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Deutsche Hockey-Herren : Drei, zwei, eins, Gold!

Ganz viele Goldmedaillen - die aber im Medaillenspiegel nur mit einer eingerechnet wird Bild: AFP

Olympiasieger, schon wieder. Die Hockey-Herren sichern sich nach 1972, 1992 und 2008 zum vierten Mal Gold. Die Deutschen gewinnen gegen die Niederlande 2:1. Spieler des Abends ist Jan Philipp Rabente.

          Aus, aus, aus: Es flogen die Schläger, es rannten die Spieler, sie sprangen aufeinander, packten und herzten sich: Geschafft! Olympiasieger, schon wieder. Die deutsche Hockey-Nationalmannschaft hat am Samstagabend im Finale von London die Niederlande 2:1 geschlagen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Nach 1972, 1992 und 2008 gewann eine Männer-Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) damit zum vierten Mal in der Geschichte des Verbandes Gold. In ihrer Mitte tauchte nach wenigen Minuten der Mann von der Seitenlinie auf: Markus Weise. Als erster Hockey-Coach hat er sowohl Damen (2004) als auch Herren zum Olympiasieg geführt (2008). Nun ist ihm das Triple gelungen.

          Die Deutschen begannen wie bei ihrem grandiosen Sieg im Halbfinale über Weltmeister Australien (4:2): Mit präzisem Kombinationsspiel, mit Passhärte und mit einer überzeugenden Sicherheit in der Verteidigung sowie im Spielaufbau. Aber die Niederländer machten es ihnen schwerer als die offensiven Australier.

          Die Nachbarn spielten eleganter, suchten ihre Chancen in blitzschnellen Kontern. Das gefiel den Zuschauern, jedenfalls denen mit orangenen Trikots. Unterstützt von der fröhlichen Musik einer Kapelle trieben sie ihr Team voran und sahen ab Mitte der ersten Halbzeit drei gute Chancen, gar eine Strafecke.

          Zur Goldmedaille gebogen: Oliver Korn nach dem Schlusspfiff Bilderstrecke

          Aber der Torjubel blieb aus. Denn in Maximilian Weinhold, dem deutschen Torwart, fanden sie vorerst ihren Meister. Die Strafecke entschärfte Christopher Zeller, in dem er sich in den Schuss warf. Chance vertan. So staunten die Niederländer nicht schlecht, als Jan Philipp Rabente in der 33. Minute die zweite Gelegenheit der Deutschen nutzte.

          Mit einem geschickten Dribbling drang er in den Schusskreis ein, versetzte zwei holländische Feldspieler und den Torwart: 1:0. So ging es in die Pause – mit einem psychologischen Vorteil. Holland hatte gedrückt und gedrängt, Deutschland vor den Augen von Diskus-Olympiasieger Robert Harting in einer starken Fraktion aus dem Olympiateam getroffen.

          Im ersten Spiel war das ganz anders gelaufen. Die Deutschen hatten schon einmal das Vergnügen gehabt, den geneigten Nachbarn in London auf dem Feld zu treffen. Aber am vergangenen Sonntag musste das Ensemble eine 1:3-Niederlage hinnehmen.

          Da bot sich das 187. Duell (81 Siege, 51 Niederlagen, 55 Unentschieden), die erste Begegnung im olympischen Finale, geradezu an für eine Revanche. Aber Weise warnte: „Wenn man die laufen und auf Tempo kommen lässt, ist das nicht sinnvoll. Das können sie richtig gut.“ Aber nur, wenn man es zulässt.

          Nach dem 1:1 stößt die Kapelle wieder ins Horn

          Weises Auswahl dachte auch in der zweiten Halbzeit gar nicht daran, sich ausspielen zu lassen. Gleichzeitig arbeitete sie sich Torchance um Torchance heraus. Die vierte nutzte Stürmer Christopher Zeller zu einem prächtigen Schuss mit Knalleffekt: Pfosten. Das war ein Signal – für die Holländer. Prompt stürmten sie drauflos, erspielten sich gute Möglichkeiten und Strafecken.

          Bei der zweiten schoss Mink van der Weerden den Ball in den rechten oberen Winkel (56.): 1:1. Da stieß die Kapelle wieder ins Horn. Aber eine Wende folgte nicht. Es blieb bei einem Match mit packenden Attacken auf beiden Seiten, aber zunächst mit den besseren Aussichten für die Deutschen: zwei Strafecken, zwei Schüsse, eine glanzvolle Parade des Niederländers Stockmann, Deutschland hätte sieben, acht Minuten vor dem Ende führen können.

          Verteidigen, verteidigen, verteidigen

          So stieg die Spannung, während die Zeit ablief, bis Tobias Hauke Maß nahm, den Ball in den Schusskreis pfefferte und ihn einer im weißen Trikot abfälschte: Rabente, der Glückliche, zum 2:1 (65.). „Ich kann es nicht fassen, das Turnier war so anstrengend“, sagte der deutsche Matchwinner.

          Und der Rest der Geschichte? Verteidigen, verteidigen, verteidigen, mit Mann und Maus. Noch eine Minute, die Holländer stürmen, noch 27 Sekunden, sie schießen, noch fünf, da zählen die Spieler auf der Bank, vier, drei, zwei, eins: Gold.

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