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Verletzter Ringer Stäbler : „Eine der schwersten Wochen meines Lebens“

Gedanken ans Aufgeben bei Olympia in Rio? „Nein, nie“: Ringer Frank Stäbler. Bild: dpa

Ringer Frank Stäbler wollte Olympia-Gold holen, scheiterte aber wegen einer Verletzung. Im FAZ.NET-Interview verrät er, warum die Blessur geheim blieb, welche Schmerzen er hatte – und wie es nun weitergeht.

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          Ringer-Weltmeister Frank Stäbler wollte in Rio de Janeiro Olympiasieger werden. Ein Syndesmoseriss hat das Unterfangen unmöglich gemacht. Im FAZ.NET-Interview sagt er, warum er trotzdem gekämpft hat und wieso er dennoch ein Ziel erreicht hat.

          Ihr olympischer Traum ist geplatzt wegen einer Verletzung. Wann haben Sie sich den Riss des Syndesmosebands zugezogen?

          Es war richtig schicksalhaft. Es war vor zehn Tagen in der letzten ernsthaften Trainingseinheit vor dem Gewichtmachen, im letzten Kampf, in der letzten Sekunde.

          Warum hielten Sie die Verletzung geheim?

          Ich wollte es zum einen nicht kommunizieren, um nicht vor dem Kampf auf Mitleid zu machen. Und es hatte auch taktische Gründe. Die Gegner sollten nicht wissen, dass ich verletzt bin.

          Hatten Sie Hoffnung, dass Sie die Verletzung verschleiern könnten?

          Ich habe bis zur letzten Sekunde an das Wunder geglaubt. Ich konnte den Fuß ja vorher nicht austesten und dachte ich, ich kann den Schmerz ausblenden. Ich dachte bis zuletzt, mit Schmerzspritzen ginge es im Kampf. Meine Trainer haben mir jetzt verraten, dass sie eigentlich schon lange keine Hoffnung mehr hatten.

          Wie hat der Fuß Sie denn behindert?

          Bei meiner großen Stärke, dem Ausheber, ist der Fuß immer wieder weggeknickt, weil da trotz Tapeverband keine Stabilität mehr im Gelenk war. Dazu fuhr der Schmerz dann wie in Messerstich ins Gelenk. Dadurch konnte ich keine Kraft entwickeln.

          Haben Sie irgendwann mal ans Aufgeben gedacht?

          Nein, nie.

          Unseren Lesern haben Sie einen Einblick gegeben ins Gewichtmachen unter Normalumständen. Wie hat sich die Verletzung auf diese Tortur ausgewirkt?

          Ich mache normal 80 Prozent übers Joggen. Jetzt konnte ich nur Ergometerfahren in ganz kleinen Gängen, weswegen ich Ewigkeiten auf dem Rad verbracht habe. Dazu musste ich jeden Tag in die Sauna, was ich normalerweise nur in geringem Umfang mache, weil das viel an die Substanz geht. Auf der anderen Seite war nicht an ringerspezifisches Training zu denken, Spritzigkeit konnte ich auch nicht trainieren. Es war fast ein Wunder, dass das Gewichtmachen geklappt hat.

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          Und dennoch waren Sie gar nicht so weit weg von einem Kampf um Bronze. Wie war das möglich?

          Ja, es war dazu bitter, wie die Kampfe dann liefen. Gegen Stefanek gab es sehr umstrittene Entscheidungen gegen mich. Gegen den Japaner Inoue hatte ich dann Pech. Ich war im Kopf schon im Bronzekampf, als er mich einmal rausschiebt. Dadurch dass ich dabei wegen meines Fußes umgeknickt bin, bekam er zwei Punkte, bei einem wäre ich im Bronzekampf gewesen. Es kam zu allem noch viel Pech dazu.

          Können Sie dennoch irgendwas Positives aus Rio mitnehmen?

          Ich bin Olympia-Siebter mit einem Fuß! Das ist doch was… Im Ernst: Es ist umso bitterer, da die Konstellation einfach gut war. Ich war an sich in Form, die Auslosung war gut für mich. Ich muss es jetzt so sehen: Ich habe eine der schwersten Wochen meines Lebens hinter mir und dennoch drei hochwertige Kämpfe ringen können. Darauf kann ich ein wenig stolz sein. Mein Traum war die Medaille, mein Ziel war aber vor allem immer, alles zu geben. Jetzt habe ich vielleicht noch mehr als alles gegeben.

          Können Sie das in die nächsten vier Jahre mitnehmen als Erfahrung oder ist das jetzt eine Last?

          Ich denke beides: Natürlich denke ich zuerst: Jetzt kommen noch mal vier unfassbar harte Jahre. Andererseits ist es vielleicht einfach für mich so bestimmt: Dann soll es halt in Tokio sein.


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