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Judoka Eduard Trippel : „Das ist ein ganz anderes Leben jetzt“

  • -Aktualisiert am

Eduard Trippel am Sonntag bei seiner Ankunft am Frankfurter Flughafen Bild: dpa

Der Rüsselsheimer Judoka Eduard Trippel kehrt mit Silber und Bronze von den Olympischen Spielen zurück und will lange von seinem Ruhm zehren. Zunächst aber gilt es, den Arbeitgeber von ein paar baldigen Urlaubstagen zu überzeugen.

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          Eduard Trippel hat eine genaue Vorstellung davon, was einem zweifachen Olympiamedaillengewinner gebührt. Für seinen Rückflug von Tokio nach Frankfurt am Sonntag ließ sich der 24 Jahre alte Judoka des JC Rüsselsheim für einen Aufschlag von 400 Euro in die Business Class upgraden. Seinem 1,87 Meter langen Körper wollte er genügend Raum und sich den nötigen Schlaf nach durchfeierter Nacht gönnen. Von seinem Arbeitgeber, der hessischen Polizei, erhoffte sich der angehende Kommissar nach seiner Rückkehr aus Japan Urlaub, obwohl er gleich am nächsten Tag zum Dienst erscheinen sollte. Mit Blick auf künftige Übungseinheiten kündigte der Sportler aus der Klasse bis 90 Kilogramm zudem an, in Zukunft selbst zu bestimmen, wo es langgeht. Auf jemanden, der so erfolgreich sei wie er, müsse der Trainer hören. Schließlich habe er, der so oft schon bei wichtigen Ereignissen Nerven zeigte, diesmal genau den richtigen Weg für sich gefunden, um zum Erfolg zu kommen. Er wisse also, was ihm guttue.

          Geholfen hatten dem Olympiadebütanten diejenigen, die schon früher bei dem Großereignis auf die Matte gegangen waren. Die hatte Trippel gefragt, was sie im Nachhinein besser gemacht hätten. „Nicht so verkrampft zu sein“, lautete der Tenor. Trippel lief deshalb bei seiner Solotour stets lächelnd zu den einzelnen Duellen auf. Ein seltener Anblick in diesem bisweilen sehr aggressiv wirkenden Sport. Die zur Schau getragene positive Einstellung setzte sich auf der Kampffläche fort. Der dreimalige deutsche Meister ging seine Aufgaben offensiv und furchtlos an. Selbst stärker eingeschätzte Gegner hatten dem vor Selbstbewusstsein strotzenden Hessen wenig entgegenzusetzen. Erst im Finale gegen Europameister Lascha Bekauri aus Georgien war damit Schluss. Auch den hätte sich der Silberjunge niederzuringen zugetraut. „Aber nachdem ich eine Medaille sicher hatte, habe ich die Spannung verloren“, gestand Trippel.

          Stolz, die erste Plakette für die Männer des Deutschen Judo-Bundes nach der gleichfarbigen von Ole Bischof 2012 in London gewonnen zu haben, fiel es Trippel schwer, sich noch einmal für den Mixed-Wettbewerb zu motivieren. Am Morgen nach seinem Einzelwettkampf konnte er sich kaum bewegen, die 2016 operierte rechte Schulter schmerzte sehr. Für seine Teamkollegen wollte er sich noch mal einsetzen. „Damit diejenigen, die vorher keine Medaille gewonnen haben, noch eine Chance bekommen“, sagte er. Allerdings konnte das Mittelgewicht seine Duelle in den Begegnungen gegen Japan und die Mongolei nicht für sich entscheiden. Er sei „platt“ gewesen. Beim Bronzekampf gegen die Niederlande überließ Trippel dem eine Gewichtsklasse tiefer angesiedelten Olympiafünften Dominic Ressel seinen Platz. Der Kronshagener setzte sich im Golden Score gegen Noël van ’t End durch und hatte großen Anteil am dritten Platz seines Teams. Die gemischten Sechser waren erstmals bei den Spielen ausgeschrieben.

          Die eigenen Niederlagen schmälerten den Stolz Trippels nicht. „Ich bin der erste deutsche Judoka, der von Olympischen Spielen mit zwei Medaillen zurückkehrt“, freute er sich. Bei den Frauen darf Einzel-Bronzemedaillengewinnerin Anna-Maria Wagner das Gleiche von sich behaupten. Auf seinen Lorbeeren will sich der doppelt Dekorierte, der bei Welt- und Europameisterschaften bislang stets leer ausging, ausruhen. Die vergangenen Tage waren anstrengend. Noch in Asien hatte er zahlreiche Interviews gegeben. „Das ist ein ganz anderes Leben jetzt“, stellte der Gefragte fest. Er genieße es, im Mittelpunkt zu stehen. Nach Medaillen bei anderen Wettkämpfen wie dem dritten Platz beim World Masters oder dem zweiten beim Grand Slam in Kasan ebbten die Anfragen schnell ab. Diesmal glaubt Trippel, dass sein Ruhm länger anhält.

          Zeit für weitere Talks und Ehrungen hätte er; der Wettkampfkalender bleibt für den Rest des Jahres geschlossen. Weder Bundesliga noch andere Turniere stehen auf dem Plan. Das Training soll darauf ausgerichtet werden, die gute Form zu halten. Erst im nächsten Jahr will Trippel wieder angreifen. Dann als einer, den die Gegner nicht mehr unterschätzen werden. „Diesen Erfolg kann mir keiner mehr nehmen“, sagte Trippel. „Er wird mein ganzes Leben prägen.“

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