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Rückkehr von Olympia in Rio : „Deutschland sagt danke“

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Ein Hauch von Rio auf dem Walk of Fame: Die deutsche Mannschaft kehrt zurück von Olympia. Bild: Helmut Fricke

Das deutsche Olympiateam genießt in Frankfurt den „Walk of Fame“, die Präsentation auf dem Römer und den Eintrag ins Goldene Buch. Bundespräsident Gauck findet lobende, aber auch nachdenkliche Worte.

          Der Silberschmuckverkäufer an der Ecke Mainkai / Fahrtor hat normalerweise einen guten Platz: am Übergang von Eisernem Steg zu Römerberg ist stets viel Laufpublikum unterwegs. Doch an diesem Dienstag drehten ihm alle den Rücken zu. Und die, die passierten, hatten keinen Bedarf. Edelmetall war zwar gefragt an diesem Festtag in der Frankfurter Altstadt, aber nicht in Form von Ringen und Armreifen, sondern nur als Medaillen: in Gold, Silber und Bronze.

          Das deutsche Olympiateam ist wieder da. Und viele der etwa 300 Athleten, die in Frankfurt von einigen Tausend Zuschauern fröhlich empfangen wurden, trugen ihre Auszeichnungen, die sie in Rio de Janeiro erworben hatten, mit sichtlichem Stolz um den Hals. Bei einem „Walk of Fame“ wurden sie in der Heimat begrüßt. „Sweet Home Alabama“, spielte dazu die Regie. Willkommen zu Hause. Über den Eisernen Steg ging es in einer beinahe feierlichen Prozession über den Main, ehe es ausgelassener wurde auf dem Römerberg mit vielen Zwischenstopps für Fotos.

          Fahnenträger Sebastian Brendel schritt vorneweg, das Gros der Olympiafahrer im Pulk hinterher. Fröhlich winkend, etwas müde, aufgekratzt und stolz. Sie alle waren in zwei Sondermaschinen aus Brasilien nach Frankfurt geflogen und mit Bussen in die Innenstadt gebracht worden, um sich das Bad in der Menge zu gönnen. Alle trugen Einheitslook, den Teamgedanken herausstreichend, mit der Aufschrift „Germany“ auf strahlend weißen T-Shirts an einem strahlend schönen Sommertag. „Aber das schönste an diesem schönen Tag seid ihr“, rief Bundespräsident Joachim Gauck ihnen beim Empfang im Kaisersaal zu: „Deutschland sagt danke.“

          Gauck dankte dabei ausdrücklich allen Athleten, nicht nur den mit Medaillen dekorierten, sondern allen, die sich über Jahre hinweg vorbereitet hatten, verzichtet hatten, vielleicht auch gescheitert waren: „Sie alle sind Gewinner, dazu möchten wir gratulieren.“ Der Bundespräsident lobte die Spitzensportler für ihren Einsatz, ihren Ehrgeiz, ihre Vorbildfunktion: „Sie geben uns Impulse“, sagte er, „von denen eine Gesellschaft profitieren kann“. Das Staatsoberhaupt sprach in seiner Rede aber auch das massive DopingProblem des Spitzensports an und hob hervor: „Ich möchte nicht Präsident eines Landes sein, das Medaillen um jeden Preis will.“ Stattdessen postulierte er: „Wir wollen stolz auf das sein, was wir mit Fairness und mit eigenen Mitteln geschafft haben. Und das ist viel.“

          42 Medaillen hat das deutsche Team bei den Spielen in Rio gewonnen, sogar 169 Athleten kamen als Medaillenträger nach Hause. Fast 40 Prozent der entsendeten Sportler, wie DOSB-Präsident Alfons Hörmann verkündete. Diese erstaunliche Zahl ist vor allem den Erfolgen in den Mannschaftssporten geschuldet, den Siegen in Fußball und Beachvolleyball, den Erfolgen in Handball, Hockey und Tischtennis, aber auch in den großen Booten beim Rudern und im Kanurennsport.

          Die imposante Zahl unterstreicht auch den Stellenwert des Teamgedankens in einem Land, das sich nicht auf den Erfolg und die Strahlkraft einiger weniger Stars verlassen will und kann. Dass Teamgeist aber auch inspiriert und motiviert, unterstrichen die Sportler selbst. Ob ausgewiesene Mannschaftssportler wie Handball-Kapitän Uwe Gensheimer oder Beachvolleyball-Olympiasiegerin Laura Ludwig, eine Staffelsprinterin wie Lisa Mayer oder ein Solist wie Marathonläufer Julian Flügel, alle beschwören im Gespräch den einzigartigen Spirit und das Gemeinschaftserlebnis der Olympischen Spiele – weit über die Grenzen der Disziplinen hinweg.

          Sie sind wieder da: Die deutschen Olympia-Teilnehmer wurden in Frankfurt empfangen. Bilderstrecke

          Auch deshalb hatte sich Gauck „fest vorgenommen, keine einzelnen Namen zu nennen“ – um dann doch zwei herauszustreichen. Zunächst galt sein besonderer Dank dem Turner Andreas Toba, der sich trotz schwerer Knieverletzung in den Dienst der Turnriege gestellt hatte, und seine Übung am Pauschenpferd durchturnte. Dass der Bundespräsident auch bei diesen Worten das richtige Gespür bewiesen hatte, zeigte der langanhaltende Applaus der Sportler. Gauck dankte dafür, um dann um einen Moment des Schweigens zu bitten, für Stefan Henze, dessen „schrecklicher, sinnloser Tod“ das Projekt Olympia mit einem Trauerrand versah. Doch auch der bei einem Auto-Unfall in Rio ums Leben gekommene Kanu-Trainer habe über seinen Tod hinaus noch Hoffnung gegeben, da er als Organspender vier andere Leben rettete.

          Mit einem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Frankfurt, der „Sporthauptstadt Deutschlands“, wie Oberbürgermeister Peter Feldmann stolz behauptetet, endete das Abenteuer Olympia 2016, ehe die symbolische Staffelübergabe an die Paralympische Mannschaft das nächste Kapitel einleitete und sich der Römerberg langsam leerte, das normale touristische Leben Einzug hielt. „Endlich ein bisschen Ruhe“ sagte der Schmuckverkäufer fröhlich.

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