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Ricarda Funk gewinnt Gold : Sieg über Element und Schicksal

  • -Aktualisiert am

Strahlende Siegerin: Ricarda Funk mit ihrer olympischen Goldmedaille Bild: AFP

Jahr um Jahr wuchsen Wunsch und Ehrgeiz von Ricarda Funk. Nun gewinnt die Slalom-Kanutin das erste Gold für Deutschland und schickt Liebe zu den Menschen im Katastrophengebiet an der Ahr.

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          Dann konnte Ricarda Funk nicht mehr. Zu viele Emotionen. Die frisch gewonnene Goldmedaille vor der Brust, obwohl sie doch schon Bronze als „Traumergebnis“ geliebt hätte. All die Bilder der harten Zeit vor Augen, die unter großen Schmerzen verpasste Qualifikation für die vergangenen Sommerspiele 2016, obwohl sie im selben Jahr die Weltcupwertung gewonnen hatte. Potentiell die Beste, aber nur Zuschauerin. Das saß. Das setzte Kräfte frei für den Weg nach Tokio.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          So wie sie irgendwann nach der Katastrophe von Rio das Beste aus einem tragischen Unfall machte. Ihr damaliger Trainer, Stefan Henze starb dort an den Folgen eines unverschuldeten Verkehrsunfalls. Kurz nach der Siegerehrung im Kasai-Kanu-Slalom-Center ist das zu viel für die Olympiasiegerin im Kajak. Sie bricht jäh ab, sie kämpft, aber sie will unbedingt etwas sagen, sie bringt es über die Lippen, eine Hommage in zwei Sätzen: „Er ist überall bei mir mitgefahren, bei jedem Training, bei jedem Wettkampf“, sagt Ricarda Funk und fügt leiser hinzu: „Und er gibt mir immer noch Tipps.“

          Fünfzehn Jahre Arbeit

          Kurz nach dem grandiosen finalen Slalom reckte der Präsident des Deutschen Kanu-Verbandes, Thomas Konietzko, am Ufer des Kanals die Faust in den Himmel. Ein paar Minuten später schilderte er den guten Geist, mit dem die Rheinländerin den Wettbewerb beherrschte: „Die kompletteste Fahrerin hat gewonnen. Ricarda hatte die Nervenstärke, das hat den Unterschied heute ausgemacht.“

          Dazu muss man wissen, dass die Dramaturgie so eines Finaltages Beteiligte wie Zuschauer auf die Folter spannt. Im Halbfinale geht es nicht nur darum, den Sprung unter die letzten zehn zu schaffen, sondern auch noch eine gute Startposition zu erwischen. Funk riskierte viel auf dem vorletzten Weg, erlaubte sich Strafsekunden durch das Berühren der Stangentore. „Ich war nicht mehr sicher, ob es reichen würde und dachte: ,Fahr um dein Leben‘.“

          Es reichte, nicht nur für den Showdown in der stechenden Nachmittagssonne, sondern auch für eine Position mit Druckpotential: drittletzte Starterin. Funk „durfte“ vorlegen, vor allem der Favoritin Jessica Fox aus Australien eine Zeit hinknallen, die der Schnellsten des Halbfinales zu denken geben sollte: „Ich wollte mein Ding machen, mich nur auf mich konzentrieren und dann schauen. Es kommt so, wie es kommen soll.“

          Jubelschreie im Ziel: Ricarda Funk nach ihrer Gold-Leistung
          Jubelschreie im Ziel: Ricarda Funk nach ihrer Gold-Leistung : Bild: AFP

          Funk hat wenigstens fünfzehn Jahre auf den großen olympischen Moment hingearbeitet. Dazu gehören unzählige Stunden im Boot auf den Flüssen, im Eiskanal von Augsburg, das Kraft- und Koordinationstraining, die Technikeinheiten.

          Und von Beginn der Leistungsportkarriere an die Überwindung von kleinen und größeren Hindernissen: In der Schulzeit um fünf Uhr aufstehen, um vor dem Unterricht schon etwas für den Vortrieb lernen zu können. „Das Verständnis bei Lehrern und Mitschülern fehlte überwiegend“, schrieb sie als junge Athletin. „Die Wenigsten wissen, was hinter einem Leistungssport steckt. (...) Immer wieder sehe ich lauter Fragezeichen in den Augen, wenn ich meinen Klassenkameraden erkläre, in was für eine Sportart ich so viel Herzblut stecke.“

          Spätestens seit Dienstag müsste sie nicht mehr viel erklären, einfach nur herzeigen das Goldstück mit einem Elektroschrottkern. Aber damals hat sie es noch versucht: „Das Wasser und seine Strömung ist unser Element, wir versuchen es zu nutzen aber auch zu überlisten.“ Ein schönes Bild: Der gewitzte Kampf der Athletin gegen die Gewalt des Elements.

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