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Olympia-Kanute Hannes Aigner : Unter Krämpfen zu Bronze

Das vierte Edelmetall im Kanuslalom für Deutschland: Hannes Aigner gewinnt Bronze Bild: AFP

Das beste Abschneiden seit 1972: Nach Gold und zwei Mal Bronze gibt es die nächste deutsche Medaille im Kanuslalom: Hannes Aigner jubelt trotz „großer Sorgen“ über den dritten Platz.

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          Am Freitagmittag wartet Hannes Aigner, ein Slalomkanute aus Augsburg, vor der Wildwasseranlage in Tokio und denkt sich: Das wird nichts mit einer Medaille. So erzählt er das später. Und obwohl grundsätzlich fast kein Athlet mit einer Medaille bei Olympischen Spielen planen kann, war sein Gedanke – nur von der Außenansicht her betrachtet – schwer nachvollziehbar: Er war ja noch nicht mal gefahren.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Es war dann mithilfe der Innenansicht aber doch ganz gut nachzuvollziehen, warum Aigner, 32 Jahre alt, so gedacht hat. In einer Medienrunde sagte er, dass er ein paar Minuten vor dem Finale im Kajak-Einer plötzlich Muskelkrämpfe hatte. „Da hatte ich große Sorgen, ob ich es überhaupt bis ins Ziel schaffe“, sagte er, „weil meine Arme sich zum Teil selbständig gemacht haben.“ Er ist dann trotzdem gefahren. Und es ist viel besser ausgegangen, als er gedacht hat.

          Am letzten Wettkampftag der Slalomkanuten hat Hannes Aigner die Bronzemedaille gewonnen. Er hatte, verursacht durch die „Zuckungen“ in seinem Körper, zwar einen Fehler gemacht. Solche leisteten sich seine Rivalen aber auch. Am Ende kamen daher nur zwei schneller durch den Parcours: Jiri Prskavec aus Tschechien und Jakub Grigar aus der Slowakei.

          „Ich war erst mal fix und fertig, weil die Krämpfe ganz schön unangenehm waren“, sagte Aigner. Es war in den Minuten vor dem Start nicht nur sein Körper, sondern es waren auch seine Gedanken, die sich bemerkbar machten. „Es hat mich fassungslos gemacht, dass mir so was in die Quere kommt“, sagte er. In den vergangenen Tagen sei es stets heiß gewesen, aber sein Körper habe darauf nie mit Krämpfen reagiert. Warum also ausgerechnet an dem Tag, auf den er seit fünf Jahren hinarbeitet? Diese Frage wird ihn nun nicht plagen. Das freute vor allem auch seinen Trainer. „Das war so wichtig für den Hannes, dass der mir da nicht ohne Medaille rausgeht als Einziger“, sagte Klaus Pohlen. „Ich habe ihm das so gegönnt. Ich kann nur jedem in der Mannschaft ein Kompliment machen.“

          Es war der passende Abschluss für Pohlen und seine Slalomkanuten, der letzte deutsche Starter ist aufs Podium gekommen. Vier Starts, vier Medaillen. Bronze für Sideris Tasiadis im Canadier. Gold für Ricarda Funk im Kajak-Einer. Bronze für Andrea Herzog im Canadier. Und nun noch mal Bronze für Aigner im Kajak. Vor fünf Jahren in Rio war nicht mal eine Medaille dabei gewesen. Obwohl Aigner schon damals nah dran war. Am Ende fehlten ihm drei Hundertstel. Knapper geht es kaum. „Ich bin noch etwas traumatisiert von Platz vier damals in Rio“, sagte Aigner. Doch nachdem seine Medaille dazu beigetragen hat, dass die deutschen Slalomkanuten in Tokio so erfolgreich waren wie noch nie seit der Aufnahme ihres Sports in das olympische Programm im Jahr 1972, kann man wohl sagen: Das Trauma ist weg.

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