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Olympisches Basketball-Turnier : Dončićs Slowenen für Deutschland unschlagbar

Der Mann, der die Slowenen als Mannschaft besser macht: Luka Doncic Bild: AFP

Über das Viertelfinale kommen die deutschen Basketballer bei Olympia nicht hinaus. Auf dem Weg ins Finale waren sie für die Slowenen um Antreiber Dončić nur ein Aufwärmgegner.

          3 Min.

          Wenn man sehen will, warum Luka Dončić mit der slowenischen Nationalmannschaft noch nie ein Basketballspiel verloren hat, sollte man nicht nur die Aktionen unter die Lupe nehmen, in denen er spielt, sondern auch die, in denen er nicht spielt. Ein Beispiel aus dem Viertelfinale der Olympischen Spiele gegen Deutschland: Mitten in der ersten Halbzeit springt Ziga Dimec, der Center der Slowenen, mit dem Ball unter dem Korb hoch und wird in der Luft von Danilo Barthel angerempelt. Ein klares Foul. Und als der Schiedsrichter pfeift und der Ball auch noch durch den Ring rutscht, steht an der Außenseite  einer als Erster von seinem Stuhl auf und setzt sich als Letzter wieder hin: Luka Dončić.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Am Dienstagmorgen hat Dončić, 22 Jahre alt, mit den Slowenen in der Saitama Super Arena 94:70 (44:37) gegen Deutschland gewonnen – und damit wieder nicht verloren. Seine Bilanz als Nationalspieler: 17 Spiele, 17 Siege. Er kann nicht so oft in diesem Trikot auflaufen, weil seine vielen Verpflichtungen mit den Dallas Mavericks in der amerikanischen Ausnahmeliga NBA das nicht zulassen. Doch wenn er es anzieht, passiert Unglaubliches. Im Sommer 2017 hat er sein kleines Land zusammen mit dem NBA-Spielmacher Goran Dončić zum Europameister gemacht. In Tokio fehlt Dragic. Und dennoch glauben nicht wenige, dass Dončić sein kleines Land nun auch zum Olympiasieger machen kann.

          Auf dem Weg ins Finale, der am Donnerstag gegen Frankreich oder Italien fortgesetzt wird, waren die Deutschen nur ein Aufwärmgegner. Dončić hat gewöhnlich gespielt, nicht außergewöhnlich. 20 Punkte, 11 Assists, 8 Rebounds. Das sind sensationelle Statistiken. Doch so ist das aber mit einem, von dem manche sagen, dass er so gut spielt wie kein anderer 22-Jähriger­ in der Geschichte des Basketballs: Was für fast alle anderen außergewöhnlich wäre, ist für ihn gewöhnlich.

          Als Dončić schon in der Kabine verschwunden ist, sitzen Hendrik Rödl und Nils Giffey, der Bundestrainer und sein Flügelspieler, im Presseraum der Arena und müssen sich mit der sportlichen Frage des Spiels auseinandersetzen: Wie verteidigt man einen, den man eigentlich nicht verteidigen kann? „Wir haben versucht, ihm ein paar seiner wegzunehmen“, sagt Giffey, der zusammen mit Isaac Bonga in der Defensive hauptverantwortlich für Dončić war. „Aber du kannst ihm nicht alles wegnehmen.“ Das ist eine Erkenntnis, die auf diesem Niveau frustrierend, aber auch ein bisschen versöhnlich sein kann. Gegen Luka Dončić kann man momentan wohl nur verlieren.

          „Sie waren ein Gegner, den wir am Ende nicht unter Kontrolle kriegen konnten“, sagt später auch Rödl. Er meint nicht nur Dončić, auch wenn der immer alles unter Kontrolle hat, sondern auch seine Helfer. An diesem Tag sind das vor allem der Guard Zoran Dragić (27 Punkte), der kleine Bruder von Goran, der mit dem Ball auch durch die kleinsten Lücken sprinten kann. Und der Center Mike Tobey (13 Punkte), der für einen großen Mann, er misst 2,13 Meter, sehr gut aus der Distanz werfen kann. „Ich finde es beeindruckend“ sagt Rödl, „wie sie als Mannschaft spielen, wie sie den Ball teilen.“

          Die Slowenen teilen den Ball, weil Dončić den Ball teilen will. Er kontrolliert nicht nur das Spiel, sondern auch die Spielkultur. Am Ende der ersten Halbzeit hat er nur sechs Punkte, dafür aber schon sechs Assists gesammelt. Man sollte natürlich nicht alles romantisieren, was Dončić macht. Er kann als Spieler auch sehr anstrengend sein. Er meckert und motzt, meistens mit den Schiedsrichtern. Auf seine Mitspieler wirkt sich das offenbar nicht negativ aus, im Gegenteil. Sie sehen nicht nur, wie er für sich meckert und motzt, sondern auch für sie, wie er in seinen wenigen Ruhepausen immer von seinem Stuhl aufspringt, wenn ihnen was Gutes gelingt. Sie spielen gerne für ihn, weil er gerne für sie spielt.

          Doncic ist ein Aktivposten, auch wenn er nicht spielt
          Doncic ist ein Aktivposten, auch wenn er nicht spielt : Bild: AFP

          Es gibt nicht wenige, die glauben, dass diese Anerkennung in der Mannschaft Luka Dončić von Dennis Schröder unterscheidet, dem Anführer der deutschen Nationalmannschaft, der in Tokio nicht mitspielt. Man muss es nicht für einen Zufall halten, dass Rödl in seinem Olympia-Fazit sagt: „Ich glaube, was die Mannschaft in diesem Sommer gemacht, war vor allem, was Einstellung und Mannschaftsgeist angeht, auf einem sehr, sehr hohen Niveau.“ Sollte es nun gelingen, das mit dem Talent der Spieler, die in Tokio fehlten – zum Beispiel die NBA-Profis Maxi Kleber oder Daniel Theis – zusammenzubringen, „könnten wir den nächsten Schritt machen“. Doch wer wird diesen nächsten Schritt als Bundestrainer begleiten?

          Der Vertrag von Hendrik Rödl läuft nach dem Turnier aus. Am Dienstag sagt er dazu nur: „Wir werden uns zusammensetzen.“ Davor will er sich aber nochmal für sich hinsetzen und die Halbfinals der Olympischen Spiele anschauen. Er kann dann endlich auch Luka Dončić genießen. Denn er muss nicht mehr versuchen zu verhindern, was man ohnehin nicht verhindern kann.

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