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Deutsche Hockey-Damen : Kurz vor der Sensation gescheitert

  • -Aktualisiert am

1:1 stand es nach regulärer Spielzeit Bild: Reuters

Die deutschen Hockey-Frauen verpassen den Einzug ins Olympia-Finale denkbar knapp. Für die Entscheidung muss das Penalty-Schießen herhalten – und das entwickelt sich zum Drama.

          3 Min.

          So nah dran am Finale und dann doch verloren. Erst im Penalty-Schießen ist die deutsche Hockey-Nationalmannschaft der Damen am Mittwoch im Halbfinale gegen den großen Favoriten aus den Niederlanden gescheitert. Nach einem großen Kampf, niedergeschlagen auch von einer winzigen Orientierungslosigkeit im sechsten von sieben Durchgängen bei diesem Nervenspiel zwischen Feldspielerin und Torhüterin über maximal acht Sekunden.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Kristina Reynolds, der überragende Rückhalt der deutschen Auswahl, hatte bei einer Führung von Deutschland (3:2) schon den ersten Schuss abgewehrt, aber sie verlor dabei den Ball aus dem Blick, und die Niederländerin traf doch noch zum Ausgleich. Den danach folgenden Fehlschuss von Marie Mävers nutzte Ellen von Hoog schließlich doch noch zum niederländischen Sieg. Nach Ablauf der offiziellen Spielzeit hatte es 1:1 gestanden. Im Spiel um Bronze geht es am Freitag (17.00 Uhr MESZ) gegen Neuseeland, das im anderen Halbfinale 0:3 (0:1) gegen Großbritannien verlor.

          Die deutsche Mannschaft war gut in dieses Halbfinale gekommen, stabil in der Verteidigung, ruhig im Aufbau. Nichts von dem vorauseilenden Ruhm der niederländischen Auswahl schien sie zu erschüttern, schon gar nicht der offensive Druck auf dem Platz. Gleich vorne auflauern, jedes Anspiel stören, sofort die Nähe zu den Spielerinnen von Bundestrainer Jamilon Mülders aufnehmen: So hatte man den Auftritt des Nachbarn erwartet.

          Mit einem Unentschieden (gegen Neuseeland) und vier Siegen war der Goldfavorit durch die Vorrunde gejagt und hatte vor dem Erfolg im Viertelfinale über Argentinien (3:2) auch die deutsche Auswahl im Gruppenspiel (2:0) links liegen gelassen (2:0). Diesmal nicht, und vor allem nicht so leicht. Holland kam zwar zur ersten Strafecke des Spiels, verspielte diese Chance aber wegen eines Missverständnisses. Im Gegenzug erlebte der Favorit dann sein blaues Wunder: Lisa Schütze stürmte in den Kreis, spielte den Ball clever an den Fuß einer Verteidigerin und belohnte sich mit einem klassischen Abstauber nach der fälligen Strafecke: 1:0.

          Die Antwort aber ließ nicht auf sich warten. Was die Niederländerinnen können, führten sie im zweiten Viertel beeindruckend vor: Ein packendes Pressing, einen Druck auf Körper und Geist, der die deutschen Damen einschnürte, an die Wand presste. Keine Chance, kein kontrollierter Vorstoß mehr in den Kreis des Gegners, ein Spiel in einer Hälfte, mit aber nur einem Tor nach einer Strafecke zum 1:1. Dass es nicht mehr wurden, lag nicht mal an den Niederländerinnen. Letztlich eher an Kristina Reynolds, der Torhüterin. Zur Stelle, wenn die Bälle geflogen kamen. Besonders spektakulär bei der dritten Strafecke: Schon sahen die Fans in Orange auf der Tribüne den Ball ins linke obere Eck aus Sicht der Schützin fliegen, da tauchte die Polster-Pranke der Ärztin auf und ließ den Jubel im Hals ersticken.

          Mit Reynolds ging das so weiter bis in die Schlussminute, immer wieder schön dazwischen, mal mit den Händen, mal mit einer Beinschiene. Nur der Druck ließ ein bisschen nach, zumindest gab es zunehmend Spielraum, aus der Verriegelung hinaus zu kommen. Prompt ließ Pia-Sophie Oldhafer ihre Technik solange aufblitzen, dass nur ein Foul sie stoppen konnte im Kreis. Aber die zweite große Torgelegenheit mit der zweiten Strafecke verstrich ohne Abschluss; so wie auch überraschende Aufbaufehler zwar die Oranje-Fans aufheulen, aber dann erleichert ausatmen ließen: Mülders Team verschaffte sich doch Luft sowie Minute für Minute einen wachsenden psychologischen Vorteil.


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          Die Niederlande lange hinhalten, in die „Crunchtime“ zwingen im vierten Viertel, wenn jeder Fehler über Silber oder Bronze entscheiden kann. Das gelang dank der starken deutschen Innenverteidigung und dem engagierten Mittelfeld davor. Das ging sogar auch noch gut, als gleich zwei deutsche Damen (überflüssigerweise) eine Zeitstrafe absitzen mussten. Ein bisschen Glück oder – je nach Sichtweise – Unvermögen des Gegners kam auch dazu. Die Niederlande kam bei ihrer fünften Strafecke zum dritten Mal wegen einer falschen Ausführung nicht zum Schuss.

          Beim Penaltyschießen durften sich die Deutschen im Vorteil wähnen, auch wegen Kristina Reynolds. Und zweimal waren sie dem Finale nahe – beim Stand von 2:2 scheiterte Franziska Hauke mit ihrem Versuch, der der letzte dieses Halbfinale hätte sein können. Danach bot sich noch eine Chance, aber wieder hatten die Niederländerinnen Glück – und sie griffen zu, als sie erstmals die Möglichkeit hatten. Am Ende flossen auf beiden Seiten Tränen – beim Favorit vor Erleichterung, bei den Deutschen, weil sie so knapp vor der Sensation doch noch gescheitert waren.

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