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Judoka Andreas Tölzer : Bronze für den Bullen

Finale verpasst, Bronze gewonnen: Andreas Tölzer gewinnt Bronze im Judo-Schwergewicht Bild: dpa

Mit seiner Spezialtechnik, dem Tölzer-Umdreher, erkämpft sich das 145-Kilo-Schwergewicht erstmals Bronze im Judo. Die Deutschen glänzen mit vier Medaillen bei Olympia besonders.

          Gestatten, der „Tölzer-Umdreher“. Jeder kennt und fürchtet ihn in der Judowelt, aber kaum einer weiß ihm zu entrinnen. Einmal am Revers des Kampfanzugs gepackt, einmal die starke Hand in der Achselhöhle gespürt und auf die Matte gelegt, sind die Konkurrenten schier machtlos gegen diese ganz spezielle Technik, die nach ihrem Erfinder benannt ist.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gestatten, Andreas Tölzer, Bronzemedaillengewinner von London. „Ich bin stolz darauf“, sagte der Schwergewichtler aus der Klasse über 100 Kilogramm, der 2004 in Athen Platz sieben und vier Jahre später in Peking Platz neun erreichte: „Endlich habe ich eine Medaille geholt und gehe auch mal als Sieger aus dem letzten Kampf.“ Bislang hatte er zwar oft ein Finale erreicht, es meistens aber gegen den übermächtigen Franzosen Teddy Riner verloren.

          Am Ende des olympischen Judoturniers, als die Medaillenkämpfe der Schwergewichte in der offenen Klasse anstanden, zeigte der Judoka vom 1. JC Mönchengladbach der olympischen Welt wieder einmal, was ihn so stark macht. Igar Makaraw war im Kampf um einen der dritten olympischen Plätze zwar darauf eingestellt, dass der als „Bulle von Gladbach“ bekannte Tölzer den Bodenkampf suchen und seinen ureigenen Umdreher anwenden würde.

          Und trotzdem war der Weißrusse machtlos. Nach zwei Minuten war der Kampf beendet, Tölzer riss die Arme empor, nahm Detlef Ultsch auf die Arme und warf ihn in die Luft. „Andreas ist ein überaus sympathischer Athlet, und das ist die Krönung seiner Karriere“, sagte der Männer-Bundestrainer, nachdem er wieder festen Boden unter den Füßen hatte.

          „Ich habe es für mich perfektioniert“

          Der Tölzer-Umdreher gilt als Markenzeichen der Sportwelt wie der Ali-Shuffle, der Fosbury-Flop, der Gienger-Salto oder die Bielmann-Pirouette. Dutzende Konkurrenten versuchten schon, die Technik an Tölzer selbst zu erproben – ohne Erfolg. „Sie haben einfach nicht das Gefühl dafür, welche Hand sie anlegen müssen“, sagte der Zweiunddreißigjährige, der bei seinen dritten olympischen Spielen erstmals mit Edelmetall heimreisen wird.

          Der 23 Jahre alte Franzose Riner, seit Jahren ungeschlagen und seit Freitag auch Olympiasieger, mag der Superstar unter den Schwergewichten sein, Tölzer aber hat ein Markenzeichen: „Ich habe es für mich perfektioniert.“

          Bilderstrecke

          Es hätte am Freitag gut und gerne zum direkten Duell zwischen dem Franzosen, der auch die Londoner Excel-Arena zum Toben brachte, und dem Rheinländer kommen können. Doch Tölzer versäumte es im Halbfinale gegen Alexander Michajlin, seinen Teil zu jenem Traumfinale zu leisten, das schon zwei Mal bei Weltmeisterschaften zu erleben war. „Ich wollte das Finale gegen Teddy. Ich bin mir sicher, dass ich diesmal ein Rezept gefunden hätte“, sagte der Europameister von 2006.

          Er konnte es nicht zeigen: Nach seiner zweiten Bestrafung wegen Passivität unterlag der Mönchengladbacher in der Verlängerung dem Russen, fühlte sich betrogen und haderte. Aber nur eine halbe Stunde nach der Niederlage schaffte es Tölzer wieder, seine 145 Kilogramm mächtig und motiviert auf die Matte zu bringen. „Ich musste laut und deutlich werden und ihn daran erinnern, dass es jetzt um Bronze geht“, beschrieb Ultsch die Zwischenzeit.

          „Weltmeister bin ich noch nicht“

          Die Vorrunde hatte Tölzer, der sich in den vergangenen Monaten dreizehn Kilogramm Körpergewicht angefuttert hat, noch souverän gemeistert. Als Ersten legte er den Georgier Adam Okruaschwili auf die Matte, als Zweiten den Rumänen Vladut Simionescu. Im Pool-Finale machte ihm der Ungar Barna Bor über die volle Kampfzeit zu schaffen, doch auch diesen Kampf beendete er erfolgreich.

          Nachdem er letztlich seine olympische Medaille gewonnen hatte, peilte Tölzer schon das nächste Ziel an: „Weltmeister bin ich noch nicht, vielleicht kommt es nächstes Jahr in Rio zur Revanche gegen Teddy.“ Der Deutsche Judo-Bund (DJB) hat allen Grund, hochzufrieden die Heimreise von London anzutreten.

          Von seinen elf Athleten holten vier eine Medaille, an jedem der letzten Turniertage jeweils eine. „Der DJB kann sehr stolz sein“, sagte Männer-Bundestrainer Ultsch. Neben Tölzer gewann tags zuvor auch Dimitri Peters Bronze, Ole Bischof und Kerstin Thiele erkämpften jeweils Silber. Am stärksten waren die Männer, vor allem der Mann mit dem einzigartigen Markenzeichen.

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