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Deutscher Handball bei Olympia : „Der Traum vom Halbfinale bleibt“

  • -Aktualisiert am

Auf geht’s ins Viertelfinale: die deutschen Handballer in Tokio Bild: EPA

Mit einem Sieg über Brasilien erreichen die Deutschen das Viertelfinale. Juri Knorrs Tore und die Paraden der Torhüter helfen. Nun wartet ein physisch starker sowie unkonventionell spielender Gegner.

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          Über die Fähigkeiten Juri Knorrs ist viel gesagt und geschrieben worden. Doch bislang wurde man das Gefühl nicht los, dass Bundestrainer Alfred Gislason wenig mit ihm anfangen kann. Bei der Weltmeisterschaft in Ägypten hatte Knorr abwechselnd sehr gute und sehr schlechte Szenen, wenn er denn überhaupt mal für Stamm-Spielmacher Philipp Weber ran durfte. Bei diesem olympischen Handballturnier hatte der 21-Jährige bislang keine Rolle gespielt.

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          Was die Nationalmannschaft am jungen Hochbegabten hat, war am Sonntagmittag zu sehen: Dem letzten Gruppenspiel der DHB-Auswahl gegen Brasilien drückte Knorr den Stempel auf – Ende der ersten und Anfang der zweiten Halbzeit selbstbewusst und torgefährlich zur Stelle, war er mit sechs Treffern Garant des 29:24-Sieges über die Südamerikaner. Knorrs Tore und die Paraden der Torhüter Johannes Bitter und Andreas Wolff sicherten den Deutschen einen Platz im Viertelfinale. Damit ist ein erstes Ziel erreicht.

          In der K.o.-Runde trifft Gislasons Sieben am Dienstag auf Ägypten (11.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Olympia, im ZDF und bei Eurosport). „Das war sicher kein Augenschmaus“, sagte Rechtsaußen Timo Kastening, „heute ging es aber nur darum, sich für das Viertelfinale zu qualifizieren. Das haben wir geschafft.“ Bundestrainer Gislason brachte es auf den Punkt: „Der Traum vom Halbfinale bleibt.“

          Ausgangslage war klar

          Ägypten hat in der Vorrunde nur gegen Dänemark verloren und ist ein physisch starker sowie unkonventionell spielender Gegner – bei der Heim-WM verlor man im Viertelfinale erst nach zweimaliger Verlängerung gegen Titelträger Dänemark. Gislasons Team wird sich steigern müssen, um das Halbfinale und die Medaillenspiele zu erreichen. Positiv ist hervorzuheben, dass es nach den knappen Auftaktniederlagen dem Druck standgehalten hat und so den Turnaround schaffte.

          Die Ausgangslage vor dem Spiel war klar. Durch den Sieg Norwegens über Frankreich durfte Deutschland nicht verlieren. So ähnelte das Spiel einem Achtelfinale. Und das begann sehr mühsam aus deutscher Sicht. Ballverluste im Angriff und Passagen, die selten auf den Punkt gespielt waren ließen die Brasilianer in der 19. Minute 8:6 in Führung gehen. Weber, bisher gut im Turnier, kam weder mit Kreisanspielen noch mit eigenen Würfen durch – und so brachte Gislason seinen jüngsten Spieler. „Wir wussten, dass wir nachhause fahren, wenn wir verlieren. Das hat man zu Beginn gesehen“, sagte Gislason.

          Mit seinem Wechsel lag er goldrichtig, denn Bitter hielt Wurf um Wurf (gerade vom Kreis gegen Silva), und Knorr traf direkt zweimal. Deutschland kam endlich ins Tempospiel und schaffte durch Tore von Julius Kühn und zweimal Uwe Gensheimer den 16:12-Pausenstand. Dabei hatte Gislasons Umstellung von defensiver auf offensive Abwehr mit Hendrik Pekeler auf der Spitze geholfen – denn im eins gegen eins aus der Nahdistanz war Bitter deutlich stärker als die Brasilianer, die fast alle Tore aus dem Rückraum machten.

          Bis auf 21:14 zogen die Deutschen nach der Pause weg, bei denen sich die Vielspieler Paul Drux und Steffen Weinhold ausruhen durften. Trotz einiger Fehler machten es ihre Vertreter Kühn und Kai Häfner diesmal viel besser. In den letzten zehn Minuten verpasste es Kapitän Gensheimer durch zwei Fehlwürfe von außen, für klare Verhältnisse zu sorgen, und Brasilien kam auf 27:24 heran (55. Minute).

          Extra Klapps für Knorr

          Enger wurde es nicht, weil der eingewechselte Andreas Wolff drei Mal großartig hielt. Zusammen kamen die deutschen Keeper auf die Quote von 37 Prozent gehaltener Bälle. Johannes Bitter sagte: „Wir haben das letztlich sehr souverän gelöst. Trotz der einen oder anderen dummen Aktion hatte ich nie das Gefühl, dass wir verlieren können.“

          Einen extra Klapps auf die Schulter verteilten die erfahrenen Spieler danach an Juri Knorr. Er hatte mit überraschenden und mutigen Würfen zum Sieg beigetragen, diesmal auch den Fuß vom Gas genommen, wenn es ratsam war – bei den Rhein-Neckar Löwen in Mannheim wird man diese Leistung gern gesehen haben, wechselte der gebürtige Flensburger doch Anfang Juli von GWD Minden zu den Löwen.  Seinen Mut und seine Beweglichkeit werden die Deutschen gegen die harten und kräftigen Ägypter dringend benötigen.

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