftritte in Asien, für die sich die studierte Medienmanagerin drei Jahre lang als Sportsoldatin zu 100 Prozent auf ihre Leidenschaft konzentriert hatte. Die Auslosung am Vortag bescherte ihr eine ganz besondere Ehre: Jüttner durfte am Donnerstagvormittag als erste Karateka überhaupt eine olympische Matte betreten. „Als ich das gesehen habe, dachte ich schon: Geil, egal was danach kommt.“ Diesen historischen Moment könne ihr niemand mehr nehmen: „Ich hatte wirklich Gänsehaut.“

          Die Entschlossenheit und Aggressivität, die sie wie alle anderen neun Starterinnen zur Schau trug, schreckte die Kampfrichter nicht genug. „Aber ich habe mir nichts vorzuwerfen; die Welt hat gesehen, was ich drauf habe“, sagte die einzige deutsche Teilnehmerin.

          Ihr Trainingskollege bei Bundestrainer Efthimios Karamitsos im Frankfurter Leistungszentrum, Ilja Smorguner, darf sein Können am Freitag bei den Männern präsentieren. Jüttner wird dann auf der Tribüne der im Kitanomaru-Park gelegenen Arena zuschauen und Daumen drücken. Nach der Heimreise wird die European-Games-Teilnehmerin dann dank etwa 1000 Fotos immer wieder zurückblicken können – auf ihre einzigen Olympischen Spiele und den Moment, in dem sie für ihre ganze Sportart den ersten Schritt auf die ganz große Bühne machen durfte.

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