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Deutsche Kanuten : Erfolg in Endlos-Schleife

  • -Aktualisiert am

Wieder Gold am Dorney Lake: Franziska Weber (rechts) und Tina Dietze paddeln zum Sieg Bild: dpa

Keiner sammelt so zuverlässig Medaillen wie die deutschen Kanuten. Drei Olympiasiege sind es schon in London, dazu drei weitere Medaillen. Die Zauberformel hat viele Faktoren.

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          Alles strahlte am Donnerstag in Eton Dorney: die Sonne, was in England naturgemäß nicht allzu oft passiert, und die Gesichter der deutschen Kanuten, was angesichts ihrer anhaltenden Erfolgsserie ziemlich gewöhnlich erscheint. Aber zwei Olympiasiege binnen weniger Minuten, einen überraschenden im Canadier-Zweier durch Peter Kretschmer und Kurt Kuschela sowie einen erhofften im Kajak-Zweier von Franziska Weber und Tina Dietze, dazu ein heißer Tag bei den Sommerspielen - das sorgte selbst unter Seriensiegern für extraordinäre Ausgelassenheit.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So beschränkte sich Thomas Konietzko nicht darauf, mit der Sonne um die Wette zu strahlen (und sich nur knapp geschlagen zu geben), sondern erlaubte sich einen Scherz auf Kosten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). „Wir stellen das Paddeln ein!“, rief der Präsident des Kanuverbandes in die Runde, zu der auch Michael Vesper als olympischer Chef de Mission gehörte: „Wir haben die Zielvereinbarung mit dem DOSB erreicht!“ Etwas spitzer formulierend legte er nach: „Das führt die Zielvereinbarung ad absurdum.“

          Die Nationalhymne als Evergreen

          Man muss sich Konietzko als überglücklichen Menschen vorstellen und darf darob nicht jedes seiner Worte auf die Goldwaage legen. Tatsache ist aber, dass für die deutschen Kanuten das Treppchensteigen auch bei diesen Spielen zu den olympischen Disziplinen gehört, und dass sie ihr offiziell vorgegebenes Soll bereits erfüllt haben: Dreimal standen die Paddler ganz oben, und die Nationalhymne wird draußen im Grünen zum Evergreen.

          Dazu kamen nach den ersten beiden Renntagen drei weitere Podestplätze: einmal Silber und zweimal Bronze. So lässt sich selbst ein vierter Platz wie am Donnerstag durch den Kajak-Vierer (mit Marcus Gross, Norman Brockl, Tim Wieskötter und Max Hoff) leicht verschmerzen. Summa summarum haben die Deutschen, seit der Kanurennsport 1936 olympisch wurde, 95 Medaillen gesammelt, davon 40 güldene. „Respekt, dass die Kanuten immer wieder auf den Punkt fit sind“, sagte Vesper.

          Der Chef de Mission hätte seinen Vormittag nicht besser verbringen können als draußen bei seinen Vorzeigeathleten. Es war die „unbedingte Erfolgsorientierung“ der Kanuten, die Vesper imponierte. Eine Tugend, die andere Olympiateilnehmer aus deutschen Landen - über die Schwimmer mochte Vesper an diesem schönen Tag kein Wort verlieren - vermissen ließen. Warum bloß? Der DOSB-Generaldirektor erlaubte sich vorerst kein Urteil: „Wir werden analysieren, was die anderen von den Kanuten lernen können“, sagte er. Die Paddler, die nur alle vier Jahre bei Olympia groß herauskommen, taugen offenbar auch die restliche Zeit zu Vorbildern der Sportnation.

          Peter Kretschmer (rechts) and Kurt Kuschela holen Gold im Canadier-Zweier

          Wie aber gelingt es ihnen, stets aufs Neue auf den Punkt genau topfit zu sein und die immer stärker werdende internationale Konkurrenz hinter sich zu lassen, obwohl Spitzenkräfte wie Fanny Fischer und Nicole Reinhardt im zurückliegenden Olympiazyklus ausfielen? „Reine Leidenschaft für das, was wir tun“, wie die mit Gold (Zweier) und Silber (Vierer) dekorierte Franziska Weber sagte.

          Weil sie in entscheidenden Rennen fähig sind, „den Kopf am Steg lassen“, wie sich ihre Bootspartnerin Tina Dietze ausdrückte. Weil die Kanuten „keiner Konkurrenz aus dem Wege gehen und Härte trainieren“, wie Goldjunge Kuschela auch im Namen seines taktgebenden Beifahrers Kretschmer behauptete. Oder liegt es am „guten Umfeld“, das DKV-Sportdirektor Jens Karl hervorhob, weil darin Ausbildung und Leistungssport bestens vereinbar sind und die Athleten vor Olympia monatelang von ihrem Dienst freigestellt werden?

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