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Geschke in Olympia-Quarantäne : „Seit vier Tagen Reis mit Sojasauce“

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Simon Geschke muss in Tokio noch einige Tage in Quarantäne bleiben. Bild: EPA

Simon Geschke steckt bei Olympia in Quarantäne. Ihm gehe es „nicht so gut“, berichtet er. Nun schaltet sich die deutsche Botschaft ein. Dazu muss der Radsportler Kritik einstecken für seine Wortwahl.

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          Radprofi Simon Geschke setzt die Corona-Quarantäne bei den Olympischen Spielen in Tokio nicht nur mental, sondern auch physisch zu. „Mir geht es mittlerweile vor allem körperlich nicht so gut, und ich glaube, das liegt eher nicht an Covid-19. Mir tut vor allem der Rücken weh vom vielen im Bett liegen. Mir fehlt auch Sonnenlicht, mir fehlt Bewegung, mir fehlt frische Luft, wir dürfen hier ja nicht mal die Fenster öffnen“, erzählte Geschke in einem Interview der Süddeutschen Zeitung (Dienstag).

          Der 35 Jahre alte Routinier war vor dem olympischen Straßenrennen positiv getestet worden und ist seither in Tokio isoliert. In dem Hotel sei das Essen „leider eine Katastrophe“, schilderte der Radprofi, der sich nach eigener Aussage vegan ernährt. „Es gibt kein Obst, ein bisschen Gemüse, von der Qualität her wie im Flugzeug. Im Grunde esse ich seit vier Tagen Reis mit Sojasauce.“

          Immerhin besteht Hoffnung auf Linderung: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) „hat zum Glück veranlasst, dass mir eine Rad-Rolle aufs Zimmer geliefert wird“, sagte Geschke, „die sollte diesen Dienstag kommen.“ Ansonsten habe er über den DOSB „viel Essen bestellt, das haben sie offenbar mit den Organisatoren abgestimmt, dass wenigstens das geht.“ Nach seiner Rückkehr in die Heimat, die vorbehaltlich negativer Corona-Tests frühestens am Sonntag ansteht, freue er sich auf ein Bier, seinen Hund und seine Freundin. „Wobei die Reihenfolge eher lauten müsste: Freundin, Hund, Bier. Und dann gehe ich erst mal richtig schlafen.“

          Strenge Regeln für Infizierte

          Auch die deutsche Botschaft schaltete sich nun ein. „Wir arbeiten mit dem DOSB daran, ihm die Lage, die ja nun wirklich nicht einfach ist, so weit wie möglich zu erleichtern im Rahmen, den momentan Japan da vorgibt“, sagte eine Sprecherin der deutschen Botschaft in Tokio der Deutschen Presse-Agentur. Man stehe inzwischen auch in direktem Kontakt mit Geschke. Zugleich sei man dabei, sich intern mit anderen EU-Staaten abzustimmen, wie im Gespräch mit der japanischen Seite „auf eine Verbesserung der Quarantänebedingungen hingewirkt werden“ kann.

          Für die Olympioniken gelten in Japan die gleichen strengen Regeln wie bei allen Einreisenden, die positiv auf das Coronavirus getestet werden. Betroffene klagen über fehlende Frischluft und Bewegungsmöglichkeiten in der Quarantäne. Problemtisch ist zudem, dass sie in ihren Quarantäneunterkünften komplett alleine sind, in einer ohnehin schon sehr schwierigen psychologischen Situation.

          Geschke ist derweil für seinen Vergleich der Corona-Quarantäne in Tokio mit einer Psychiatrie von Patientenvertretern in Deutschland kritisiert worden. Man sei „gelinde gesagt, verwundert über diese Aussage“, schüre sie „doch Vorurteile, dass Psychiatrie einem Gefängnis gleich sei oder sogar schlimmer“, schrieb die Deutsche DepressionsLiga e.V. in einem offenen Brief an Geschke. „Mit Ihrem Vergleich besteht die Gefahr, dass Betroffene sich als Menschen zweiter Klasse fühlen, wenn sie sich in Psychiatrie begeben. Das darf nicht sein“, hieß es.

          Geschke bat um Entschuldigung. In einem dpa-Interview hatte er am Wochenende gesagt: „Hier geht absolut nichts. Das ist halb Psychiatrie, halb Gefängnis. Wobei es Psychiatrie eher trifft.“ Zur Kritik der DepressionsLiga schrieb er nun. „Das war natürlich nicht zu Ende gedacht dieser Vergleich. Ich sehe Psychiatrien nicht als schlimme Orte und so sollte es auch nicht rüberkommen“, twitterte der Berliner. „Sportler sind nicht immer perfekt im Interviews geben. Danke für den Hinweis!“

          Die DepressionLiga, eine Patientenvertretung für an Depressionen erkrankte Menschen, unterstrich, dass psychiatrische Einrichtungen „der einzige und richtige Weg“ seien, „um aus einer psychischen Erkrankung wie Depression herauszukommen. Der Vorstand der DDL bot Geschke ein Gespräch an, „um Ihnen zu erläutern, wie es ‚hinter den Mauern‘ zugeht und warum es wichtig ist, professionelle ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen“, wie es in dem Brief weiter hieß.

          Geschke war als erstes und bislang einziges Mitglied der deutschen Olympiamannschaft positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das Straßenrennen am vergangenen Samstag, für das er eigens nach der Tour de France die weite Reise nach Japan angetreten hatte, fand ohne ihn statt. Geschke musste stattdessen das Quartier des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) verlassen, vor Sonntag wird er nicht nach Deutschland fliegen dürfen. Sein Zimmerkollege Emanuel Buchmann steckte sich nicht an.

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