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Silber für Deutschland : Neymar verhindert den dritten deutschen Triumph im Maracanã

Der brasilianische Stürmerstar Neymar bejubelt die Goldmedaille seines Teams. Bild: dpa

Am Ende eines dramatischen Olympia-Finals kann das deutsche Fußballteam den brasilianischen Befreiungsschrei nicht mehr verhindern: Zwei Jahre nach dem 1:7 revanchiert Superstar Neymar mit einem verwandelten Elfmeter seine gebeutelte Nation.

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          Es ist kein Trost für die deutschen Fußballer für verpasstes olympisches Gold – aber sie werden dank einer großen Leistung eine besondere Erwähnung in den Geschichtsbüchern der Spiele von 2016 finden. Denn sie waren am Samstag am emotionalsten Ereignis von Rio beteiligt. In einem atemraubenden Finale mit Dutzenden Torszenen und reichlich Dramatik verloren sie gegen Gastgeber Brasilien erst im Elfmeterschießen und wurden am Ende auch vom fanatischen Publikum im legendären Maracanã-Stadion gefeiert.

          Christian Eichler
          (cei.), Sport

          Der große Held hieß Neymar. Er hatte die Brasilianer mit einem perfekten Freistoß in Führung gebracht (27. Minute), ehe die deutsche Elf nach drei Lattentreffern zum verdienten Ausgleich durch Max Meyer kam (59.). Danach brauchte sie im letzten Spiel ihres Trainers Horst Hrubesch enorme Widerstandskraft und auch etwas Glück gegen die wild anstürmenden Brasilianer, um die Verlängerung und dann das Elfmeterschießen zu erreichen.

          Finaler Nervenkrieg vom Punkt

          Im finalen Nervenkrieg vom Punkt gegen die johlende Kulisse der 70.000 Brasilianer verwandelten Matthias Ginter, Serge Gnabry, Julian Brandt und Niklas Süle ihre Elfmeter sicher, aber auch die Brasilianer Renato Augusto, Marquinhos, Rafael und Luan trafen. Beim Stand von 4:4 war es Stürmer Nils Petersen – neben den Bender-Brüdern einer der drei bei Olympia zugelassenen Spieler über 23 Jahren im Team – der zum Pechvogel wurde. Torwart Weverton hielt den Ball – und an den Punkt trat Neymar, der das Werk vollendete. Er schickte Torwart Timo Horn in die falsche Ecke, ging in die Knie und wurde von einem unfassbaren Ausbruch lauter Freude eingehüllt. Es war wie der Befreiungsschrei einer geplagten, gebeutelten Nation.

          Vor dem Spiel war Brasiliens Medien und in Gesprächen mit Einheimischen deutlich geworden, wie sehr den Brasilianern auch nach zwei Jahren das 1:7-Debakel im WM-Halbfinale noch in den Köpfen saß. Sie brannten auf Revanche, allen voran ihr Superstar Neymar, der damals schmerzlich vermisst wurde, nachdem ihm der Kolumbianer Zúñiga im Spiel zuvor einen Lendenwirbel gebrochen hatte. Allerdings hatten die Teams, die am Samstag in Rio auf dem Platz standen, nichts mit denen zu tun, die damals das „Jahrhundertspiel“ in Belo Horizonte bestritten. Der einzige Spieler im olympischen Finale, der schon damals dabei war, wenn auch nur auf der Bank, war Matthias Ginter.

          Fußball bei Olympia : Brasilien gewinnt Final-Krimi gegen Deutschland

          Und gleich zu Beginn der Partie hatte es ein Déja-vu mit 2014 für beide Seiten gegeben: nach elf Minuten um ein Haar die deutsche Führung, ein herrlicher Schlenzer von Julian Brandt aus zwanzig Metern, wuchtig ans Lattenkreuz knapp neben dem rechten Torwinkel. Der Leverkusener raufte sich den blonden Schopf. Fast wäre sie gelungen, die Ouvertüre zur 7:1-Kopie – damals hatte in derselben Minute Thomas Müller die deutsche Führung erzielt.

          Danach aber wichen die Brasilianer deutlich vom Drehbuch ab. Anders als die gelähmte „Selecão“ von 2014 machten nun sie das Spiel und kamen zu ersten Chancen. Stürmer Luan traf eine halbhohe Hereingabe am Elfmeterpunkt mit seinem Volley aber nicht richtig. Der frühere Leverkusener Renato Augusto setzte einen Direktschuss nach einem Eckball knapp neben den Pfosten.

          Schließlich krönte Neymar die viertelstündige Drangphase der Männer in Sonnengelb mit einem Traumtor. Sein Freistoß aus halblinker Position, 25 Meter vom Tor entfernt, flog über die deutsche Mauer, krachte an die Unterkante der Latte und schlug unerreichbar für Torwart Timo Horn im Netz ein. Das Maracanã bebte und entließ eine akustische Explosion aus fast siebzigtausend Kehlen. Das deutsche Team, nach fünfzehn passiven Minuten, wirkte, als hätte es diesen Weckruf gebraucht, um aus einem Schlummer zu erwachen. Auf einen Schlag waren sie am Drücker. Max Meyers Freistoßhereingabe von der linken Seite wurde von einem Verteidiger auf die Latte abgefälscht, von wo der Ball ins Toraus tickte. Trainer Hrubesch schlug mit einem Wutschrei die Hände zusammen – schon wieder das Tor getroffen, aber nicht hinein.

          Und es sollte noch dicker kommen. Drei Minuten später landete der Ball schon wieder an der Latte des brasilianischen Tores – diesmal nach Freistoß von rechts, per Kopf verlängert von Sven Bender. Das war binnen 25 Minuten gleich vierfaches Pech für die deutsche Mannschaft. Vier Mal zwischen der 11. und 35. Spielminute war der Ball an die Latte geflogen, dreimal an die der Brasilianer. Aber nur der Schuss Neymars landete von dort im Tor.

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