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Olympische Schwimmer : Deutschland säuft ab

Schwimmer Marco Koch: Olympische Spiele zum Vergessen Bild: AFP

Es zeichnet sich ab, dass die deutschen Schwimmer einmal mehr Olympische Spiele zum Vergessen erleben. Die Situation ist beispielhaft für Trainer und Athleten in Deutschland.

          Tageslichtlampen, Kompressionsanzüge, Besuche im Schlaflabor, Zeitumstellungstrainingsperioden. Der Deutsche Schwimmverband hatte eigentlich an alles gedacht in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Chefbundestrainer Henning Lambertz hatte penibel deutlich gemacht, wie die Spiele anzugehen sind, auf dass ein weiteres medaillenloses Bahnenziehen vermieden werde. Und nun das. Die Wettbewerbe in Rios Schwimmhalle sind noch nicht vorüber, und doch zeichnet sich ab, dass die deutschen Schwimmer einmal mehr Olympische Spiele zum Vergessen erleben werden.

          Wobei zu allererst festzuhalten ist, dass es niemandem gut zu Gesicht steht, Sportlern Versagensvorwürfe zu machen, die bei Olympischen Spielen ihr Bestes gegeben haben. Ob es nun für Platz sieben gereicht hat, wie am Mittwoch bei Marco Koch, oder auch nur Platz 17. Erstens springen die Schwimmer zu allererst für sich ins Wasser und zweitens hat keiner von ihnen den Eindruck eines olympischen Badetouristen gemacht.

          Und doch zeigt der deutsche Schwimmsport beispielhaft die schwierige Lage, in der sich Trainer und Athleten in Deutschland befinden, welche Fliehkräfte an ihnen zerren. Deutschland – eine große Schwimmnation, völlig klar. So sehen das die meisten. Tatsächlich? Seit der Wende, seit den Spielen von Barcelona 1992 gab es ganze drei Goldmedaillen. In einem Zeitraum von nun 24 Jahren. Illusorisch zu glauben, man könne mit Amerikanern und Australiern mithalten. Es ist gefährlich, sie übertrumpfen zu wollen. Allein der DDR und ihrem perversen System des Minderjährigendopings gelang es.

          Lambertz könnte Recht haben mit seinem Ansatz, im britischen Modell ein Vorbild zu sehen. Dort gibt es auf die Elite konzentrierte Kader, die mit glänzenden finanziellen Möglichkeiten vorbereitet werden. Um aber überhaupt in die Lage versetzt zu sein, Strukturen anpassen zu können, müssen sich Einzelverbände, Deutscher Olympischer Sportbund und Bundesinnenministerium endlich einig werden, in welche Richtung es gehen soll im deutschen Sport.

          Wie viel Geld ist uns eine olympische Kernsportart wie das Schwimmen wert? Wie viel wollen wir investieren in einen Sport, in dem international gefeierte Helden – geschlechtsneutral formuliert – von einem derart manifesten Doping-Verdacht begleitet werden, dass gegen diesen, wäre er ein Mückenschwarm, alle Anti-Zika-Sprühdosen von Rio kaum etwas ausrichten könnten.

          Wer nicht schwimmen kann, droht abzusaufen

          Und doch haben diese Sieger kaum etwas zu befürchten, so scheint es, denn diese Olympiasieger werden nicht nur von ihren Trainern, Funktionären und Politikern gefeiert, sondern auch vom Weltverband Fina. Der Verdacht der Protektion liegt nicht nur nahe, er setzt sich gewissermaßen mit auf das Siegerpodium, wenn die Hymnen gespielt werden. Angesichts dieser Zustände kann man durchaus froh sein, dass deutsche Schwimmer gegen manchen Gegner nicht mithalten können. Wann begreifen Verband und Politik endlich, dass sich, nein, dass sie vor allem diese Zustände ändern müssen, um guten Gewissens sagen zu können, dass zusätzliche Investitionen in deutsche Spitzenschwimmer gut investiertes Steuergeld ist?

          Dabei gibt es keinen wichtigeren Sport als das Schwimmen. Saubere Vorbilder können nicht schaden angesichts des Tatsache, dass nur noch jeder zweite Zehnjährige sicher schwimmen kann, wie eine Studie vergangenes Jahr feststellte. Wer nicht schwimmen kann, droht abzusaufen. So einfach ist das. Und so sinnbildlich ist das.

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