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100 Tage vor dem Start : Bangen um Olympia

Die Ringe samt Olympia-Maskottchen auf dem Berg Takao Bild: AFP

Ein Drittel der Japaner ist weiter für eine Absage der olympischen Sommerspiele in Tokio. Die Veranstalter sehen das anders. Doch noch immer sind viele Fragen nicht geklärt.

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          Buddhistische Mönche bliesen das Muschelhorn, als in leichtem Nieselregen auf dem 599 Meter hohen Berg Takao im westlichen Teil der Metropolregion Tokio fünf olympische Ringe enthüllt wurden – ohne Publikum. Im Rathaus der Stadt präsentierte die Gouverneurin Yuriko Koike zwei Statuen der olympischen Maskottchen – ohne Publikum.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          „Die Spiele werden eine Jubelfeier der Widerstandskraft, der Solidarität und unserer gemeinsamen Menschheit“, verkündete die Präsidentin des Vorbereitungskomitees, Seiko Hashimoto. Mit einer Emphase, wie sie sonst nur der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, kann, versprach sie für den Sommer ein „Licht der Hoffnung und des Trosts“.

          In Osaka im Westen Japans liefen derweil Fackelläufer durch einen Park – ohne Publikum. So zelebrierte das olympische Japan am Mittwoch die Wegmarke der 100 Tage bis zum Beginn der Olympischen Spiele am 23. Juli.

          Infektionszahlen steigen

          Der Chefkoordinator des IOC für die Spiele, John Coates, schloss vor Journalisten eine Absage aus. Die Spiele würden wie geplant stattfinden, sagte er. „Ich weiß, dass die japanischen Organisatoren nicht an eine Absage denken.“ Doch in Umfragen ist unverändert rund ein Drittel der Bevölkerung dafür, die Spiele wegen der Gefahr von Corona-Infektionen abzusagen. Derweil steigen in den Großräumen Osaka und Tokio die Infektionszahlen und nähren Zweifel an der Austragung der Spiele. Der wichtigste Regierungsberater in Sachen Corona, der Mediziner Shigeru Omi, sprach im Parlament schon von einer vierten Welle der Neuinfektionen.

          Mann im Regen: Japan zählt die Tage vor Beginn der Spiele.
          Mann im Regen: Japan zählt die Tage vor Beginn der Spiele. : Bild: Reuters

          Viele Fragen sind 100 Tage vor Olympia-Beginn noch nicht geklärt. Und die Antworten hängen auch davon ab, wie die Corona-Lage sich in Japan und in der Welt in den kommenden Wochen entwickeln wird. Die japanische Zuversicht, dass die Spiele stattfinden werden, gründet dabei nicht zuletzt darin, dass seit dem vergangenen Sommer die Fußball- und Baseball-Ligen in Japan spielen, vor begrenztem Publikum, ohne dass es zu Masseninfektionen in den Stadien kam.

          Ausländische Zuschauer haben die Organisatoren für die Olympischen Spiele schon ausgeladen. Bis Ende dieses Monats soll entschieden werden, wie viele japanische Zuschauer in die Stadien und Sporthallen dürfen. „Wenn die Kapazität auf 50 Prozent begrenzt wird, können wir hinreichend Vorsichtsmaßnahmen treffen“, sagte Hashimoto der Wirtschaftszeitung „Nikkei“ und nannte eine solche Begrenzung einen perfekten Schutz gegen das Coronavirus. Fachleute wie der Präsident der Medizinischen Vereinigung Tokios, Haruo Ozaki, warnen dagegen. „Wenn das Virus sich weiterverbreitet, wird die Einreise von Athleten aus aller Welt es schwierig machen, die Spiele abzuhalten, selbst wenn keine Zuschauer da sind“, sagt Ozaki.

          Bislang hat nur Nordkorea die Teilnahme an den Spielen abgesagt, aus Sorge vor dem Coronavirus. Doch Ärger gab es schon jetzt wegen der strikten Anti-Corona-Auflagen Japans. Der Weltschwimmverband Fina hatte zunächst drei Qualifizierungswettbewerbe in Japan abgesagt, unter anderem, weil Einreisebestimmungen mit drei Quarantänetagen für Offizielle nicht zumutbar seien. Japan gab nach, und nun sollen zwei der drei Wettbewerbe an neuen Terminen in Japan stattfinden.

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