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Boxerin Apetz bei Olympia : Eine Marke gesetzt

  • -Aktualisiert am

Boxerin Nadine Apetz bei den Olympischen Spielen in Japan Bild: AFP

Boxerin Nadine Apetz hat bei den Olympischen Spielen in Tokio eigentlich viel vor. Doch sie scheidet bereits nach ihrem ersten Kampf aus – und ist trotzdem Olympia-Pionierin.

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          Zum Schluss hob sie die Schlaghand Richtung Hallendecke. Es war die übliche Geste für die Punktrichter. Die letzte Überzeugung mochte Nadine Apetz diesmal aber nicht hineinlegen, die hatte sie einfach nicht.

          Nach dem ersten und vermutlich letzten olympischen Duell einer denkwürdigen Karriere war ihr klar, dass es auf eine knappe Entscheidung hinauslaufen würde. Es wurde dann die knappste, die im olympischen Boxen überhaupt möglich ist. Drei der internationalen Juroren hatten ihre indische Gegnerin Lovlina Borgohain vorn, zwei die doppelte Aspirantin aus Köln: Kandidatin für eine Medaille im Federgewicht, ursprünglich, sowie für einen akademischen Abschluss in den Neurowissenschaften, der schon überfällig ist.

          Am Ende eine Stilfrage

          Es war eben ein Vergleich auf Augenhöhe, der in jedem Fall ungerecht ausfallen muss. Was die 35-Jährige von der Ringmitte aus an giftigen, aber stets kontrollierten Attacken durchbrachte, bekam sie von ihrer an Reichweite überlegenen Gegnerin in der Regel als Konter zurück. Und wo Erstere viel beherzte Aktivität an den Tag legte, wusste Letztere mit der größeren Gelassenheit und technischen Finesse zu überzeugen.

          Dann ist es am Ende eine Stilfrage, was besser gefällt. So gaben zwei Offizielle der Inderin und eine Offizielle der Deutschen alle drei Runden. Beide Sichtweisen kann man im äußersten Fall vertretbar finden – oder rundum anzweifeln wie DBV-Sportdirektor Michael Müller.

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          Ihm wie dem irischen Cheftrainer Eddie Bolger hängt nun die zweite, diskutable Niederlage in vier Wettkampftagen nach – der Berliner Hamsat Shadalov war am Samstag mit dem gleichen Resultat aus dem Turnier im Federgewicht ausgeschieden. Skandalurteile sind das allerdings nicht. Gemessen an manch vorigen Spielen, geht es in Tokio bisher erstaunlich fair zu.

          Es könnte also sein, dass am Dienstag einmal mehr das nötige Glück gefehlt hat – oder einfach „der eine oder andere, klarere Treffer“ (Müller). Auch wenn Apetz „dachte, ich hätte genug getan“.

          Die tapfere Doktorandin wäre nur zu gern wieder vorangegangen, um sich selbst zu übertreffen. Als erste deutsche Boxerin hatte sie 2016 in Astana durch ihren dritten Platz eine WM-Medaille erobern können; zwei Jahre später erkämpfte sie sich sowohl an der WM wie an der EM jeweils das gleiche Edelmetall.

          Da war für ihren Geschmack „sehr viel Bronze“ dabei, wie sie im kleinen Kreis einmal mäkelte. Nun wollte sie in Tokio beweisen, „dass ich auch den einen Schritt mehr kann“, und hatte dafür alle anderen Projekte ausgesetzt – von ihrer Abschlussarbeit über die Hirnstimulation bei Parkinson bis zum Amt der eloquenten Aktivensprecherin im Boxverband.

          Schon mit der Qualifikation für Tokio aber hat die Boxerin des SC Colonia 06 Köln abermals eine Marke gesetzt: Sie war bis jetzt die einzige Deutsche in der Disziplin, die seit 2012 olympisch ist. Das sollte mehr sein als ein schwacher Trost. Außerdem hat der DBV noch einen 'last man standing' in der Verlosung.

          Der Hamburger Ammar Riad Abduljabbar konnte sich zwei Stunden zuvor mit einem glatten Punktsieg in tollkühner Manier über Jose Maria Lucar Jaimes (Peru) fürs Viertelfinale im Schwergewicht qualifizieren. Dort trifft er am Freitag auf Muslim Gadzhimagomedov, den russischen Turnierfavoriten.

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