https://www.faz.net/-hfn-ae4gk

Deutsche Fechter bei Olympia : Auf zum letzten Tanz

Gut gekämpft, aber doch verloren: Leonie Ebert Bild: Reuters

Bislang medaillenlos, aber noch nicht mutlos: Nach dem Scheitern der Solisten Leonie Ebert, Peter Joppich und Max Hartung im Achtelfinale hoffen die deutschen Fechter auf die Team-Wettbewerbe.

          2 Min.

          Das wichtigste Ziel von Leonie Ebert für Tokio war schon vor den Olympischen Spielen geplatzt. Die Florettfechterin hatte gehofft, dort auf Roger Federer zu treffen, denn die 21-Jährige bekennt sich dazu, glühender Fan des fast doppelt so alten Tennisspielers zu sein. Doch der Schweizer hatte seinen Start in Tokio abgesagt. Mit ihrer eigenen Olympia-Teilnahme wiederum erfüllte sich für Ebert ein Traum, den das multibegabte sportliche Kind schon hatte, seit sie mit fünf Jahren zum ersten Mal Olympia im Fernsehen sah. Schwimmen, Ballett, Leichtathletik, Tennis – alles hat sie danach selbst ausprobiert, ausgerechnet beim Fechten ist sie hängen geblieben.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Auf der größtmöglichen Bühne des internationalen Sports hat sich die junge Fränkin nun durchaus gut geschlagen, in die Nähe von Medaillen kam die einzige deutsche Fechterin, die überhaupt die Qualifikation für Tokio schaffte, allerdings nicht. Sie unterlag im Achtelfinale der früheren Weltmeisterin Alice Volpi aus Italien mit 13:15, nachdem sie zuvor die Amerikanerin Jacqueline Dubrovich nervenstark mit 15:14 bezwingen konnte. „Leonie hat einen starken Auftritt hingelegt“, sagte anschließend Sven Ressel, der Sportdirektor des Deutschen Fechterbundes. „Ich glaube, dass da noch mehr drin gewesen wäre“, meinte die Sportlerin selbstkritisch.

          Aus im Achtelfinale hieß es am Tag danach auch für Leonie Eberts Waffenbruder Peter Joppich, der schon bei den Spielen von Athen 2004 mit dem Florett um olympische Ehren kämpfte und Sechster wurde – damals, als Leonie Ebert als Kind zum ersten Mal bei Olympischen Spielen staunend vor dem Fernseher saß. Mittlerweile geht der mit seiner blonden Mähne stets jugendlich erscheinende Joppich schon auf die 40 zu, doch der Status „bester Deutscher mit dem Florett“ gebührt ihm weiterhin. Gegen den zwölf Jahre jüngeren Tschechen Alexander Choupenitch unterlag er nun in einem engen Gefecht mit 13:15. „Ich kann mir nicht viel vorwerfen“, sagte Joppich hinterher: „Es waren Kleinigkeiten, die nicht gepasst haben. Es hätte auch andersrum ausgehen können.“

          Auf seine alten tage noch kampfstark: Peter Joppich
          Auf seine alten tage noch kampfstark: Peter Joppich : Bild: dpa

          Zum Auftakt hatte der Koblenzer den an Position drei gesetzten Amerikaner Alexander Massialas überraschend mit 15:12 geschlagen und damit gezeigt, über welch herausragendes Können er noch verfügt, auch wenn seine großen Erfolge schon mehr als ein Jahrzehnt zurückliegen. Zwischen 2003 und 2010 war der eher schmächtige Joppich viermal Weltmeister. Dass seine fünfte Teilnahme an Olympischen Spielen nun das Ende seiner langen Laufbahn darstellen soll, dafür sieht er freilich keine Anhaltspunkte: „Meine Motivation ist immer noch hoch“, sagte er schon vor der Abreise nach Tokio: „Der Reiz des Fechtens ist da. Ich liebe den Sport.“

          Im Gegensatz dazu hat Säbelfechter Max Hartung genau wie seine Mitstreiter Benedikt Wagner und Richard Hübers schon vorab verkündet, dass er nach Olympia seine Waffe aus der Hand legen wird. Ausgerechnet an den Säblern auf Abschiedstournee wird es nun liegen, medaillenlose Spiele für die deutschen Fechter zu vermeiden.

          Im Einzel kamen auch Hartung und Matyas Szabo, der nach Olympia weitermachen will, nicht über das Achtelfinale hinaus, Wagner scheiterte gar in Runde eins. Im Teamwettbewerb startet die eingeschworene Säbelcrew aus Dormagen nun erst mit dem Viertelfinale. Er freue sich auf „den letzten Tanz mit den Boys“, kündigte der zweimalige Einzel-Europameister Hartung schon vor dem Duell gegen die Russen an diesem Mittwoch an. Auch die Florett-Herren um Joppich haben am Sonntag als Team noch eine Chance, gehen aber als Außenseiter in die Gefechte.

          „Wir haben das Ziel, Medaillen zu gewinnen“, hatte Ressel vor den Spielen verkündet, nachdem dies in Rio schon nicht gelungen war. Hartung baut schon einmal vor, sollte es auch mit dem Team nicht klappen: „Ich hatte eine tolle Karriere.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Im Streit mit der EU: Vor dem polnischen Verfassungsgericht am 22. September

          Polens Streit mit der EU : Aus politischen Gründen vertagt?

          Zum vierten Mal hat das polnische Verfassungsgericht die Entscheidung darüber aufgeschoben, ob nationales über EU-Recht steht. Dahinter stecke Kalkül, heißt es aus Brüssel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.