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Hockey-Nationalspieler Hauke : „Ich wollte das so lange wie möglich erleben“

  • -Aktualisiert am

Kennt den das olympische Spielfeld: Tobias Hauke Bild: dpa

Hockey-Nationalspieler Tobias Hauke nimmt zum vierten Mal an Olympischen Spielen teil. Im Interview spricht er über das neue deutsche Team und die Dreifachbelastung aus Familie, Sport und Beruf.

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          Sind Sie sehr enttäuscht, dass Sie kein Fahnenträger geworden sind?

          Die Fahne zu tragen bei Olympia für dein eigenes Land ist die größte Ehre, die man als Sportler haben kann. Ich war schon stolz, dass ich zur Auswahl stand in dieser illustren Runde.

          Sie starten in Ihre vierten Spiele, zwei Mal Gold (2008 und 2012) und einmal Bronze (2016) haben Sie schon. Was hat diese Medaillen-Jahrgänge ausgezeichnet und was die aktuelle Mannschaft?

          Die Mannschaften waren jeweils sehr unterschiedlich. Zum einen charakterlich, zum anderen hat sich Hockey enorm verändert. 2008 in Peking mit mir als jüngstem Spieler waren wir eine absolute Arbeiter-Mannschaft, sind über Kampf, Einstellung und Mentalität gekommen. 2012 waren wir, ich möchte sagen, das nahezu perfekte Team. Wir waren zwar nicht die 16 besten Freunde, aber alle hatten dasselbe Ziel und haben sich gemeinsam auf den Weg gemacht. 2016 war es schwieriger, weil wir zwar Alt und Jung im Team hatten, aber der Mittelbau fehlte. Aber Erfahrung und Leichtigkeit haben uns dann doch lange durchs Turnier getragen.

          Mit welchem Jahrgang ist die aktuelle Auswahl artverwandt?

          Mit der 2012er Truppe. Wir sind wieder ein sehr eingeschworenes Team, auch bedingt durch die Coronazeit. Durch den Trainerwechsel hat sich in Sachen Mentalität gehörig etwas getan. Auch die Altersstruktur deckt von Jung bis Alt alles gleichmäßig ab. Von der Einheit fühlt es sich gerade an wie 2012. Es funktioniert zwar bei weitem nicht alles, aber das Verständnis und Gespür füreinander auf dem Platz ist sehr ausgeprägt. Das haben wir uns erarbeitet. Nach Olympia 2016 bis ins Jahr 2020 hinein waren wir nicht so stark, wie man es gewohnt war. Um das wieder zu ändern, haben wir viel investiert.

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          Ließ sich eine veränderte Mentalität durch den neuen Bundestrainer Kais al Saadi einfach auf das Team stülpen?

          Nein, aber ein Trainerwechsel geht meistens einher mit dem Wechsel von allerlei Personal, einer veränderten Ansprache und neuen hierarchischen Linien im Team. Das hat dazu geführt, dass wir ehrlicher und kritischer kommuniziert haben. Man muss den Dingen schon auf den Grund gehen – und zwar dort, wo es wehtut. Das ist in den vergangenen anderthalb Jahren erfolgt. Zwischen uns passen aktuell wenig Blätter Papier.

          Was für konkrete Aussichten leiten Sie daraus ab für Tokio? Goldene?

          Bei der Leistungsdichte im internationalen Hockey gibt es keine Gewissheiten. Das einzige, was man tun kann ist: Sich in die Verfassung zu bringen, mit der man jeden Gegner schlagen kann. Das haben wir geschafft.

          Der Kader hat sich im Winter in Mannheim unter einer Traglufthalle vorbereitet, komplett abgeschottet. Kam da in einer kleinen Sportart wie Hockey nicht das Gefühl auf: Wofür und für wen machen wir das eigentlich?

          Zunächst haben wir zwar mit uns gerungen, was vertretbar ist, auch gegenüber der Gesellschaft. Dass wir nach Mannheim fahren dürfen, um zu trainieren für Olympische Spiele, die vielleicht gar nicht stattfinden. Wir haben dann schnell viel Kraft aus dem Privileg gezogen, unserem Sport nachgehen zu dürfen. So hat jeder von uns die vor Olympia notwendige Schippe drauflegen können, was Disziplin und Trainingsenergie betrifft. Dieses Team ist ja quasi seit zwei Jahren im Olympiamodus mit hochgefahrenem Pensum. Das ist sonst nur ein Jahr üblich.

          Andere Topnationen ziehen ihre Kader monatelang zentral zusammen, aber die Erfolge geben dem dezentralen deutschen System trotzdem immer wieder recht. Woher kommt das?

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