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Schläge bei Olympia in Tokio : Kurioses Ritual von Judoka sorgt für Aufregung

Martina Trajdos (links) verlor gleich ihren ersten Kampf bei Olympia gegen Szofi Ozbas aus Ungarn. Bild: Reuters

Olympia liefert viele besondere Bilder. Für Erstaunen sorgt ein Video von Martyna Trajdos und ihrem Trainer. Der schüttelt die Judoka vor ihrem Kampf heftig und knallt ihr zwei schallende Ohrfeigen.

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          Es sieht zunächst aus wie eine ganz normale Szene, die es bei diesen Olympischen Spielen in Tokio zuhauf gibt. Eine Judoka im weißen Anzug geht flotten Schrittes in Richtung der Matte, auf der sie gleich kämpfen soll. Es folgt ihr Trainer, der eine Tasche in der rechten Hand trägt. Plötzlich bleibt die Frau stehen und dreht sich um.

          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Der Coach stellt die Tasche ab, greift ihr mit beiden Händen an den Kragen ihres Anzugs, schüttelt sie heftig durch und knallt ihr dann mit einer schnellen Rechts-Links-Kombination zwei schallende Ohrfeigen. Sie wehrt sich nicht, schaut unbeeindruckt, schüttelt sich und schreitet dann einfach weiter zu den Treppenstufen zur Matte. Und er greift wieder zur Tasche.

          Sie, das ist Martyna Trajdos, deutsche Kämpferin in Tokio im Nippon Budokan. Er, das ist Claudiu Pusa, der Bundestrainer. Wer die Szene, die im Internet millionenfach geteilt und gesehen wurde, sieht, ist womöglich zunächst erschrocken über solche Gewalt. Was, um alles in der Welt, macht er nur da mit ihr? Dabei ist das, was der Trainer dort macht, ausdrücklich erwünscht. Und zwar von Martina Trajdos.

          Als die 32 Jahre alte Sportlerin die Aufregung in der virtuellen Welt mitbekommt, meldet sie sich via Instagram selbst zu Wort, um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen. „Wie ich schon sagte, ist das das Ritual, das ich vor dem Wettkampf gewählt habe! Mein Trainer tut nur das, was ich von ihm möchte, um mich anzufeuern!“ Und sie wendet sich an alle erschrockenen Leser: „Bitte macht ihm keine Vorwürfe! Ich brauche das vor meinen Kämpfen, um wach zu sein.“

          Wach war sie danach wohl in Tokio, aber nicht gut genug, um ihren Kampf zu gewinnen. In der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm unterlag die Hamburgerin ihrer ungarischen Gegnerin Szofi Ozbas gleich im ersten Kampf am Dienstag. Olympia ist damit schneller vorbei als ihr lieb ist. „Wahrscheinlich war es nicht hart genug“, schrieb Martyna Trajdos sarkastisch mit Blick auf das spezielle „Aufwärmprogramm“ und zeigte sich enttäuscht: „Ich wünschte, ich hätte für eine andere Überschrift sorgen können.“

          Der Judo-Weltverband IJF sah das alles nicht so entspannt und sprach am Mittwoch eine Warnung gegen einen deutschen Trainer aus, ohne dabei explizit Trajdos, Pusa oder die Szene von den Wettkämpfen am Dienstag zu nennen. Die IJF rügte den Coach für sein „schlechtes Verhalten während des Wettbewerbs“, wie sie via Twitter mitteilte und betonte der Stellungnahme zudem, Judo sei ein „erzieherischer Sport und kann als solcher ein solches Verhalten, das gegen den Moral-Code im Judo verstößt, nicht tolerieren“. Den Tweet versah der Verband mit dem Hashtag Respekt.

          Andere Deutsche sind derweil noch dabei und hoffen auf mehr. Eduard Trippel steht im Halbfinale und kämpft um die erste Medaille für den Deutschen Judo-Bund in Tokio. Der 24-Jährige aus Rüsselsheim setzte sich am Mittwoch mit einer starken Leistung im Viertelfinale gegen den Weltranglisten-Dritten Krisztian Toth aus Ungarn durch. Bei seiner Olympia-Premiere entschied Trippel den Kampf im Golden Score durch Waza-ari für sich. Im Halbfinale der Klasse bis 90 Kilogramm kämpft er nun am späten Nachmittag (Ortszeit) im Nippon Budokan gegen den Türken Mihael Zgank. Mit einem Sieg hätte der Weltranglisten-15. Silber und damit die erste deutsche Judo-Medaille der Spiele sicher.

          Giovanna Scoccimarro arbeitete sich über die Hoffnungsrunde in den Bronze-Kampf und hat dort die Chance auf die ersehnte Medaille für den Deutschen Judo-Bund. Die 23-Jährige aus Wolfsburg setzte sich am Mittwoch gegen Elisavet Teltsidou aus Griechenland durch. Scoccimarro entschied den Kampf erst nach 2:42 Minuten in der Verlängerung durch Ippon für sich. Zuvor hatte die Weltranglisten-Neunte durch eine Viertelfinal-Niederlage gegen die japanische Favoritin Chizuru Arai in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm den Halbfinal-Einzug verpasst.

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