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Schwimmen in Rio : „Wir wollen die Medaillen nicht haben“

Ernüchtert: Marco Koch wird im Finale nur Siebter Bild: dpa

Im olympischen Finale über 200 Meter Brust wird Marco Koch von fast allen Konkurrenten besiegt. Nach dessen siebtem Platz zieht der Schwimm-Bundestrainer eine ernüchternde Bilanz – und kritisiert sein Team.

          Marco Koch, der Weltmeister über 200 Meter Brust, betrat um 22 Uhr das Stadioninnere des Olympischen Schwimmstadions von Rio de Janeiro. Er richtete den Startblock der Bahn eins und wartete auf die Gegner. Seine sieben Konkurrenten kamen, sahen – und besiegten ihn fast alle.

          Einzig den neben ihm schwimmenden Amerikaner Kevin Cordes konnte Koch hinter sich lassen. Er kam in 2:08,00 Minuten ins Ziel, eine Zeit, die er in diesem Jahr schon mehrfach unterboten hatte. Olympiasieger wurde der Kasache Dmitrij Balandin in 2:07,46 Minuten vor Josh Prenot aus den Vereinigten Staaten und Anton Tschubkow aus Russland. Balandin war am anderen Ende des Beckens ins Rennen gegangen – er war der langsamste Schwimmer im Halbfinale „Alle acht Schwimmer hätten hier gewinnen können“, sagte Kasachstans erster Schwimm-Olymoiasieger anschließend. „Es ist ein historischer Tag. Ich werde dafür arbeiten, dass wir künftig mehr Medaillengewinner haben.“

          Während die kasachischen Trainer Balandin als ersten Schwimm-Olympiasieger enthusiastisch feierten, bedeutet Kochs Niederlage eine weitere ganz große Enttäuschung für die deutschen Schwimmer bei diesen Olympischen Spielen. „Aber heute war einfach nicht mehr drin. Ich kann konkret nicht sagen, was ich falsch gemacht habe. Es ist natürlich ärgerlich, dass ich die Zeiten heute nicht geschwommen bin.“

          Nicht bis ins letzte souverän

          Anfang des Jahres war Koch in Luxemburg 2:07,69 Minuten geschwommen, eine Zeit die ihm in Rio die Bronzemedaille gebracht hätte. Doch im Vorlauf und vor allem im Halbfinale am Dienstag wirkten Kochs Auftritte nicht bis ins letzte souverän. Der Weltmeister hatte zwar nicht zu Unrecht darauf hingewiesen, dass jede der Bahnen im Becken 50 Meter lang sei, auf welcher er starte, mithin unwesentlich – dass aber er auf einer für die langsamsten Halbfinalschwimmer reservierten Außenbahnen starten musste, war letztlich doch ein Hinweis. So hatte es Chefbundestrainer Henning Lambertz „Arbeit und Kampf“ bei seiner letzten verbliebenen großen Medaillenhoffnung gesehen – im Halbfinale.

          Nach dem Finale sagte Lambertz: „Sehr enttäuschend. Mit den Zeiten, die hier geschwommen werden müssen, in den Disziplinen, in denen wir Medaillenchancen hatten, liegen die Medaillen da auf dem Silbertablett, aber wir wollen sie nicht haben. Wir nehmen die Finger wieder weg und greifen nicht zu. Marco ist in diesem Jahr mehrfach eine Zeit geschwommen, die gereicht hätte. Sehr schade und sehr traurig.“

          Auf den Deutschen Schwimmverband dürften damit wieder einmal ganz grundsätzliche Diskussionen zukommen, denn es drohen nun ganz konkret die zweiten Olympischen Spiele ohne eine Medaille der Beckenschwimmer in Folge. Eine Vertragsverlängerung für Lambertz mit Blick auf die Olympischen Spiele von Tokio 2020 steht noch aus. Positiv stimmten Lambertz am Abend allerdings die Auftritte des Lagenschwimmers Philip Heintz, der über 200 Meter ebenso als Achter des Halbfinales in den Endlauf einzog, und von Christian Diener, dem das auf dem gleichen Rang über 200 Rücken gelang.

          Beide Endläufe finden am Donnerstag statt, dem drittletzten Abend der Schwimm-Entscheidungen im Olympiabecken. Koch erklärte schon wenige Minuten nach dem Rennen in Tokio einen weiteren Anlauf nehmen zu wollen. „Ich fange gleich morgen an zu trainieren – so ungefähr.“

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