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Handball-Team bei Olympia : Deutscher Stresstest gegen wilde Abwehr

  • -Aktualisiert am

Kai Häfner und die Deutschen brauchen einen Sieg über Argentinien. Bild: AP

Nach der bitteren Niederlage gegen Spanien brauchen die Handballer nun einen Sieg über Argentinien. Das wird nicht einfach gegen die unkonventionell spielenden Südamerikaner.

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          Es gibt etwas im Handball, das der deutschen Nationalmannschaft traditionell gar nicht schmeckt. Wenn der Gegner mit einer aggressiven, offensiven Abwehr spielt und einstudierte Angriffszüge kaum zulässt, sah die deutsche Auswahl in den vergangenen Jahren meist alt aus – gleichgültig, wer spielte und welcher Trainer auf der Bank saß.

          Das wild wirkende Agieren mit einem vorgezogenen Abwehrspieler und weiteren, die rasch herausrücken, hat wenig mit dem gepflegten Handballspiel zu tun, das die Deutschen schätzen. Oft ist Hektik in den eigenen Reihen die Folge, Anspielpartner fehlen, Ballverluste entstehen, und man fragt sich: Kann man das nicht trainieren?

          Doch. Kann man. Aber man braucht einen Spieler oder besser noch zwei in den eigenen Reihen, die gegen eine offensive Abwehr eben nicht nervös werden. Sondern cool bleiben. Intelligente Spielsteuerung ist gefragt. Und die erhofft sich der Deutsche Handballbund (DHB) an diesem Montagmorgen (4.00 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Olympia, im ZDF und bei Eurosport) beim olympischen Handballturnier gegen Argentinien.

          Bittere Niederlage gegen Spanien

          „Argentinien spielt sehr kampfbetont. In der Abwehr sind sie offensiv und aggressiv, sie suchen immer die Zweikämpfe“, sagt Axel Kromer, der Sportdirektor des DHB, über den nächsten Gegner, der sein erstes Spiel 27:33 gegen Frankreich verlor, aber gut mithielt. Kromer fordert: „Wir müssen die Cleverness an den Tag legen, die wir in den vergangenen Monaten schon gezeigt haben. Wir haben eine taktisch sehr kluge Spielsteuerung über unsere Rückraum-Mitte-Position mit Philipp Weber und Juri Knorr. Sie müssen die richtigen Ideen platzieren, damit wir diese Zweikämpfe nicht gnadenlos häufig führen müssen.“

          Philipp Weber ist Bundestrainer Alfred Gislasons erste Wahl als Regisseur. Beim bitteren 27:28 gegen Spanien am Samstagmorgen hatte Weber es ordentlich gemacht gegen Iberer, die kaum offensiv deckten. Auch Knorr hatte in den wenigen Minuten gute Moment, als Gislason ihn einsetzte. Um nicht schon nach zwei Spielen aussichtslos zurückzuliegen, muss nun am Montag ein Sieg her über die unkonventionell spielenden Südamerikaner.

          Es wird darauf ankommen, dass weder Weber noch Knorr die Nerven verlieren, wenn sie früh angegriffen werden und aus dem Augenwinkel sehen, dass die Nebenleute im Rückraum auch schon attackiert sind. Natürlich entstehen Lücken, wenn ein Gegner in der 5:1-Variante deckt oder gar im 3:2:1 – aber die muss man erst einmal erspähen. Und nutzen.

          Kromers Verweis auf Cleverness verheißt wenig Gutes. Gegen die im Schnitt 34 Jahre alten Spanier waren es nicht nur drei umstrittene Schiedsrichterentscheidungen in den letzten 90 Sekunden, die einen Sieg verhinderten, sondern auch vergebene freie Würfe, unter anderem zwei Siebenmeter. Besonders ausgeschlafen hatte sich Gislasons Sieben gegen die abgezockten Iberer dabei am Ende wahrlich nicht angestellt.

          Anderes machte Mut. Gislason hat ebenfalls eine offensivere Deckung mit dem vorgezogenen Hendrik Pekeler einstudiert. Die ungewohnte deutsche Formation stellte Spanien Mitte der zweiten Halbzeit vor Probleme. Hinten war Finn Lemke ein Gewinn, und vorn lief das Spiel mit dem Kreisläufer ganz gut. Insgesamt wollten die deutschen Handballspieler aus der knappen Niederlage gegen den Europameister Zuversicht für die nächsten Aufgaben ziehen, wissend, dass mit Frankreich und Norwegen noch harte Gegner warten.

          Bis es soweit ist, muss am Montagmorgen aber erst einmal der Stresstest gegen Argentiniens wilde Abwehr bestanden werden.

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