https://www.faz.net/-hfn-aedp7

Deutscher Glanztag im Segeln : Drei Olympia-Medaillen binnen drei Stunden

Glücklich aus dem Wasser: Tina Lutz und Susann Beucke Bild: dpa

Tina Lutz und Susann Beucke werden ihre Töchter gegenseitig nach sich benennen, nachdem sie Silber bei Olympia ersegelten. Auch Alica Stuhlemmer/Paul Kohlhoff sowie Erik Heil/Thomas Plößel haben Grund zur Freude.

          3 Min.

          Drei Medaillen – in nicht einmal drei Stunden: Einen solchen Tag haben sie beim Deutschen Segler-Verband (DSV) noch nicht erlebt. Als Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer am Dienstagmittag Ortszeit jubelnd, prustend und Arm in Arm in das 26 Grad warme Wasser in der Sagami-Bucht in Enoshima fielen, stand das erfolgreichste Abschneiden deutscher Segler bei Olympischen Spielen seit Sydney 2000 fest. 57 Jahre nachdem Willy Kuhweide an gleicher Stelle bereits bei den Olympischen Spielen 1964 Gold gewann, hat sich das Segel-Revier etwa eine Stunde südlich von Tokio mit einer silbernen und zwei bronzenen Medaillen als bestens geeignet für die Erfüllung einiger deutscher Segel-Träume erwiesen.

          Sebastian Reuter
          Redakteur vom Dienst.

          Für den größten Jubel im DSV-Team sorgten dabei Tina Lutz und Susann Beucke. Weil die vor dem abschließenden Medaillenrennen vor den Deutschen liegenden Niederländerinnen in der 13. und letzten Wettfahrt nur Neunte wurden, reichte Lutz und Beucke in einem unruhigen und engen Rennen ein fünfter Platz zum Sprung auf die zweite Stufe auf dem Siegerpodest. Gold gewann – wie schon 2016 – das Duo Martine Grael/Kahena Kunze aus Brasilien. „Uns hat anfangs keiner sagen können, ob es nun Silber oder Bronze ist – aber wir haben einfach trotzdem schon mal gefeiert“, berichtete Lutz von den ersten Minuten nach der Zieldurchfahrt, als sich die beiden 30-Jährigen noch auf ihrem nur 4,99 Meter langen Boot minutenlang gegenseitig schüttelten und in den Armen lagen.

          Schon seit 2007 sitzt das Europameister-Duo von 2017 und 2020 bereits buchstäblich in einem Boot. Und nachdem beide sowohl die Spiele in London 2012 als auch in Rio 2016 nur knapp verpassten und ein Wadenbeinbruch von Susann Beucke Anfang 2020 auch noch fast die Olympia-Teilnahme in Tokio verhindert hätte, fiel nun ein immenser Druck von ihnen ab.

          „Es war ein unheimlich langer Weg für uns, auf dem wir wirklich viel erlebt haben. Aber jetzt können wir unser Potential endlich ausschöpfen und das ist einfach nur ein wunderbares Gefühl“, sagte Beucke und erinnerte sich mit Tränen in den Augen an eine gemeinsame Wette: Schon vor zwölf Jahren hätten sich die beiden Seglerinnen geschworen, dass sie einmal ihre Töchter gegenseitig nach sich benennen würden, wenn sie einmal eine olympische Medaille gewinnen.

          Hart am Wind: Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer gewinnen Bronze
          Hart am Wind: Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer gewinnen Bronze : Bild: dpa

          Nicht ganz so emotional, aber dennoch äußerst zufrieden reagierten Erik Heil und Thomas Plößel auf ihre zweite Bronzemedaille bei Olympia. Nach dem Erfolg bei den Spielen in Rio vor fünf Jahren hatte das für den Norddeutschen Regattaverein segelnde Duo aus Berlin vor den Rennen in Tokio zwar noch selbstbewusst mit einer „noch schöneren Medaille“ kokettiert. Doch zwischenzeitliche 12. und 14. Plätze in den Wettfahrten, hatten die Goldchancen schon vor dem abschließenden Medaillenrennen minimiert.

          Den Sprung auf das Siegerpodest verdankten der 31 Jahre alte Heil und der anderthalb Jahre ältere Plößel dabei neben einem starken Start und einem taktisch gut geführten Rennen auch dem schlechten Abschneiden des spanischen Duos, das Bronze durch den siebten Platz im Medaillenrennen noch aus den Händen gab. „Ich freue mich zehnmal mehr als damals, weil es viel härter und knapper war“, sagte Vorschoter Plößel anschließend. Gold gewannen überraschend die Briten Dylan Fletcher-Scott und Stuart Bithell, die sich in einem dramatischen Zielsprint noch vor das seit 2012 dominierende Superstar-Duo Peter Burling/Blair Tuke aus Neuseeland schoben.

          Für den dramatischen und letztendlich viel umjubelten Abschluss eines historischen Tages sorgten dann Alica Stuhlemmer und der noch vor wenigen Jahren wegen einer Hirnblutung um sein Leben kämpfenden Paul Kohlhoff im Nacra-17: Ein Fehler beim Start ließ das Mixed-Duo im letzten Rennen gleich zu Beginn auf den zehnten Rang und gut 250 Meter hinter die Führenden zurückfallen. Doch die beiden 21 und 26 Jahre alten Sportsoldaten kämpften sich zurück und sicherten sich mit ihrem achten Rang gerade so noch die Bronzemedaille. „Wir sind wahnsinnig stolz, Teil dieses coolen Teams zu sein“, sagte Kohlhoff. Nacra-Olympiasieger wurden Ruggero Tita/Caterina Banti aus Italien vor John Gimson/Anna Burnet aus Großbritannien.

          Am Mittwoch gehen nun noch Luise Wanser und Anastasiya Winkel im 470er als Achte der Gesamtwertung ohne Medaillenchancen ins letzte Rennen in Enoshima. Komplettiert wird das erfolgreiche deutsche Segel-Ergebnis in Tokio vom fünften Platz von Laser-Segler Philipp Buhl sowie dem 16. Platz von Svenja Wegner im Laser Radial. Beim DSV werden jedoch wohl vor allem jene drei heißen Mittagsstunden am Dienstag in Erinnerung bleiben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Armin Laschet nach der Präsidiumssitzung der CDU am Montag in Berlin

          Laschet in Not : Warten auf die Wende

          Die launige Stimmungsdemokratie tut Laschet nicht den Gefallen einer „Wende“ durch die Medien. Auf die konnte sich die CDU noch nie verlassen. Aber das war und ist nicht die Schwäche der Union, sondern ihre Stärke.
          Frank Plasberg wollte anhand von Leitfragen die Unterschiede zwischen den Parteien deutlich machen.

          TV-Kritik Hart aber fair : Die Nato wird wohl nicht aufgelöst

          Frank Plasberg hat sich kurz vor der Wahl etwas Besonderes ausgedacht. Mit Leitfragen will er die Unterschiede zwischen den Parteien deutlich machen. Doch am Ende entgleitet es ins Aberwitzige.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.