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Olympiasieger Alexander Zverev : Auf den Spuren von Boris Becker

Als es endlich geschafft ist, sinkt Alexander Zverev am Netz auf die Knie. Bild: AFP

Der Olympiasieg bringt Alexander Zverev nach vorne. Was ihm jetzt noch fehlt, ist nur der lang ersehnte Titel bei einem Grand-Slam-Turnier. Der letzte Deutsche, dem dies gelang, war Boris Becker.

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          Wer in Deutschland Tennisprofi wird, der muss damit leben, immer wieder an den Erfolgen von Boris Becker gemessen zu werden; zumindest dann, wenn er als Tennisprofi so gut ist wie Alexander Zverev. Becker ist die „Benchmark“, noch immer der Bezugsrahmen für alles, was mit Tennis zu tun hat. Er hat die Sportart, gemeinsam mit Steffi Graf, hierzulande überhaupt erst populär gemacht. Das wirkt nach. Bis heute.

          Pirmin Clossé
          Sportredakteur.

          Alexander Zverev, ein sehr guter und sehr erfolgreicher Tennisspieler, musste sich deshalb immer wieder anhören, was ihm noch fehle, um ein wirklich Großer zu werden. In erster Linie: ein wichtiger Titel, vorzugsweise bei einem der vier prestigeträchtigen Grand-Slam-Turniere errungen. Am besten natürlich in Wimbledon. In Beckers „Wohnzimmer“. Dann, so die verbreitete Meinung, würde Zverev auch endlich so richtig bekannt.

          Der gebürtige Hamburger, jüngster Spross einer russischen Sportlerfamilie, hat schon einige große Turniere gewonnen. Er war schon die Nummer drei der Weltrangliste. Im vergangenen Jahr stand er bei den US Open im Endspiel und verlor denkbar knapp. Doch so wirklich im kollektiven Sportbewusstsein der deutschen Öffentlichkeit angekommen war der 24 Jahre alte junge Mann bislang dennoch nicht.

          Olympiasieger im Einzel

          Das lag auch daran, dass er polarisierte. Mancher hielt ihn für arrogant, für einen verwöhnten Jungmillionär, der seit Teenager-Tagen in Monte Carlo lebt. Auch sein Privatleben sorgte für Schlagzeilen. Eine frühere Partnerin warf ihm körperliche und emotionale Gewalt vor, was er vehement bestreitet. Mit einer anderen ehemaligen Freundin hat er Anfang des Jahres ein Kind bekommen. Sie beschwerte sich, dass er sich dafür nicht ausreichend interessiere.

          Besser läuft es auf dem Tennisplatz. Dort hat Alexander Zverev nun etwas geschafft, was nicht einmal Boris Becker gelang. Etwas, das außer Steffi Graf noch nie einem deutschen Tennisprofi gelungen ist. Er ist Olympiasieger, und das im Einzel. Becker gewann zwar 1992 in Barcelona gemeinsam mit Michael Stich Gold im Doppel. Doch allein war ihm das nie geglückt. Und das Einzel, so ist das im Tennis, ist noch immer das, was wirklich zählt.

          Zverevs Triumph in Tokio hat ihn in die erste Liga der deutschen Sportprominenz katapultiert. Seine glaubhafte Begeisterung für die Spiele und seine herausragenden Leistungen haben ihm Sympathien beschert. Vor allem sein Sieg im Halbfinale gegen den Serben Novak Djokovic, den vielleicht besten Tennisspieler der Geschichte, wird einer der prägenden deutschen Olympia-Momente bleiben.

          Dagegen war Zverevs Finalsieg am Sonntag gegen den Russen Karen Chatschanow fast schon eine Pflichtübung. Was ihm jetzt noch fehlt, ist nur der lang ersehnte Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier. Der letzte Deutsche, dem dies gelang, war Boris Becker.

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