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Frust nach Olympia-Aus : „Wir waren eingesperrt“

  • -Aktualisiert am

Vermisste das olympische Flair in Japan: Deutschlands Trainer Stefan Kuntz Bild: AP

Die deutschen Olympia-Fußballer scheiden in der Gruppenphase aus. Trainer Stefan Kuntz holt danach zum Rundumschlag aus und äußert Kritik. Wie es für ihn weitergeht, ist offen.

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          Die Träume in Gold, sie waren von Anfang an nur Illusion. Die frühere Fußball-Weltmacht Deutschland, zu den Olympischen Spielen nach Tokio mit einem Minikader von gerade mal 18 Spielern angereist, hat dem von einigen Bundesliga-Klubs herbeigeführten peinlichen Personalhandikap letztlich nicht trotzen können.

          Als das „Team D“ nach zwei wilden Spielen bei der glimpflich ausgefallenen 2:4-Niederlage gegen Brasilien und dem mit letzter Kraft erzwungenen 3:2-Sieg über Saudi-Arabien seine letzte Chance auf das Viertelfinale nutzen wollte, scheiterte die erstmals halbwegs geordnet auftretende Auswahl von Trainer Stefan Kuntz an einem gut organisierten Gegner, der das Nötigste tat, um sich als Zweiter der Vorrundengruppe D für die Runde der letzten acht zu qualifizieren. Die Spieler der Elfenbeinküste, bis auf ihren Torwart Ira allesamt in europäischen Profiligen unterwegs, kamen beim 1:1 mit ihrem minimalistischen Fußball ans Zwischenziel, auch weil ihnen der Gegner wertvolle Dienste leistete.

          Olympisches Himmelfahrtskommando

          Zunächst musste Kuntz den nach einer Sperre wegen einer Gelb-Roten Karte zum Auftakt gegen Titelverteidiger Brasilien zurückgekehrten Kapitän Maximilian Arnold zur Pause vorsorglich in der Kabine lassen, weil der Wolfsburger nach einer umstrittenen Verwarnung (30.) Glück hatte, dass sein Tritt gegen Kouamés Sprunggelenk (43.) nicht sogleich zum nächsten Platzverweis führte. Und dann übernahm auch noch der Leipziger Benjamin Henrichs das Toreschießen für die Ivorer, als er bei einem Rettungsversuch im Duell mit Mittelstürmer Dao den Ball ins eigene Tor grätschte (67.).

          Das 1:1 durch den für Arnold eingewechselten Bochumer Eduard Löwen per gefühlvollen Zwanzig-Meter-Freistoß ins Dreieck (73.) weckte noch einmal Hoffnungen, die die ob der Umstände zwar jederzeit gewillte, doch genauso erkennbar physisch geschwächte deutsche Mannschaft im subtropischen Klima von Miyagi nicht mehr erfüllen konnte. 2016 in Rio de Janeiro, wo die A-Mannschaft zwei Jahre zuvor Weltmeister geworden war, noch mit der olympischen Silbermedaille hoch dekoriert, konnte das Nachfolgeteam fünf Jahre später den eigenen Erwartungen in Japan nicht einmal ansatzweise gerecht werden.

          Immerhin sahen die Zuschauer daheim, wie ein limitiertes Aufgebot zu einer Mannschaft zusammengewachsen war, die es an kämpferischen Tugenden nicht fehlen ließ. Was fehlte, war der nötige Esprit, um allen Widrigkeiten zum Trotz die reine Schwerarbeitsebene zumindest gelegentlich mal verlassen zu können. Kuntz, der 52 Tage davor die deutsche U-21-Mannschaft zum Europameistertitel geführt und damit das einzige deutsche Fußball-Highlight in einer Corona-Saison der vielen Enttäuschungen angezündet hatte, konnte mit seinem olympischen Sparaufgebot, was Wunder, keine Zauberkunststücke vollbringen. „Alle Körner, die sie heute hatten, haben sie gegeben“, lobte er seine „Jungs“, die sich nach Kräften gegen den Abschied von einer Illusion zur Wehr gesetzt hatten. „Wir waren von den Möglichkeiten, die wir mit dem Kader hatten, ein bisschen eingegrenzt“, beschrieb Kuntz die Personalknappheit beim Blick zurück auf sein olympisches Himmelfahrtskommando noch milde.

          Kuntz lässt Zukunft offen

          Vom olympischen Geist bekamen er und seine erkennbar erschöpften Spieler nur bei zwei Besuchen im Olympischen Dorf einen Hauch zu spüren. Sonst aber blickte Kuntz desillusioniert auf seine Olympia-Erfahrungen im Zeichen der Corona-Pandemie zurück: „Wir waren kaserniert, eingesperrt, durften nicht auf die Straße gehen. Wir durften nach langem Hin und Her einen Balkon mal öffnen lassen. Da hätte ich gern mehr olympisches Flair gehabt.“

          Wenn dann auch noch der sportliche Spielraum von vornherein eng ist und nach den Platzverweisen gegen Arnold und den Bielefelder Innenverteidiger Pieper noch enger wird, wird aus einer erhofften Traumreise rasch eine Mission Impossible. Kapitän Maximilian Arnold, der als Gelegenheitsmitarbeiter keine Akzente setzen konnte, zog ein Fazit, das für alle galt, die am Mittwoch die olympische Bühne räumen mussten: „Die Enttäuschung ist riesengroß, so richtig waren wir nie im Turnier drin.“ Und vielleicht ist ja auch Kuntz beim DFB bald draußen: „Wenn ich sofort nach dem Spiel etwas über meine Zukunft sagen könnte, wäre ich nicht voll bei dem Spiel gewesen. Da mache ich mir in Ruhe Gedanken“, sagte er. Kuntz hatte nach dem EM-Triumph mit der U21 im Juni angekündigt, nach Olympia „das Ganze wirken lassen“ zu wollen.

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