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Olympia-Gold für Fußballfrauen : Und wieder erfüllt sich ein deutscher Traum im Maracana

Teamfoto im Maracana: Deutschland gewinnt Gold Bild: AFP

Beim 2:1 über Schweden im olympischen Finale dominiert das deutsche Team lange Zeit – auch wenn es zum Schluss noch einmal dramatisch wird. Am Ende gelingt der krönende Abschluss für Trainerin Neid dennoch.

          3 Min.

          Das Maracana-Stadion von Rio de Janeiro bleibt ein Ort, an dem Träume deutscher Fußball-Nationalmannschaften in Erfüllung gehen. Zwei Jahre, nachdem die Männer hier Weltmeister wurden, schossen sich die deutschen Fußballspielerinnen zum ersten Olympiasieg. Im Finale von Rio de Janeiro besiegte die Mannschaft von Silvia Neid Schweden mit 2:1 (0:0). Für die Deutschen traf Dzsenifer Marozsan (48.) und Linda Sembrant durch ein Eigentor (62.), Stina Blackstenius brachte die Schwedinnen noch einmal heran (67.).

          Für Silvia Neid, die in Rio das letzte Spiel als Bundestrainerin erlebte, ist das der krönende Abschluss einer einzigartigen Trainer-Karriere. Zweimal Europameisterin, Weltmeisterin, Olympiasiegerin – so erfolgreich hat Deutschlands Frauen-Nationalmannschaft noch nie Fußball gespielt.

          Die weitaus besten Chancen

          Das Spiel, mit dem sich Silvia Neid von der Trainerbank verabschieden wollte – Steffi Jones übernimmt den Posten als Bundestrainerin – begann, wie es für ein Finale üblich ist: verhalten. Die Schwedinnen, in der K.o.-Phase des Olympiaturniers bislang durch konsequente Defensivarbeit aufgefallen, stellten sich durchaus nicht nur in die eigene Hälfte. Trotzdem hatten die Deutschen, ganz in rot gegen ganz in gelb spielende Schwedinnen, in der ersten Hälfte die weitaus besten Chancen – und zwar binnen fünf Minuten.

          War der Kopfball, den Melanie Leupolz aus fünf Metern über das Tor setzte (20.) noch damit zu erklären, dass sie bedrängt wurde, gab es für Anja Mittags Fehlschuss (25.) keine Ausrede. Leonie Maier hatte es mit einem Schuss aus der Distanz versucht, Hedvig Lindahl hatte den Ball nach vorn abprallen lassen, direkt vor die Füße von Anja Mittag – doch der Stürmerin versprang der Ball vom Fuß, der Schuss ging aus sechs Metern am Tor vorbei. Spätestens jetzt hätten die Deutschen führen müssen, die Chancen waren in ihrer stärksten Phase in der ersten Halbzeit zu Stande gekommen.

          Starker Abschluss: Silvia Neid verabschiedet sich mit Gold Bilderstrecke
          Starker Abschluss: Silvia Neid verabschiedet sich mit Gold :

          Doch nach zehn Minuten des deutschen Drucks lösten die Schwedinnen sich wieder und setzten nicht, wie in Viertel- und Halbfinale, auf die schiere Defensive, sondern versuchten, Lücken in die deutsche Abwehr zu reißen. Das gelang, jedenfalls immer mal wieder. Doch Lotta Schelin, die beste und schnellste Schwedin, setzte den Ball bei einem Konter weit neben das Tor (28.), kurz darauf  war Dahlkvist bei einem Schuss zu ungenau (31.). Vielmehr aber brachten die Schwedinnen in dieser Phase auch nicht zu Stande, zumeist war die Abwehr von Sakia Bartusiak und Anneke Krahn aufmerksam aufgestellt. Nur: nach vorne gelang bis zur Pause wenig. Doch das sollte sich in der zweiten Halbzeit drastisch ändern.

          Eine Spielerin, von der bis zur 45. Minute sehr wenig zu sehen war, brachte die zweite Hälfte umgehend in Fahrt: Dzsenifer Marozsan, Rückennummer zehn, traf in der 48. Minute zur Führung für die Mannschaft von Silvia Neid. Melanie Leupolz hatte auf dem rechten Flügel viel Platz, flankte nach innen und der Ball erreichte Dzsenifer Marozsan an der Strafraumkante mitten vor dem Tor. Sie hatte genügend Zeit, den Ball anzunehmen, zu sehen, wo Hedvig Lindahl stand, und den Ball ins linke Toreck zu zirkeln. Hatte das Spiel hohen Ansprüchen bis dahin noch nicht genügt – dieses 1:0 tat es durchaus.

          Die Schwedinnen reagierten einigermaßen geschockt und standen kurzfristig noch etwas tiefer. Wie aber sollen eine Vierer- und eine Fünferkette in der eigenen Hälfte einen Rückstand ausgleichen? Nach einigen Minuten lösten die Frauen von Pia Sundhage ihre Riegel wieder etwas und als das Spiel wieder offener wurde – Olivia Schoughs gefährlicher Schussversuch wurde von Saskia Bartusiak geblockt (57.) – übernahm Dzsenifer Marozsan ein zweites Mal die Hauptrolle. An der Strafraumgrenz war sie von Lotta Schelin gehalten worden, Schiedsrichterin Carol Anne Chenard aus Kanada pfiff Freistoß. Marozsan schoss selbst – an den Pfosten. Der Ball prallte zurück in den Fünfmeterraum, von wo ihn Linda Sembrandt unfreiwillig im eigenen Tor versenkte (62.).

          War das die Entscheidung? Die Deutschen spielten nun klar und souverän, jedenfalls fünf Minuten lang. Bis die Schwedinnen zum ersten Mal in diesem Spiel einen perfekten Konter spielten, an dessen Ende die eingewechselte Stina Blackstenius den Ball ins Tor grätschte, vorbei an der chancenlosen Almuth Schult (67.). Nur noch 2:1. Doch Silvia Neids Spielerinnen blieben cool, bis in die Schlussphase hinein. Melanie Leupolz und Alexandra Popp boten sich nach dem schwedischen Tor sogleich gute Möglichkeiten, den alten Vorsprung wieder herzustellen, doch die Gelegenheiten verstrichen ungenutzt.

          Erst kurz vor Schluss dann setzten die Schwedinnen den Deutschen so richtig zu. Pauline Hammarlund hatte die beste Chance kurz vor Schluss, als sie völlig frei acht Meter vor dem Tor an den Ball kam – und drüber trat. Danach blieb es zwar hektisch im Strafraum der Deutschen, doch die Schwedinnen sollte kein Tor mehr glücken. Es war das zehnte Spiel bei einem großen Turnier seit 2004 zwischen Deutschland und Schweden. Und zum zehnten Mal gewannen die Deutschen. Silvia Neid, so sieht es aus, kann Schweden. Und sie geht als Olympiasiegerin.

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