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Olympische Spiele : Auf Tokio lastet der Fluch der 40 Jahre

Lauf gegen das Coronavirus: In 123 Tagen sollten nach ursprünglicher Planung die Olympischen Spielen in Tokio beginnen. Bild: dpa

Nach Wochen der Hoffnung akzeptiert Japans Regierung offiziell, dass in der Coronavirus-Pandemie eine Verschiebung von Olympia droht. Kanada will keine Sportler schicken, Australien redet von Spielen 2021.

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          Eine Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio im Sommer rückt wegen der Coronavirus-Pandemie näher. Als erstes Land hat Kanada angekündigt, aus Sorge um die Gesundheit keine Sportler nach Japan zu schicken. Das Land dringt auf eine Verschiebung um ein Jahr. Das Australische Olympische Komitee empfiehlt seinen Athleten schon, sich auf Olympische Sommerspiele im kommenden Jahr einzustellen. Auch die japanische Regierung fügt sich ins Unvermeidbare.

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          Lange hatte sie zumindest nach außen hin an dem Wunsch festgehalten, die Olympischen Spiele im Juli/August in Tokio als großes Sportfest zu feiern. Doch die Realität der Coronavirus-Pandemie mit mindestens 329.000 Infizierten global hat nun auch die politische Kommunikation in Tokio erfasst. Ministerpräsident Shinzo Abe hält eine Verschiebung der Spiele für eine Option. Es ist das erste Mal, dass die japanische Regierung im Konjunktiv von dem Eröffnungstermin 24. Juli 2020 abrückt.

          Abes vorsichtiges Abrücken vom Termin Juli/August 2020 kommt nach einer Sondersitzung des Internationalen Olympischen Komitees am Sonntag. IOC-Präsident Thomas Bach nannte danach eine Vier-Wochen-Frist für die Entscheidung über das Schicksal von Tokio 2020. Das IOS hält eine Verschiebung für möglich.

          „Falls die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees bedeutet, dass die Spiele nicht in einer kompletten Form abgehalten werden können, dann könnte eine Entscheidung notwendig werden, sie zu verschieben“, sagte Abe im Parlament. Er hoffe auf eine schnelle Entscheidung. Der Ministerpräsident hatte zuvor immer betont, dass er vollständige Spiele wünsche. Was genau er damit meinte, hatte Abe nie richtig offengelegt. Aber „Spiele in einer kompletten“ Form schließen Zuschauer auf den Rängen der Sportstadien und wohl auch die Anwesenheit aller üblicherweise beteiligten Nationen ein.

          Ausdrücklich zog Abe eine neue rote Linie. Eine Absage der Spiele sei „keine Option“, sagte er. Auch Tokios Gouverneurin Yuriko Koike, die Gouverneurin von Tokio, hält diese Linie. Sie schloss am Montag eine Verschiebung nicht aus, erklärte aber abermals eine Absage für undenkbar.

          Unklarheit über Fackellauf

          Amerikas Präsident Donald Trump erneuerte am Wochenende seinen Vorschlag, dass die Spiele um ein Jahr verschoben würden. „Ministerpräsident Abe muß eine große Entscheidung treffe“, sagte Trump. Doch die Entscheidung liegt nicht in Tokio, sondern in der Hand des Internationalen Olympischen Komitees. Das IOC hatte am Sonntag nach einer Sondersitzung erklärt, dass man die Notfallplanung inklusive einer möglichen Verschiebung beschleunigen wolle. IOC-Präsident Thomas Bach wandte sich in einem Brief an die Athleten allerorten und bat um Verständnis. Er nannte eine Frist von vier Wochen für die Entscheidung.

          „Ehrlich, ich bin froh zu hören, dass eine Absage der Olympischen Spiele keine Option zu sein scheint“, sagte Japans Ministerin für die Olympischen Spiele, Seiko Hashimoto, am Montag vor Journalisten. Die Vorbereitungen für die Spiele gingen weiter, aber die Regierung werde jede Entscheidung des IOC mittragen, sagte Hashimoto.

          Ganz aufgeben will Japan den Sommertermin aber noch nicht. Die Verschiebung sei eine Möglichkeit, die in den kommenden vier Wochen erwogen werde, erklärte Yoshiro Mori, der Präsident des Organisationskomitees in Japan, vor Journalisten. Eine Absage werde nicht erwogen. Über eine Absage oder Änderung des Fackellaufs quer durch Japan, der am Donnerstag in der Präfektur Fukushima beginnen soll, wird nach Aussage Moris in den kommenden Tagen entschieden. Die Organisatoren haben die Bevölkerung schon gebeten, während des Fackellaufs keine großen Menschenmassen zu bilden. Doch die Zurschaustellung des olympischen Feuers in den vergangenen Tagen in den 2011 vom Tsunami getroffenen Präfekturen zog zehntausende Besucher an.

          Für Abe ist eine Verschiebung der Spiele politisch einfacher zu tragen, nachdem die Weltgesundheitsorganisation WHO das neuartige Coronavirus zur globalen Pandemie ausgerufen hat. Damit hängt der Termin im Sommer nicht mehr allein daran, ob und wie weit Japan die Infektion bis dahin unter Kontrolle bringt, sondern mehr noch an der internationalen Verbreitung des Virus. Athleten können schon jetzt nicht mehr wie geplant trainieren und sich in (abgesagten) Wettkämpfen Starttickets für die Olympischen Spiele sichern. Die internationale Verbreitung des Virus birgt auch große Infektionsrisiken, wenn hunderttausende Fans nach Tokio zu den Sportstätten reisen würden.

          Sollten die Spiele abgesagt oder verschoben werden, erfüllte sich ein Fluch, der auf den Spielen in diesem Jahr laste. So hatte es vor wenigen Tagen Japans Finanzminister Taro Aso im Parlament formuliert, der seine Intervention später als Gerede unter Freunde abtat. Aso bezog sich darauf, dass die Spiele 1940 und 1980 unter einem schlechten Stern standen. Für 1940 hatte Tokio die Gastgeberschaft wegen des Zweiten Weltkriegs abgesagt. 1980 boykottierten die westlichen Staaten die Spiele in Moskau als Zeichen des Protests gegen den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan. Wiederum 40 Jahre später droht nun eine Verschiebung wegen der Coronavirus-Pandemie.

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