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Spiel um Bronze : Hockey-Herren auf der Suche nach neuen Zielen

  • -Aktualisiert am

Noch einmal aufrappeln: Florian Fuchs war – wie das gesamte Team – nach dem Aus gegen Argentinien tief geknickt Bild: AFP

Nach dem geplatzten Traum vom Triple-Gold will sich das deutsche Hockey-Team zumindest die Bronzemedaille sichern. Im Spiel gegen die Niederlande geht es auch um die Zukunft des Bundestrainers.

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          Valentin Altenburg ist nicht zu beneiden. Am Dienstag „platzten die Träume meiner“ Spieler, und die Öffentlichkeit daheim nahm zur Kenntnis, dass dieses Hockeyteam die sprichwörtliche Tradition mit dem Gold von Peking und London nicht wird fortsetzen können. 2:5 gegen Argentinien in Rio im Halbfinale, das kam als Debakel in Deutschland an. Wie aber kriegt man den Fluch des Goldes aus den Köpfen, das Gefühl, die Qualität eines Teams und seiner Spieler ließe sich nur am Olympiasieg messen? „Wir reden erst mal gar nicht, das muss jeder erst mal mit sich selbst verarbeiten“, sagte Altenburg noch unter dem Eindruck der Niederlage. Da zogen Spieler in seinem Rücken vorbei zur Kabine. Mit starrem Blick, mit hängenden Köpfen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Argentinier hatten ihnen das Spiel aus der Hand genommen mit ihrer Effektivität. Die Seele hing im Keller, als sich die Gedanken noch festhielten an Ballbesitzquoten, an der Zahl herausgespielter Chancen, an Szenen, in denen das Spiel „sicher anders verlaufen wäre“, wenn: die Deutschen in ihrer Druckphase beim Stande von 0:2 mal getroffen hätten, wenn eine richtige Schiedsrichterentscheidung, weil der Ball bei der Strafecke vor dem 0:3 doch auf der Linie gestoppt wurde und nicht außerhalb des Kreises, mehr Spielraum gelassen hätte.

          Die ehrlichste Antwort

          Im Verlauf der ersten Rückschau noch auf dem Platz – erstaunlich genug – tauchten aber schnell Spuren illusionsfreier Erkenntnisse auf. „Da waren Fehler dabei, die uns in einem Halbfinale nicht passieren dürfen“, sagte Kapitän Moritz Fürste und schloss sich dabei nicht aus. Wahrscheinlich haben die Deutschen im Halbfinale die ehrlichste Antwort bekommen auf ihren Leistungsstand. Für Gold reichte es nicht mehr – oder noch nicht wieder.

          Das macht die Aufgabe an diesem Donnerstag im Spiel um Platz drei (17 Uhr MESZ) nicht leichter. Bronze? Dafür seien sie nicht nach Rio gekommen, hatte das Team vor dem Halbfinale erklärt. Wie sich also aufraffen für einen Kampf um ein Stück Metall, das in diesen Tagen nach der Gold-Blende keine besondere Ausstrahlung besitzen mag? Am Mittwoch wollte sich Altenburgs Ensemble eingeschworen haben auf das kleine Finale. Es geht dabei nicht um ein Trostpflaster, sondern um endgültige Abschiede von Olympia und um wichtige Perspektiven für Olympia.

          Kapitän Moritz Fürste steht dann in seinem 288. und letzten Länderspiel, Tobias Hauke (299./ebenfalls Gold in Peking und London) oder Christopher Wesley (161./Gold in London) gelten als Spielertypen mit eingebauter Siegermentalität, sobald der Ball läuft. Die jüngeren Mannschaftskollegen können ihre Final-Härte doch noch beweisen, bevor es zum nächsten Auftritt auf der Weltbühne kommt. Auch der mit 35 Jahren junge Bundestrainer steht vor einer besonderen Prüfung bei dem Versuch, sein Team aus der Depression in einen von Zuversicht getragenen Angriffsmodus zurückzuführen.

          Er hat nach dem überraschenden Wechsel von Markus Weise zum Deutschen Fußball-Bund im vergangenen November einen „Projektvertrag“ als Cheftrainer der Herren erhalten. Nach Olympia läuft die Vereinbarung aus. Einschließlich Altenburg gibt es drei Bewerber um den Posten. Da könnte ein Coup nicht schaden im Spiel um Platz drei. Der Gegner sind die Niederlande, der Turnierfavorit, gestolpert über Belgien. Ein Sieg und Bronze würden strahlen, wenn noch nicht am Donnerstag, dann aber im Laufe der Jahre mehr und mehr.

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