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Hambüchen-Kommentar : Goldenes Feuerwerk

  • -Aktualisiert am

Nach Bronze folgt Silber folgt Gold: Es ist Hambüchens Krönung Bild: Reuters

Das Familien-Unternehmen Hambüchen hat sein ultimatives Ziel im Sport erreicht. Sein Erfolg hat maßgeblich genau damit zu tun.

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          Bronze – Silber – Gold. Ein solches olympisches Drei-Stufen-Programm gelingt nur den Glücklichsten unter den Sportlern. Fabian Hambüchen ist erst die vierte Person überhaupt, die das in einer Einzeldisziplin geschafft hat. Es war schwer, ein langer und auch schmerzhafter Weg, der ihn bis nach Rio, in diese Halle, an dieses Reck und auf dieses Siegerpodest geführt hat.

          Aber das Geschehene wirkt, im Rückblick betrachtet, so stimmig wie eine gelungene Komposition. Seine ersten Schritte ins Rampenlicht als Sechzehnjähriger bei den Spielen 2004 in Athen. Dieser erste große Coup vor neun Jahren bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart als Neunzehnjähriger. Dann der Druck. Diese beklommenen Tage bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking, als er nach Stürzen mit einer reduzierten Übung gerade noch Bronze rettete. Die kampfbetonten Auftritte in London 2012, wo er sich nach einem verkorksten Mehrkampf am Reck von der Last der zermürbenden Gedanken befreite und mit einer bärenstarken Übung Silber holte.

          Und jetzt die Schmerzen, der Zweifel, ob sein 28 Jahre alter Körper, der durch die Beanspruchung seines Sports viel stärker verbraucht wurde, als die Jahre das signalisieren, den letzten großen Ansturm auf das Gold noch mitmachen würde. Man muss sich das klar vor Augen führen: Im Frühjahr konnte er seinen Mitmenschen nur noch vorsichtig die Hand schütteln. Und die Kühlschranktür konnte er nicht mehr alleine öffnen. Doch Hambüchen hat sich noch einmal befreit von den Sabotageversuchen des Sportlerschicksals und setzte einen grandiosen Schlusspunkt unter seine ganz große Turnübung, die er mehr als zwanzig Jahre lang absolvierte. Wem je die ganz normalen Missgeschicke des Lebens einen großen Traum verdorben haben, der weiß, was für ein Glück der tüchtige Hambüchen hatte.

          Goldenes Gerät: Hambüchen und das Reck

          So kann man als Sportler abtreten – sich mit einem goldenen Feuerwerk verabschieden und sich den nächsten Herausforderungen zuwenden wie zum Beispiel dem Studienabschluss. Dass Karrieren großer Talente auch anders enden können, hat das Beispiel von Fabian Hambüchens Mannschaftskollegen Philipp Boy vor vier Jahren gezeigt. Als er sich bei den Spielen von London für kein einziges Gerätefinale qualifizieren konnte, da sank ihm für immer der Mut. Ein Jahr zuvor war er in Stuttgart schwer vom Reck auf den Rücken gestürzt und war dieses Trauma nicht mehr losgeworden. Die Angst, die unbesiegbar in seinem Herzen saß, machte die Übungen Boys noch gefährlicher, als sie ohnehin schon sind. Wer die Leichtigkeit verliert, der kann nicht mehr fliegen. Boy sah es ein und nahm Abschied. Das Strahlen am Ende der Laufbahn, das Hambüchen genießt, blieb ihm versagt.

          Als Hambüchen seine perfekte, seine ultimative, seine goldene Reck-Übung von Rio turnte, stand sein Vater Wolfgang am Gerät. Und vielleicht ist das der entscheidende Hinweis auf die Gründe für Hambüchens stimmiges Karrierebild. Ein ehrgeiziger, sicher oft harter, aber verantwortungsvoller Vater, der ihn über all die Jahre trainiert hat – und mit dem er sich auch streiten konnte. Und eine fürsorgliche Mutter, die das beste Mittel ist gegen die innere Einsamkeit, die Leistungssportler oft fühlen, und zwar je stärker, je weiter sie im großen olympischen Verdrängungskampf in die Weltspitze aufsteigen. Jetzt ist es so weit: Das Familien-Unternehmen Hambüchen hat sein ultimatives Ziel im Sport erreicht. Fabian Hambüchen wird die „Zelle“, wie Cheftrainer Andreas Hirsch das nennt, verlassen. Die Goldmedaille von Rio wird dabei ein freundlicher Begleiter sein.

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