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Trippel gewinnt Judo-Silber : Den Traum erfüllt

Silber – und der nächste große Schritt ist schon geplant: Eduard Trippel Bild: dpa

Bis zum fünften Tag der Judo-Wettkämpfe muss das deutsche Team in Tokio warten, dann holt Eduard Trippel die erste Medaille. Der 24-Jährige glaubt an sich und gewinnt Silber.

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          Der ganz große Wurf gelang ihm im olympischen Finale dann nicht mehr. Er bekam seinen flinken Gegner, der nach einem Haltegriff mit einer mittleren Wertung führte, in der verrinnenden Zeit einfach nicht mehr zu packen. Doch auch so war Eduard Trippel mit sich und der Judo-Welt im Reinen: Silber im Mittelgewicht bei den Olympischen Spielen in Tokio. Viel mehr geht für einen Judoka nicht.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Dass er im Kampf gegen den Georgier Lascha Bekauri nicht sogar Gold gewann, führte der junge Rüsselsheimer im Nachhinein auf seine riesige Freude nach dem überstandenen Halbfinale zurück. Als er den Türken Mihael Zgank im Golden Score bezwungen hatte, stand er da mit entrücktem Blick, die Arme ausgebreitet, Nase tamponiert, weil ramponiert, und schien schon am Ziel seiner Träume.

          „Das war mein Verhängnis“

          „Ich habe ein bisschen Spannung verloren“, bekannte Trippel später: „Das war mein Verhängnis im Finale.“ Happy war er trotzdem und die ganze deutsche Judo-Delegation mindestens genauso. Denn Trippels Medaille war nicht nur die erste für den Deutschen Judo-Bund (DJB) am fünften Wettkampftag der Spiele von Tokio, sondern auch die erste, seitdem Ole Bischof seinem Olympiasieg von 2008 noch Silber 2012 angefügt hatte.

          Fast hätte es an diesem Mittwoch sogar noch ein zweites Edelmetall für die Deutschen gegeben, doch Giovanna Scoccimarro unterlag im Kampf um Bronze in der 70-Kilo-Klasse in der Verlängerung gegen die Niederländerin Sanne van Dijke. So blieb es bei Trippels Coup, mit dem freilich nicht alle gerechnet hatten.

          Lascha Bekauri (weiß) gewinnt das Olympia-Finale gegen Eduard Trippel.
          Lascha Bekauri (weiß) gewinnt das Olympia-Finale gegen Eduard Trippel. : Bild: AFP

          Trippel schon. „Ich peile eine Medaille an“, hatte der 24-Jährige im Vorfeld gesagt, und dass ihm dieser ambitionierte Anspruch nicht als Größenwahn ausgelegt wurde, lag vor allem daran, dass der eher stille junge Mann so gar nicht zur Überheblichkeit neigt. Doch „Edu“, wie er gerufen wird, wusste nach einer intensiven Vorbereitungszeit eben, was er von sich erwarten konnte. Auch wenn er noch nie eine internationale Medaille bei einer großen Meisterschaft gewonnen hatte und sein Weltranglistenplatz 15 unter 33 Teilnehmern in der Klasse bis 90 Kilogramm ihn nicht mal als Endkampf-Kandidaten auswiesen.

          Doch die Verschiebung der Olympischen Spiele um ein Jahr wegen der Corona-Pandemie hatte ihm sportlich gutgetan, wie er im Vorfeld erzählte. „Für mich läuft gerade alles“, sagte er vor der Abreise nach Tokio. Platz drei beim Masters in Doha und Platz zwei beim Grand Slam in Kasan hatten ihm im Laufe der Saison vermittelt, auf dem richtigen Weg zu sein. „Ich fühle mich besser als im vergangenen Jahr“.

          Corona im Trainingslager

          Und das, obwohl er sich bei einem Trainingslager in Georgien mit dem Covid-19-Virus infizierte. Doch er hatte das Glück, nur einen milden Verlauf erlitten zu haben, konnte nach Ablauf der Quarantäne ohne größere Einschränkungen den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen. Und dies mit einigen Besonderheiten. Obwohl er als Anwärter im hessischen Polizeidienst angestellt ist, durfte er seinen angestammten Trainingsort Rüsselsheim mit dem Bundesleistungszentrum Köln tauschen, da er sich dort intensiver und mit besseren Trainingspartnern messen konnte.

          Und so legte er voller Selbstbewusstsein los im Budokan, der legendären Judo-Halle in Japans Hauptstadt. Offensiv ausgerichtet, löste er gleich zum Auftakt die schwierigste Aufgabe, bezwang den früheren Weltmeister Nemanja Majdov aus Serbien. Neben seiner Schnelligkeit sprechen für Trippel vor allem sein gutes taktisches Verständnis, mit dessen Hilfe er sich seine Gegner im Kampf zurechtlegte. So mussten sich auch der Südkoreaner Gwak Dong-Han und der ungarische WM-Dritte Krisztián Tóth dem jungen Deutschen geschlagen geben. Und als der dann auch noch den Türken Zgank im Halbfinale besiegt hatte, war seine Mission Medaille schon erfüllt.

          Beim Betreten der Matte vor dem Finalkampf lächelte Trippel dann so beseelt wie ein Olympiasieger. In den anschließenden vier Kampfminuten war ihm der aktuelle Europameister aber doch stets einen Handgriff voraus. Und so sorgte schließlich der Georgier Lascha Bekauri für den ersten Gästesieg bei den Judo-Männern im Budokan, nachdem in den vier leichteren Gewichtsklassen ausschließlich Japaner Gold gewonnen hatten. Eduard Trippel wird sich nun erst mal eine Wettkampfpause gönnen, um sich ein halbes Jahr ausschließlich auf sein Polizeistudium konzentrieren zu können. Danach will er sich auf den nächsten Olympiazyklus vorbereiten. Und in Paris 2024 den nächsten großen Schritt wagen.

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