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Schwimmer Henning Mühlleitner : Blech? Holz? Maximal egal!

Da hat nicht viel gefehlt: Schwimmer Henning Mühlleitner landete bei den 400 Metern Freistil auf Rang vier. Bild: AP

Henning Mühlleitners vierter Platz bei den Olympischen Spielen steht nicht allein für einen erkennbaren Aufschwung der deutschen Schwimmer. Die wollen sich nun endlich mit Medaillen belohnen.

          4 Min.

          Keiner war schneller. Der Amerikaner Smith nicht, die Australier McLoughlin und Winnington nicht, die dieses Rennen unter Weltrekord angegangen waren. Auch nicht Felix Auböck aus der Republik Österreich. Selbst der 18 Jahre alte Tunesier Ahmed Hafnaoui, dessen Namen Minuten vorher kaum jemandem geläufig war, was sich aber gerade gewaltig änderte, war nicht schneller als Henning Mühlleitner aus Neckarsulm. Mühlleitner, vor zehn Tagen 24 Jahre alt geworden, brauchte 55,35 Sekunden für die letzten 100 Meter im 400-Meter-Freistil-Rennen. Er war der schnellste Mann im Becken. Und schlug – als Vierter an.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          13 Hundertstelsekunden nach Smith, hinter McLoughlin und hinter Ahmed Ayoub Hafnaoui, 18 Jahre alt, so unbekannt, dass es nicht einmal eine arabische Wikipedia-Seite über ihn gibt. Ahmed Ayoub Hafnaoui, Achter der Jugendspiele von Buenos Aires 2018, ist in 3:43,36 Minuten zum Olympiasieger geworden. Ein Erfolg, so unwahrscheinlich, dass für die Siegerehrung nicht einmal ein „medal suit“, der glamouröse Bruder des Trainingsanzugs, parat lag. Hafnaoui nahm sich die Goldmedaille in T-Shirt und Shorts. Glitzerte sowieso mehr.

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          Henning Mühlleitner griff auch zu. Und nahm sich die „Blechmedaille. Oder Holzmedaille. Oder wie auch immer man das nennen mag. Das stört mich relativ wenig. Ich bin maximal zufrieden mit dem, was ich heute geleistet habe.“ Ein „megageiles Rennen“ sei er geschwommen, erzählte Mühlleitner anschließend, was sich insbesondere mit Blick auf die letzten hundert Meter kaum bestreiten lässt. Allerdings: Der Vorlauf, den er am Samstag hingelegt hatte, war „ein bisschen ein Kracher für mich“.

          „Das war mega“

          Kann man so sagen. Keiner war schneller am Samstag als Henning Mühlleitner, auf die gesamte Strecke betrachtet. Um mehr als eineinhalb Sekunden verbesserte er seine Bestzeit, auf 3:43,67 Minuten. Also kam er am Sonntag, nach kurzer Nacht, als Letzter aus dem Wartesaal und nahm vor dem Startblock von Bahn vier Platz. Alle Augen auf Mühlleitner. „Kurz bevor ich rausgelaufen bin, habe ich gemerkt: Jetzt wird’s spannend. Aber ich habe ein riesiges Lächeln auf dem Gesicht gehabt, unter der Maske. Das war mega.“

          Würde er der erste deutsche Olympasieger seit Michael Groß 1988? Würde er, der von sich sagt, er sei immer „unterm Radar“ geschwommen, der erste deutsche Mann sein, der auf einer Einzelstrecke eine olympische Medaille gewinnt seit Stev Theloke vor 21 Jahren?„Ich habe einfach versucht, nichts zu ändern im Vergleich zu gestern, einfach noch mal genau das gleiche Rennen zu schwimmen, nichts auszuprobieren.

          Einfach meine Taktik.“ Was hieß: Mühlleitner schwamm 300 Meter hinterher. Siebter, Sechster, Fünfter. „Es ist schon erstaunlich, was das Rennen macht mit einem, wo man die Energie herzieht, wenn man sieht, wo man im Rennen gerade liegt. Irgendwann mal nach 200 Metern, wenn ich meine Stärke ausspielen kann, werde ich aufmerksamer, was um mich herum passiert.“ Und dann: Endspurt. Wie Mühlleitner auf den letzten beiden Bahnen schwamm, am Samstag wie am Sonntag, ist beeindruckend. Aber im Finale eben nicht beeindruckend genug für eine Medaille.

          Start mit Stimmungshoch

          Henning Mühlleitner hatte 2018 bei der Europameisterschaft in Glasgow zum ersten Mal auf sich aufmerksam gemacht, damals war er auf Platz drei geschwommen. Es folgte eine Operation am Knie mit langwierigen Folgen, eine bakterielle Infektion bremste ihn aus, er verpasste die Weltmeisterschaft 2019, dann kam Corona.

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