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Sebastian Brendel im Interview : „Wir müssen näher an die Menschen ran“

  • -Aktualisiert am

Sebastian Brendel: Olympiasieger 2012 und fünf WM-Titel gewann er ebenfalls. Bild: dpa

Im F.A.Z. Interview spricht Kanute Sebastian Brendel über Dopingprobleme und die Zukunft seines Sports. Im Canadier Einer will der Olympiasieger von 2012 seinen Titel verteidigen.

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          Bei Olympischen Spielen heißt es hierzulande immer: Die Kanuten werden das mit dem Medaillenspiegel schon richten. Was denken Sie bei solchen Aussagen?

          Politische Vorgaben interessieren uns nicht so sehr. Wir haben unsere eigenen Ziele und wollen von uns aus so erfolgreich wie möglich sein. Davon abgesehen müssen wir das ja auch: Wir stehen nicht allzu häufig im Fokus. Da ist Erfolg unsere wichtigste Währung.

          Sind Medaillen im Kanurennsport für Deutschland wirklich ein Selbstläufer?

          Dass das längst nicht mehr in allen Disziplinen so ist, haben wir bei den Weltmeisterschaften 2014 und 2015 gesehen. Da standen wir mit zwei und vier Titeln gar nicht mehr so gut da – obwohl es dort auch noch die nicht-olympischen Strecken gab. Auch andere Verbände werden eben professioneller.


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          Bei einer Vorgabe von sechs Medaillen aus zwölf Disziplinen für Rio klingt das nach Jammern auf hohem Niveau.

          Wir haben im internationalen Vergleich immer noch mit die besten Strukturen im Kanu. Unser Bundesstützpunkt in Potsdam ist hervorragend ausgestattet, das Niveau im Training sehr hoch. Das schürt natürlich gewisse Erwartungen.

          Ihr Präsident Thomas Konietzko sagte jüngst, der Deutsche Kanu-Verband (DKV) sei in diesem Jahr erstmalig seit der Wiedervereinigung sogar in der Lage, in jeder Disziplin eine Medaille zu holen.

          Ich bin da etwas skeptisch. Aber wie gesagt: Die Ansprüche sind eben hoch. Es ist ja auch den Ergebnissen aus London geschuldet (sechs Medaillen, Anm.d.Red.), dass wir uns solche Vorgaben leisten können.

          Ärgert es Sie, dass Sie alle vier Jahre die Kohlen aus dem Feuer holen sollen und sonst kaum Beachtung finden?

          Die mangelnde Öffentlichkeit ist ja unseren eigenen Wettkampfformaten geschuldet. Unsere Saison spielt sich in anderthalb Monaten des Jahres ab und das meist auf Gewässern vor den Toren der Städte. Da ist es schwer, die Leute auf uns aufmerksam zu machen.

          Was schlagen Sie vor?

          Wir müssen näher an die Menschen ran. Wir haben zuletzt etwas Neues versucht, indem wir zum Beispiel in Hamburg Sprintwettkämpfe mitten in der Stadt ausgetragen haben. Das war super attraktiv. Aber forciert haben wir es nicht.

          Was passiert, wenn Ihr Sport nicht attraktiver wird?

          Wenn es so weiter geht, ist Kanu in acht Jahren nicht mehr olympisch. Nach Tradition geht es dem IOC ja schon lange nicht mehr, das haben wir an den Ringern gesehen. Wir sind gezwungen, uns etwas einfallen zu lassen.

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          Kommen wir mal zurück zu den sportlichen Aussichten für die Spiele. Sie selbst sind in Rio Titelverteidiger im Canadier-Einer, haben im Frühjahr über die 1000 Meter Ihre eigene Weltbestzeit verbessert. Da ist Gold garantiert, könnte man meinen.

          Das zu behaupten, verbietet schon allein der Respekt gegenüber der Konkurrenz. Ich könnte auch mit jeder anderen Medaille sehr gut leben.

          Der Canadier-Zweier (C2) mit Jan Vandrey wird für Sie dagegen noch einmal zu einer völlig neuen Erfahrung.

          Wir sind international bislang nur einmal in dieser Besetzung an den Start gegangen. Unsere Gegner paddeln dagegen schon ein paar Jahre zusammen. Da bräuchte es schon das Rennen unseres Lebens, um den Titel des DKV zu verteidigen. Es kann auch sein, dass es nur fürs Mittelfeld reicht. Deswegen bin ich wie gesagt auch skeptisch, dass es wirklich in allen Disziplinen für eine deutsche Medaille reicht.

          Zum Start im C2 sind Sie ja gewissermaßen unter anderen Umständen gekommen. Sie wurden nachnominiert, weil der weißrussische und der rumänische Kanuverband wegen systematischen Dopings von den Spielen suspendiert wurden.

          Ich finde es absolut traurig, dass wir diesen Fall im Kanurennsport haben. Andererseits finde ich es gut, dass unser Weltverband im Gegensatz zum IOC eine so konsequente Linie fährt. Das bewegt vielleicht einige Nationen, die ein Dopingproblem haben, dazu, es künftig einfach bleiben zu lassen. Es geht ja auch darum, die sauberen Athleten zu schützen. Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen, als eine Medaille nachträglich per Post zugeschickt zu bekommen.

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