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Ovtcharov bei Olympia : „Da war nur noch Leere und tiefer Schmerz“

  • -Aktualisiert am

So kurz vorm Ziel – und dann doch gescheitert: Dimitrij Ovtcharov Bild: Reuters

Dimitrij Ovtcharov ruft im olympischen Tischtennis-Halbfinale gegen den Chinesen Ma Long eine der besten Leistungen seiner Karriere ab. Doch am Ende reicht das nicht. Nun spielt der Deutsche um Bronze.

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          Ma Long, Tischtennis-Weltmeister und Olympiasieger, der als hoher Favorit ins olympische Halbfinale gegangen war, stieß einen Triumphschrei aus und reckte die Faust nach oben. Dimitrij Ovtcharov hingegen, letzter deutscher Vertreter im Einzel, der kurz vorm Einzug ins Finale gestanden hatte, sank zu Boden. Sein letzter Vorhandtopspin war im Netz gelandet, es war das Ende eines epischen Kampfes. Minuten später sagte Ovtcharov: „Ich konnt’s gar nicht fassen, dass das Spiel tatsächlich vorbei war. Da war nur noch Leere – Leere und tiefer Schmerz.“

          Ma Long behauptete sich mit dem knappstmöglichen Ergebnis: 4:3 nach Sätzen, 11:9 im Entscheidungssatz. Das war ein Spiel, über das man noch in Jahren reden wird. Richard Prause, Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Bundes, sagte: „Das war eines der besten Spiele, das ich jemals gesehen habe. Von der Qualität, von der Dramatik, von der Art und Weise, wie hier gespielt wurde. Das war wirklich Tischtennis der nächsten Stufe.“ Und Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf attestierte „ein Wahnsinnsspiel, bis zum Ende extrem spannend und auch bis zum Ende so hochklassig, was man selten sieht“.

          Die Meinungen, wie oft Ma Long und Ovtcharov schon gegeneinander gespielt hatten, gingen vor diesem Halbfinale auseinander: 15 Mal, 16 Mal oder gar 18 Mal? Sicher aber wussten alle: Jede dieser Begegnungen hatte Chinas Superstar für sich entschieden. Ovtcharov Vater Mikhail sagte, wenn sein Sohn gegen den Weltmeister antrete, dann müsse er diese Bilanz verdrängen, doch mit jeder weiteren Niederlage werde diese Last schwerer. Wie geht man damit um? „Ich habe mich in den letzten Monaten viel mit Ma Long beschäftigt“, sagte Dimitrij Ovtcharov.

          Schon im Februar 2020, als der Chinese ihn bei den German Open in Magdeburg mal wieder bezwungen hatte, blickte Ovtcharov voraus. „Vielleicht kommt das allerwichtigste Spiel gegen ihn noch“, sagte er damals mit Blick auf die Olympischen Spiele in Tokio. Hier präsentierte sich der 32-Jährige bestens vorbereitet: Mit enorm druckvollen Schlägen, mit sehr starkem Aufschlagspiel, mit herausragender Athletik und mit einer Moral, die nicht zu brechen war.

          Blick geht nach vorn

          „Ich habe bei keinem Spielstand gedacht, dass ich jetzt verlieren oder gewinnen kann, sondern wirklich nur an den nächsten Punkt gedacht“, sagte Ovtcharov. „Ich hatte einen klaren Matchplan, und viele Sachen sind gut aufgegangen.“ Leise fügte er an: „Ich spiele hier beim größten Turnier gegen den besten Spieler, den es je gab im Tischtennis, und ich hatte ihn wirklich am Rande einer Niederlage. Irgendwo hat ein Punkt gefehlt. Dass das unglaublich schmerzt, ist noch untertrieben.“

          Dafür hat Roßkopf volles Verständnis. „Das fühlt sich jetzt echt schlecht an“, bestätigte der Bundestrainer, richtete den Blick aber gleich nach vorn. „Jetzt ist es unsere Aufgabe, Dima für das Spiel morgen aufzubauen.“ An diesem Freitag (13.00 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zu Olympia, im ZDF und bei Eurosport) spielt Ovtcharov um Bronze gegen Lin Yun-Ju. Roßkopf erinnert daran, dass Ovtcharov bereits 2012 in London Bronze im Einzel gewonnen und damals bewiesen hat, dass er eine Halbfinalniederlage wegstecken kann. „Es gibt nicht viele Spieler, die bei Olympia zwei Medaillen im Einzel geholt haben. Dima kann dazu gehören.“

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