https://www.faz.net/-hfn-9mno8

Finale Hiebe vom IOC? : Box-Weltverband in Panik

IOC-Präsident Thomas Bach droht dem Box-Weltverband. Bild: AP

Mit dem Box-Weltverband liegt das IOC so über Kreuz, dass Präsident Thomas Bach offen droht, das nächste Olympia-Turnier, 2020 in Tokio, nicht von der Aiba organisieren zu lassen. Nun stellen sich zwei Fragen.

          Mal eben bei Homer nachgeschlagen und prompt festgestellt: Thomas Bach hat vollkommen Recht. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees hatte am vergangenen Wochenende festgestellt, dass die Organisation eines Boxturniers „keine Raketenwissenschaft“ sei. Achills Kampfgefährte Patroklos, schreibt Homer, ist vor Troja gefallen und die Griechen organisieren dem Toten zu Ehren ein Sportfest mit Boxkampf. Insofern liegen Homer, der Dichter, und Bach, der Fechter, also voll auf Linie: Boxen ist ein uralter und, jedenfalls auf dem Papier, ein vergleichsweise simpler Sport. Der Stärkere gewinnt. Allein: so einfach war es noch nicht mal in der raketenlosen Antike.

          In der Gegenwart moderner Olympischer Spiele gibt es kaum eine Sportart, in der so gut belegt ist, dass eben nicht immer der Stärkere gewinnt, sondern gerne auch mal der Überzeugendere. Die Beispiele verschobener olympischer Boxkämpfe sind Legion, um mal im übertragenen Sinne in der Antike zu bleiben. Zuletzt, 2016 in Rio de Janeiro, wurden sämtliche Kampfrichter suspendiert. Unvergessen, wie der Ire Michael Conlan, dem Russen Wladimir Nikitin angeblich unterlegen, aus Wut über das offensichtliche Fehlurteil den Kampfrichtern den Mittelfinger zeigte, anschließend ein ob des überaus großzügigen Einsatzes von Schimpfworten legendäres Live-Interview im irischen Fernsehen gab und anschließend via Twitter Wladimir Putin fragte, wie viel sie vom russischen Präsidenten denn für das Urteil verlangt hätten.

          Sie, das bezog sich auf den Internationalen Boxverband Aiba, dem es seit Jahrzehnten misslungen war, der Korruption unverdächtige olympische Faustkämpfe auszurichten. Nun aber, knapp drei Jahre nach der Farce von Rio, liegen Bach und das IOC mit der Aiba über Kreuz, und zwar so nachhaltig, dass Bach offen droht, das nächste Olympia-Turnier, 2020 in Tokio, nicht von der Aiba organisieren zu lassen. So schwierig sei das ja nicht.

          Am 22. Mai soll eine vom Serben Nenad Lalovic geführte Untersuchungskommission ihren Bericht vorlegen, und die Sorgen der mit 14 Millionen Euro verschuldeten Aiba grenzen inzwischen an Panik. Der Weltverband droht offen damit, das IOC zu verklagen, sollte er mit einem Olympiaverbot belegt werden. Einstweilen bleiben zwei Punkte offen. Erstens: An welchem Punkt hat die Aiba den Bogen überspannt? Auffällig ist, dass der langjährige Aiba-Präsident, der dort in Schimpf und Schande davongejagte Wu Ching-Kuo, in dessen Amtszeit die Schulden angehäuft wurden, beim IOC in Amt und Würden ist, zum Beispiel als Mitglied der Koordinierungskommission für die Winterspiele 2022. Und die andere offene Frage: Ist die Organisation eines sauberen olympischen Boxturniers möglich? Oder ist das doch – Raketenwissenschaft?

          Weitere Themen

          Roglic stürmt auf den Radsport-Gipfel

          Sieg bei Vuelta : Roglic stürmt auf den Radsport-Gipfel

          Der frühere Skispringer Roglic fährt seinen größten Triumph auf dem Fahrrad ein. Trotz vieler Attacken ist er in Spanien nicht zu bezwingen. Sein Team wird auch ein ernster Tour-de-France-Anwärter.

          Arsenal bei Özil-Comeback düpiert

          Premier League : Arsenal bei Özil-Comeback düpiert

          Mesut Özil erlebt eine enttäuschende Rückkehr auf den Platz für den FC Arsenal. Gegen den Tabellenletzten liegen die „Gunners“ eigentlich sicher in Führung. Doch dann gelingt gar nichts mehr.

          Topmeldungen

          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakts : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll der Klimapakt beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
          Salvini lässt sich am Sonntag von seinen Anhängern in Pontida feiern.

          Lega-Treffen in Pontida : Die Jagdsaison ist eröffnet

          Nach seiner Niederlage ist Matteo Salvini wieder in Angriffslaune. Bei einem Treffen der Lega ruft er zum Sturz der Linkskoalition auf. Die Stimmung in Pontida ist bei spätsommerlichem Wetter in jeder Hinsicht aufgeheizt.

          NPD-Ortsvorsteher in Hessen : Ein netter Kerl

          In einem Dorf wird ein NPD-Mann zum Ortsvorsteher gewählt. Die Aufregung ist groß, im Ort selbst findet man das nur halb so wild. Eindrücke aus Altenstadt-Waldsiedlung.

          IAA : Draußen Protest, innen leuchtende Männeraugen

          Wo der SUV noch artgerecht gehalten wird: Unsere Autorin war auf der Automesse unterwegs. Die Autohersteller reagieren auf den zunehmenden Druck mit ihrer elektrischen Charmeoffensive – die Publikumsmagneten findet man jedoch an anderer Stelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.