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Hockey-Aus gegen Australien : Der Tank ist leer, das Herz gebrochen

Aus der Traum von Gold: Die deutschen Hockey-Herren um Johannes Grosse (vorne) verlieren das Halbfinale gegen Australien mit 1:3. Bild: Reuters

Deutschlands Hockey-Männer verlieren im Halbfinale gegen Australien – und spielen um Bronze. Dabei wussten sie eigentlich genau, welche Aufgabe ihnen die Australier stellen.

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          Sie wussten, was passieren wird. Der Bundestrainer, der Kapitän, der Stürmer. Sie wussten einfach, was in diesem Halbfinale der Olympischen Spiele gegen Australien passieren wird. Sie sagten es fast wortgleich, als sie am Dienstagabend durch die Interviewzone vor dem Oi-Hockey-Stadion in Tokio gingen und zu erklären versuchten, was sie am liebsten nicht erklären hätten müssen.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          „Wir haben den australischen Tank leer gespielt. Wir wussten, dass die Australier am Anfang sehr dynamisch sind, aber dass sie das Level nicht über das ganze Spiel halten können. Wenn ihr Tank leer ist, ist das Spiel meistens entschieden. Aber wenn es nicht entschieden ist, hat man eine echte Chance, zu gewinnen. An dem Punkt hatten wir sie heute“, sagte Kais al Saadi, der Bundestrainer.

          „Uns war bewusst, dass die Australier hinten raus etwas müde werden und am Anfang Vollgas geben werden. Diese Phase muss man überstehen“, sagte Tobias Hauke, der Kapitän. „Australien gibt am Anfang Gas. Sie werden dann müde, und es kommt weniger“, sagte Florian Fuchs, der Stürmer.

          Sie wussten also wirklich, was passieren wird. Und sie haben ihr Wissen auch genutzt. Sie haben in der ersten Halbzeit, der großen Drangphase der Australier, nur zwei Gegentore hinnehmen müssen: durch Tim Brand (10.) und Blake Govers (27., nach einer Strafecke). Das war „im Rahmen“, wie Hauke später sagte. Denn dazwischen hatte Lukas Windfeder – ebenfalls nach einer Strafecke – mit seinem sechsten Turniertor zum 1:1 getroffen. Sie haben in der zweiten Halbzeit dann versucht, ihre eigene große Drangphase einzuleiten. Der Plan ging eigentlich auf. Aber nur eigentlich.

          Am Dienstagabend hat die deutsche Hockey-Nationalmannschaft im Halbfinale gegen Australien 1:3 verloren. Sie hat in den finalen Minuten kein Tor mehr geschossen, sondern noch eines hinnehmen müssen. Durch Lachlan Sharp eine Minute vor Spielende, als sie den Torhüter schon durch einen Extrafeldspieler ersetzt hatte. Sie spielt daher an diesem Freitag (3.30 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zu den Olympischen Spielen, in der ARD und auf Eurosport) nicht um Gold, sondern um Bronze, gegen Indien, den Rekord-Olympiasieger, allerdings früherer Tage.

          Es könnte sein, dass für die Deutschen eine Serie enden wird. Sie haben bei den vergangenen vier Sommerspielen stets eine Medaille gewonnen. In Athen 2004 und Rio 2016 war es Bronze. In Peking 2008 und London 2012 sogar Gold. Und wegen dieser Erfahrungen sagte Florian Fuchs schon im Moment der Niederlage, was für eine Wirkung eine Medaille haben kann, selbst wenn sie nur bronze schimmert. „Das realisiert man erst, wenn man Dritter geworden ist und auf dem Treppchen steht.“

          Warum reichte es nicht fürs Finale? „Wir haben gegen eine Mannschaft verloren, die in beiden Kreisen effektiver war als wir“, sagte Tobias Hauke. Im Schusskreis fehlte den Deutschen die Präzision. Sie führten sechs Strafecken aus – und konnten nur eine nutzen. Die Australier waren wesentlich geschickter. Im Angriff, vor allem aber auch in der Abwehr. „Obwohl sie nach meinem Eindruck stehend k.o. waren“, sagte al Saadi, „haben sie es geschafft, im Schusskreis wenig bis keine Fehler zu machen.“ Seine Spieler konnten den entscheidenden Fehler nicht erzwingen. Sie drangen 20-mal in den Schusskreis ein. Sie haben es also oft versucht, aber nicht geschafft. Oder wie es Torschütze Lukas Windfeder sagte: „Wir haben alles gegeben. Hier war keiner auf dem Platz, der noch Körner hat. Jetzt tut’s einfach weh.“

          So ging es allen deutschen Spielern und Trainern, die in der Interviewzone in die Mikrofone sprachen. Sie wollten das aber nicht verstecken, im Gegenteil, sie wollten darüber reden. „Wenn man so viel Herz reinsteckt wie die Jungs heute, dann läuft man auch mal Gefahr, dass es bricht“, sagte ihr Trainer. „Ab morgen kleben wir es zusammen.“ Und der Kapitän Tobias Hauke sagte: „Wenn wir morgen aufstehen, bin ich mir sicher, dass die Jungs bereit sind zu holen, was wir uns verdient haben.“

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