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Hockey-Legende Teun de Nooijer : Wie Messi als Ko-Trainer für Deutschland

  • -Aktualisiert am

Einst als Spieler gegen Deutschland aktiv: Teun de Nooijer (rechts, hier 2010) Bild: Reuters

Lernen vom Größten: Teun de Nooijer, einer der besten Hockeyspieler seiner Zeit, hilft mittlerweile den deutschen Damen – auch bei den Olympischen Spielen in Tokio.

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          Zeit seiner aktiven Karriere hat er ein orangefarbenes Hemd getragen. Bei der niederländischen Nationalmannschaft und seinem Verein HC Bloemendaal – und seine Erfolge und Titel führten nicht selten über Duelle mit deutschen Mannschaften. Teun de Nooijer war einer der besten Hockeyspieler der Welt in seiner Zeit.

          Der Niederländer hat nicht nur seinem Land als prägende Kraft bei vier Olympischen Spielen zwischen 1996 und 2012 zwei Gold- und zwei Silbermedaillen beschert, er hat das Spiel an sich mit seinen überragenden Fähigkeiten verändert, weil er das Spiel beherrschte wie kaum jemand. Und seit Ende 2019 ist er im Trainerstab der deutschen Damen-Auswahl tätig.

          „Von Anfang an gut angefühlt“

          Übertragen auf den Fußball wäre das ungefähr so, als würde Messi nach seiner aktiven Karriere als Ko-Trainer der deutschen Frauen-Nationalmannschaft fungieren. Natürlich ist die Hockeywelt ungleich kleiner, durchlässiger und in sich enorm vernetzt. So sind auch weitere Niederländer für andere Hockeynationen in Tokio tätig. Aber die deutschen Spielerinnen staunten nicht schlecht, als diese Legende ihres Sports plötzlich bei ihnen auftauchte.

          „Mit so einer talentierten Truppe mit riesigem Potential zu arbeiten, die Chancen auf eine Olympiamedaille hat, hat sich von Anfang an gut angefühlt“, sagt de Nooijer. Mit Deutschland ist er sowieso verbandelt, seit er während Olympia 1996 mit der deutschen Nationalspielerin Philippa Suxdorf anbandelte. Das Paar ist längst verheiratet, hat drei Töchter.

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          Der dreimalige Welthockeyspieler ist im deutschen Trainerstab speziell für die Mittelfeldspielerinnen zuständig. Und hat die Aufgabe, dass die Deutschen in diesem Mannschaftsteil ein bisschen niederländischer agieren. Im Gespräch verwendet de Nooijer mehrmals die Formulierung „richtig nach vorne spielen“. Soll heißen: Schneller und auf kreativeren Wegen soll der Ball in den gegnerischen Schusskreis gelangen, mit hoher Passqualität und schier blindem Verständnis untereinander. Auch mal mit überraschenden Aktionen „Chaos beim Gegner erzeugen, ohne dass gleichzeitig bei uns Chaos ausbricht. So ist auch mein Spiel gewesen“, sagt der 45-Jährige mit der Erfahrung von 453 Länderspielen (219 Tore) im zentralen Mittelfeld und Angriff.

          De Nooijers Ausnahmefähigkeiten hat auch Bundestrainer Xavier Reckinger in Duellen oft erleben und als belgischer Abwehrspieler auch oft erleiden müssen. Die Defensive ist beim deutschen Team Reckingers Spezialaufgabe. Für die anderen Mannschaftsteile hat er hochdekorierte Assistenten gewinnen können. Der frühere englische Nationaltorwart Jimi Lewis kümmert sich um die Torfrauen und Florian Keller, der deutsche Olympiasieger von 2008, um die Angreiferinnen. „Es ist nicht nur so, dass die Übungen im Training großen Spaß machen“, sagt Mittelfeldspielerin Amelie Wortmann. „Man merkt einfach auch bei jeder Videobesprechung, dass Teun auf unfassbar hohem Niveau gespielt hat.“

          Gegen Niederlande um Medaillen?

          Auf gutem Niveau zeigte sich die deutsche Mannschaft bei ihren ersten Auftritten. Auf den wichtigen 2:1-Auftaktsieg über Großbritannien folgte das souveräne 2:0 gegen Indien. Am Mittwoch ging es gegen Irland weiter. Nach dem 4:2-Erfolg ist der Einzug ins Viertelfinale schon perfekt. „Wir haben uns vom ersten zum zweiten Spiel schon gesteigert und wollen weiter ins Turnier wachsen“, sagt de Nooijer. Angesichts der guten Entwicklung der deutschen Auswahl und der stabilen internationalen Dominanz der Niederländerinnen erscheint es nicht unwahrscheinlich, dass sich beide Nationen bei diesen Spielen noch in einem Duell um Medaillen gegenüberstehen könnten. „Dann wäre es eben so“, sagt er schmunzelnd.

          Natürlich kennt er viele niederländische Spielerinnen in- und auswendig. Vor Beginn seines Engagements beim DHB hat er 2019 nach drei Jahren seinen Cheftrainerposten bei den Frauen vom HC Bloemendaal aufgegeben. Er sehe sich grundsätzlich mehr als ein Assistenz- denn als Chefcoach. Zumal de Nooijer auch abseits des Kunstrasens seinen Weg gemacht hat – er ist Partner bei einem internationalen Personalberatungsunternehmen.

          De Nooijers Mitwirken bei den deutschen Damen ist als ein olympisches Projekt auf Zeit vereinbart. Ob es nach den Spielen weitergeht, ist offen. Ein deutscher Coup in Tokio hätte auf jeden Fall einen leichten oranjefarbenen Anstrich. Eine niederländische Hockey-Legende wie de Nooijer im Trainingsanzug mit Bundesadler jubeln zu sehen, hätte trotzdem noch etwas Unvorstellbares.

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