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Goldschütze Junghänel : „Wir Sportler betrachten die Waffen als Sportgeräte“

  • -Aktualisiert am

Olympiasieger Henri Junghänel beißt bei der Siegerehrung vor lauter Freude in seine Goldmedaille. Bild: AFP

Mit einer Goldmedaille im Gepäck verabschiedet sich der Schütze Henri Junghänel vom seiner aktiven Sportlerkarriere in den Urlaub. Erst einmal mit dem Rucksack durch Südmerika, dann geht es auf Jobsuche.

          1 Min.

          Sie haben vorhin Ihre Medaille genau inspiziert, so wie ein Juwelier die Echtheit prüft. Was ist Sie Ihnen wert?

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Emotional, auch wenn man es mir nicht ansieht, unheimlich viel. Da stehen so viele hinten dran, von meinen Eltern über den Heimatverein, den Landestrainer bis zu den Bundestrainern. Das ist nicht nur die Medaille eines Einzelnen.

          Sie hat schon ein paar Kratzer.

          Ich habe ein paarmal reingebissen.

          Weil Sie doch überrascht worden sind von Ihrem eigenen Triumph?

          Nicht so ganz. Ich war schon ganz gut in diesem Jahr. Aber die Leistungsdichte ist schon sehr hoch. Der Wettkampf lief überwiegend gut, obwohl ich ein Wackeln hatte in der Zielphase beim Finale.

          Wie kann man Olympischen Rekord schießen, wenn die Finger zittern?

          Ich habe die Gedanken nicht schweifen lassen, mich auf den Ablauf konzentriert, auf die Atmung, die Zielannäherung. In der Zielphase hatte ich das Problem, dass die Sicht ein bisschen verschwimmt, das Schwarze da vorne ist gar nicht so groß. Das habe ich aber fokussieren können.

          Haben Sie mal heraus gefunden, wie weit ihre Zielgenauigkeit reicht?

          Ich habe mal auf 300 Meter mit dem Großkaliber geschossen. Aber ich mache meinen Sport wegen des olympischen Leistungsgedanken. Ich gehe auch nicht auf den Rummel, da kann ich nur verlieren. Ich habe aber eine Abmachung mit meiner Freundin, dass ich das mal machen muss.

          Es heißt, mit Ihrem goldenen Schuss sei die Karriere zu Ende gegangen.

          Erstmal mache ich elf Wochen Urlaub, werde durch Südamerika tingeln. Dann versuche ich, den Einstieg ins Berufsleben zu finden. Ich habe in Darmstadt und in den Vereinigten Staaten Maschinenbau studiert und sollte jetzt mal sehen, wo ich bleibe. Vom Schießen kann man ja nicht leben. Mit 28 Jahren bin ich schon etwas älter beim Berufseinstieg.

          Wie gehen Sie mit der Kritik um, in Schützenvereinen würden Menschen an der Waffe ausgebildet, die später großes Unheil damit anrichteten?

          Ich kann nur sagen, dass in meinem Verein als Erstes der verantwortungsvolle Umgang vermittelt wird. Wir Sportler betrachten die Waffen als Sportgeräte. Ich kann nur betonen, dass der Sport mir unheimlich viel gebracht hat, von der gesamten Organisation bis hin zur Konzentration. Er hat zu meiner Persönlichkeitsentwicklung sehr viel beigetragen.

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