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Olympia in Tokio : Laxe Einstellung bei Corona-Regeln

Weniger als zwei Meter: Uta Abe, ein Übersetzer und Thomas Bach. Bild: AFP

Corona hin, Regeln her. Trainer nehmen Sportler in den Arm, Mitsportler jubeln auf den Tribünen. Die menschliche Komponente ist bei Olympia nicht ganz auszuschalten. Die Masken fallen.

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          Wer wegen der strengen Corona-Regeln in Japan kastrierte Olympische Spiele ganz ohne menschliche Kontakte erwartet hatte, der lag falsch. In den Sporthallen und an den Wettkampfstätten sitzen Funktionäre, Trainer und Mitsportler aus demselben Team, die die Athleten anfeuern. Sie beschränken sich nicht auf das Klatschen, wie es das Regelbuch vorsieht, sondern jubeln teils auch laut auf. Die menschliche Komponente ist im Sport eben nicht ganz auszuschalten. Trainer nehmen Verlierer und Gewinner nach den Wettkämpfen in den Arm, mit oder ohne Maske. Auf den Podien müssen sich die erfolgreichen Sportler zum Corona-Schutz die Medaillen selbst umhängen. Aber wenn es um das Lächeln für die Fotografen geht, dann fallen die Masken schnell.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Es herrscht so eine gewisse Laxheit im Umgang mit den Corona-Regeln, was den Wettkämpfen trotz der fehlenden Zuschauer eine humane Note verschafft. Selbst das IOC hat ein Einsehen: Es ermahnte die Sportler zwar, dass sie außerhalb der Wettkämpfe immer eine Maske tragen müssten. Es sei keine nette Geste, sondern eine Pflicht, sagt IOC-Sprecher Mark Adams. Doch seit Sonntag ist es nun erlaubt, die Maske auf dem Podium für ein Siegerfoto bis zu dreißig Sekunden abzunehmen.

          Die Laxheit im Umgang mit den Regel geht über die Athleten hinaus. Im feinen Einkaufsviertel Ginza standen am Montagnachmittag Luxuslimousinen eines nationalen NOK, weil die Repräsentanten Einkäufe erledigten. Entspricht das der Idee, während der Spiele den Kontakt zur Bevölkerung zu minimieren?

          Näher an den Wettbewerben wurde der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Yasuhiro Yamashita, am Wochenende in der Judo-Halle Budokan abgelichtet, wie er ohne Maske mit anderen Beobachtern sprach. Wie es richtiger geht, zeigte am Montag IOC-Präsident Thomas Bach. Er plauderte am Rande des Judo-Wettbewerbs in den Zuschauerrängen mit der Goldmedaillengewinnerin des Vortags, der Japanerin Uta Abe. Bach und der Übersetzer trugen Masken, Abe gleich zwei Masken übereinander, wie es manche Japaner mögen. Doch beim Abstandhalten zeigte Bach, dass auch er das Regelbuch nicht kennt. Eng steckte er mit Abe und dem Übersetzer die Köpfe zusammen, um sich trotz der lauten Musik zu verstehen. Zwei Meter Abstand zu Athleten, wie es das Regelbuch auch für Offizielle vorschreibt, waren das eindeutig nicht. Gilt diese Regel nur für Athleten vor ihrem Wettkampf?

          Am Montag schickten die Veranstalter eine Warnung an die Covid-Aufpasser der Mannschaften und sonstigen Beteiligten, alle Teilnehmer nochmals an die Maskenpflicht zu erinnern. Einzelnen Teilnehmern der Spiele wurde nach mehreren Warnungen schon die Zulassung für einen Tag entzogen, nachdem sie die Anti-Corona-Regeln wiederholt missachtet hatten. Details über diese Vorgänge machen die Organisatoren nicht publik.

          Am Montag meldeten die Organisatoren 16 weitere Covid-Infektionen rund um die Spiele, darunter drei Sportler. Insgesamt gab es unter Teilnehmern und japanischen Mitarbeitern sowie Dienstleistern seit Anfang Juli 153 Corona-Fälle. 74 davon sind Ausländer. Dem stehen bisher mehr als 240.000 Tests der Olympioniken bei Einreise und während des Aufenthalts in Japan gegenüber. In der Hauptstadt Tokio steigen derweil die Corona-Zahlen weiter. Am Montag wurden 1429 Neuinfektionen gezählt, so viel wie noch nie an einem Montag. Die Sieben-Tage-Inzidenz erreicht mittlerweile fast 80. An den Strecken der Außenwettbewerbe wie Radfahren oder Triathlon sammeln sich immer wieder Zuschauer, obwohl die Organisatoren empfehlen, die Sportereignisse am Fernsehen zu verfolgen. Fachleute warnen, dass diese Menschenansammlungen zur Ausbreitung des Virus in der Hauptstadt beitragen werden.

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