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Djokovic-Bezwinger del Potro : Erst eingesperrt, dann vollkommen befreit

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Gruß an den lieben Gott: Mit dem Sieg über Novak Djokovic beendet Juan Martin del Potro einen ereignisreichen Tag. Bild: AP

Was für ein Olympia-Tag für Juan Martin del Potro! Nach seinem Sieg über Topfavorit Djokovic wird der argentinische Tennisprofi von seinen Gefühlen übermannt. Das könnte auch mit einem morgendlichen Erlebnis im Aufzug zusammen hängen.

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          Vor seinem überraschenden Sieg gegen den Topfavoriten Novak Djokovic bei Olympia hat Tennisprofi Juan Martín del Potro eine unangenehme Erfahrung gemacht: Wegen eines Stromausfalles habe der 27 Jahre alte Argentinier morgens rund 40 Minuten lang in einem Aufzug des olympischen Dorfes in Rio de Janeiro festgesessen, teilte sein Sprecher Jorge Viale auf Twitter mit und postete ein Foto dazu. Del Potros Handy habe keinen Empfang gehabt, deshalb habe er nicht telefonisch um Hilfe rufen können. Mitglieder des argentinischen Handball-Teams hätten ihn schließlich aus seiner misslichen Lage befreit.

          Am späten Sonntagabend (Ortszeit) besiegte Del Potro dann den Weltranglistenersten Djokovic in einem hochklassigen Erstrunden-Spiel 7:6 (7:4), 7:6 (7:2). Der Serbe kehrte nach der Niederlage mit gesenktem Kopf auf einmal wieder um. Nach seinem bitteren Aus hatte sich der Topfavorit schon einige Meter an den fragenden Reportern vorbei gearbeitet, als er seine Gefühle nicht mehr kontrollieren konnte. Schon auf dem Centre Court hielt der Schützling von Boris Becker die Tränen nicht zurück. Zu schmerzhaft war die Niederlage gegen den früheren US-Open-Sieger mit der gewaltigen Vorhand.

          „Eine der bittersten Niederlagen“

          „Ohne Zweifel ist es eine der bittersten Niederlagen in meinem Leben, in meiner Karriere“, sagte der Bronze-Medaillengewinner von 2008 wenig später, als er sich gefangen hatte und sich doch noch kurz weiteren Fragen stellte. „Es ist nicht leicht damit umzugehen, vor allem direkt nach dem Match. Die Wunden sind noch frisch.“ Wie ein fairer Verlierer hatte die Nummer eins der Welt am Netz lange und herzlich seinen Kontrahenten aus Argentinien umarmt, der wegen drei Handgelenks-Operationen eine kleine Ewigkeit auf der Tour verpasste.

          Es war ein hochklassiges Duell in einer begeisternden Atmosphäre, das sich die beiden Tennisprofis auf dem Centre Court lieferten. Becker verfolgte das Match in serbischer Teamkleidung. In Rio betreut die deutsche Tennis-Ikone nicht nur Djokovic, sondern die gesamte serbische Tennis-Mannschaft. Am späten Sonntagabend (Ortszeit) konnte er dem 12-fachen Grand-Slam-Sieger jedoch nicht viel helfen.

          Mit seiner Vorhand stellte der Argentinier den Weltranglisten-Ersten immer wieder vor unlösbare Herausforderungen. Vor vier Jahren in London hatten sich die beiden im Match um Bronze gegenübergestanden, auch damals entschied del Potro die Partie für sich. „Dieser Sieg ist mir wichtiger. Es war eines der besten Matches meiner Karriere“, sagte der 27-Jährige nun. „Ich habe versucht, meine Vorhand so hart zu schlagen, wie ich kann.“

          Minutenlang und mit Tränen in den Augen ließ sich der Südamerikaner auf dem Platz vom tobenden Publikum feiern. Djokovic sammelte währenddessen schon seine Sachen zusammen und trottete kopfschüttelnd von dannen. Auch er bekam seinen Applaus. „Solch eine Atmosphäre habe ich nur wenige Male erlebt“, sagte er. „Es hat sich angefühlt, als ob ich in meinem Land wäre, als wäre ich Brasilianer. Schade nur, dass ich es nicht in den dritten Satz geschafft habe.“

          Nur fünf Wochen nach dem sensationellen Drittrunden-Aus in Wimbledon muss das Erfolgsgespann Djokovic/Becker die nächste herbe Enttäuschung verkraften. „Es ist nicht das erste oder das letzte Mal, dass ich ein Tennis-Match verliere. Aber das bei den Olympischen Spielen – das ist etwas komplett anderes“, sagte der 29-Jährige. In Brasilien wollte der Tennis-Star nichts anderes holen als Gold.

          Bilderstrecke

          Bis zu seiner Pleite beim verregneten Rasen-Klassiker in London galt Djokovic monatelang als unantastbar. Der Perfektionist hatte nacheinander alle vier Grand-Slam-Turniere für sich entschieden und erstmals auch bei den French Open in Paris triumphiert. Der Serbe selbst hielt alles für möglich. Auch seine Konkurrenten trauten ihm zu, alle vier wichtigsten Titel im Jahr 2016 abzuräumen.

          Oder gar den Golden Slam mit dem Olympiasieg zu schaffen, der bislang nur Steffi Graf gelang. Dann patzte er in Wimbledon, jetzt scheiterte er an einem grandios aufspielenden del Potro.

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