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Hockey-Halbfinale in Rio : Argentinien wird zum deutschen Albtraum

  • -Aktualisiert am

Die Enttäuschung bei Kapitän Moritz Fürste (links) und Bundestrainer Valentin Altenburg ist groß. Bild: dpa

Der Olympiasieger ist entzaubert! Nach der dramatischen Aufholjagd im Viertelfinale verpassen die deutschen Hockey-Männer das Endspiel bei Olympia durch eine deutlichen Niederlage gegen Argentinien.

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          Der Olympiasieger ist entzaubert. Nach zwei Triumphen nacheinander bei den Sommerspielen in Peking und London ist die deutsche Hockey-Nationalmannschaft der Herren am Dienstag aus dem Kampf um Gold ausgeschieden. Im Halbfinale unterlag das Team von Bundestrainer Valentin Altenburg Argentinien überraschend deutlich 2:5. Vom Kampfgeist, der den Titelverteidiger über eine dramatische Aufholjagd beim Spiel gegen Neuseeland ins Halbfinale geführt hatte, von der Überzeugung, einen höheren Rückstand noch drehen zu können, war nicht viel übriggeblieben. Vielleicht hatte die nervenzehrende Aufholjagd bis in die Schlussminute doch mehr Substanz gekostet, als Zuversicht verliehen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          In der Hitze von Deodoro bei gut 30 Grad Celsius im Schatten wirkten die Deutschen im ersten Viertel nicht aufgeweckt genug bei den wenigen aussichtsreichen Chancen der Argentinier. Sie waren wohl vorgewarnt von ihrem Kapitän. „Das wird noch schwerer als gegen Neuseeland“, hatte Moritz Fürste seinem Team zugerufen. Aber ein Starensemble mit großer Erfahrung in wichtigen Spielen stand den Deutschen nicht gegenüber.

          Mit den Südamerikanern brachte man lange nur die Erfindung der argentinischen Rückhand in Verbindung – eine Schlagvariante mit der Schlägerkante, knallhart, die das gesamte Spiel verändert hat. In den vergangenen Jahren aber hatten die Herren zu den in Argentinien wesentlich populäreren Damen aufgeschlossen und sich in der Weltspitze etabliert, wie nicht nur der dritte Platz bei der WM 2014 bewies.

          In Rio hatten die Argentinier sehr wechselhaft gespielt, guten Leistungen bei den beiden Unentschieden in der Vorrunde gegen die Niederlande (3:3) sowie gegen Deutschland (4:4) folgten schwächere Partien. Das lag auch daran, dass Strafeckenspezialist Gonzalo Peillat, der Mann mit dem härtesten Schlenzball weltweit, noch nicht auf Touren gekommen war.

          Von seiner Torgefährlichkeit bei dieser Standardsituation aber wussten die Deutschen natürlich. Die Effektivität aber, die er in diesem Halbfinale an Tag legte, überraschte: Drei Strafecken in der 7., der 14. und der 28. Spielminute, drei Tore, die die Deutschen in der Hitze wie begossene Pudel erscheinen ließen. Sie drückten zwar im zweiten Viertel und erspielten sich drei Chancen sowie eine Strafecke. Aber entweder pfiffen die Bälle am Tor vorbei, oder Torwart Juan Vivaldi hielt seine Polsterpranken in den Schussweg. Das 0:3 zur Pause ließ sich aber nicht allein auf die Cleverness und auf die Spielanlage der Argentinier zurückführen. Die Deutschen überraschten nicht nur mit diesem Rückstand, sondern auch mit ungewöhnlichen Stockfehlern bei der Ballannahme, mit Fehlpässen.

          Die Argentinier stürmten in Rio de Janeiro ins Endspiel. Bilderstrecke

          Die wunderbaren Gesänge der argentinischen Fans erfüllten zwar immer wieder das Stadion. Aber so recht in Schwung kamen sie erst bei der frühen Entscheidung, dem ersten frei herausgespielten Tor: 0:4 in der 36. Minute durch Joaquin Menini, da war auch der schon sprichwörtliche Widerstandsgeist gebrochen. Kapitän Fürste stemmte die Hände in die Hüften, manche seiner Mitspieler ließen die Köpfe hängen. Das Gold, das sich schon leicht verflüchtigt hatte, entschwand endgültig aus ihrem Blick. Es ging nur noch darum, ein Debakel zu vermeiden. Nach dem 0:5 durch Lucas Vila (47.) trafen noch Fürste per Siebenmeter (51.) und Christopher Rühr (58.) – das Spiel um die Ehre ging zumindest nicht verloren, trotz fünf vergebener Strafecken.

          Am Donnerstag geht es nun um Bronze. Der Gegner, die Niederlande, verloren das Halbfinale gegen Belgien etwas überraschend 1:3. Trotzdem bleibt das Ziel für die deutschen der dritte Rang. Das wäre aller Ehren wert und ein weiterer sichtbarer Beleg für die Spitzenklasse des deutschen Hockeys.


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