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Die Kunst des Hammerwerfens : „Macht nicht jeder“

Betty Heidler: „Es war klar, dass Hammerwerfen keine Disziplin ist, die ich als Hobby weitermachen kann“. Bild: dpa

Sie war die „Hammerfrau“ schlechthin, hat nach ihrem Rücktritt aber keinen Wurfhammer mehr angerührt. Betty Heidler spricht im Interview über eine komplizierte Disziplin, die nicht als Hobby taugt.

          2 Min.

          Sie war Welt- und Europameisterin, gewann Olympiasilber und hielt sogar den Weltrekord. Betty Heidler war die „Hammerfrau“ schlechthin. Heute arbeitet die 37-Jährige bei der Bundespolizei und studiert auf eine Stelle im höheren Dienst. Ein Gespräch vor dem Olympia-Finale im Hammerwerfen der Frauen an diesen Dienstag (13.35 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Olympia, im ZDF und bei Eurosport).

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Haben Sie den Dreh mit dem Hammer noch raus?

          Das weiß ich gar nicht – ich hatte keinen mehr in der Hand, seit ich das letzte Mal bei einem Wettkampf im Ring gestanden habe.

          Aber das ist doch fünf Jahre her!

          Ja, und ich vermisse nichts. Wenn ich mich jetzt reinstellen würde, bestünde eher die Gefahr, dass ich mich verletzten könnte.

          Sind Sie immer so konsequent?

          Ich bin generell sehr konsequent, doch von hundert auf null: das mache ich nicht mit allen Dingen so. Aber ich hatte meinen letzten Wettkampf gut vorbereitet und mich nach und nach vom Hammerwerfen verabschiedet.

          Und wenn Schluss ist, ist Schluss?

          Es war eine sehr, sehr lange und intensive Zeit und es war klar, dass Hammerwerfen keine Disziplin ist, die ich als Hobby weitermachen kann. Auch weil ich mich immer mit mir selbst vergleichen würde.

          Das ist was anderes bei Läuferinnen. Die laufen einfach weiter, wenn auch langsamer.

          Ja, ganz gewiss. Aber ich bräuchte ja auch einen Ring und einen Käfig. Das geht nicht so einfach. Und ich wollte die Zeit, die ich zur Verfügung habe, auch für andere Dinge nutzen.

          Sind Sie im Rückblick gerne Hammerwerferin gewesen? Oder bedauern Sie, dass Sie so eine komplizierte Disziplin gewählt haben?

          Betty Heidler über Samantha Borutta: „Sie ist noch sehr jung und wird davon profitieren.“
          Betty Heidler über Samantha Borutta: „Sie ist noch sehr jung und wird davon profitieren.“ : Bild: dpa

          Nein, warum? Ich bin froh damit, diese Disziplin gewählt zu haben und ich war ja auch sehr erfolgreich. Hammerwerfen macht nicht jeder, es ist eine sehr anspruchsvolle Übung. So was liegt mir.

          Verfolgen Sie noch die aktuelle Entwicklung im Hammerwerfen?

          Ja schon, ich verfolge die großen Wettkämpfe, manchmal im Fernsehen, oft im Internet, und ich lese auch die Ergebnislisten.

          Stehen Sie im Leichtathletik-Verband für den Nachwuchs als Beraterin zur Verfügung?

          Nein, ich möchte mich nicht einmischen, gar nicht.

          Bei den Olympischen Spielen war Samantha Borutta in der Qualifikation zum Hammerwerfen für Deutschland am Start. Kennen Sie sie?

          Ich habe sie bei den deutschen Meisterschaften gesehen und ich weiß, dass sie Potential hat. Ich freue mich für sie, dass sie so eine gute Entwicklung gemacht und schon mal über 70 Meter geworfen hat. Sie ist noch sehr jung und wird davon profitieren.

          Wie war es bei Ihnen, als Sie zum ersten Mal dabei waren?

          Das war in Athen 2004 und hat mir ungemein geholfen. Es war eigentlich auch eine Belohnung. Und dann bin ich dort Vierte geworden und habe deutschen Rekord geworfen. Es war mein Internationaler Durchbruch.

          Der Höhepunkt war sicher London, als Sie mit dem Kampfrichter die Weite nachgemessen haben und dann eine Medaille gewonnen haben?

          Ja, London war auch sehr besonders. Und die erfolgreichsten Spiele für mich. London waren die bedeutsamsten Spiele – aber an Athen als junge Athletin habe ich die schönste Erinnerung.

          Olympia

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