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Ringer-Weltmeister Stäbler : „Man sollte Olympia nicht zu schnell aufgeben“

Allein im eigenen Trainingsraum: Frank Stäbler mit Puppen in seinem „World Camp“ Bild: dpa

Der dreimalige Ringer-Weltmeister Frank Stäbler will eigentlich bei Olympia seine Karriere krönen und anschließend beenden. Im Interview spricht er über die Corona-Krise, seine abgeschiedene Vorbereitung und den vermissten Fragebogen des DOSB.

          6 Min.

          Wie erleben Sie die Corona-Krise?

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bis Freitag vor einer Woche war ich auf Zypern quasi abgeschnitten vom Nachrichtenfluss der Welt. Wir waren im Trainingslager mit den beiden anderen bereits für Olympia qualifizierten deutschen Ringern Denis Kudla und Eduard Popp. Wir hatten perfekte Bedingungen, waren den ganzen Tag im Freien für Grundlagenarbeit mit Radfahren oder auch am Meer in einer vermeintlich heilen Welt. Da haben wir über die Nachrichten, die zu uns durchdrangen, milde gelächelt. Erst am Freitag letzter Woche wurden wir uns dann der ganzen Situation bewusst, als unser Flug gestrichen wurde, eine gewisse Panik ausbrach und unser Reiseleiter uns dann plötzlich aufforderte, innerhalb von zwei Stunden aufzubrechen, damit wir noch über Athen nach Deutschland kommen. Bekannte von mir sind mittlerweile auf Zypern quasi in Quarantäne in ihrem Zimmer, sie bekommen zweimal am Tag Essen vor die Tür gestellt, und es gab Gerüchte, dass sie erst in sieben Wochen aus dem Land können. Das hätte mir auch passieren können.

          Wie gehen Sie jetzt als Sportler damit um?

          Erst mal musste ich das selbst alles einordnen lernen, was wir auf der Reise erlebt haben: Chaos auf den Flughäfen, fast alle Menschen laufen vermummt herum. Da ist irgendwas Undenkbares Realität geworden. Ich möchte deshalb überhaupt nicht über meine Situation lamentieren. Es gibt Menschen, die gerade viel mehr Sorgen haben. Und es gibt vor allem Ärzte, Pflegekräfte, Feuerwehrleute und wer alles irgendwie helfend im Einsatz ist, denen unser riesengroßer Respekt gelten muss. Was diese Menschen jetzt und in der nahen Zukunft leisten, ist unfassbar. Erst ganz weit dahinter stehen die kleinen Sorgen des Ringers Frank Stäbler. Das ist nur Sport. Diese Demut sollten wir alle haben.

          Sie wollten Ihre internationale Karriere definitiv am 5. August, am Abend des Finaltags Ihres olympischen Turniers beenden. Wie gehen Sie mit der Möglichkeit einer Olympia-Absage gedanklich um?

          Ich habe immer angekündigt: Egal, was passiert, das ist der Schlusspunkt. Aber das beinhaltete natürlich Szenarien wie Nichtqualifikation, eine Verletzung oder eben das Scheitern am Versuch, eine Medaille zu gewinnen. Aber ich werde den Kampf nicht gegen Corona verlieren. Sollte Olympia verlegt werden, dann mache ich definitiv weiter. Ich habe den Traum von einer Olympiamedaille, diesen lebe ich.

          Es melden sich immer mehr Sportler zu Wort, die eine Olympia-Absage für dieses Jahr umgehend fordern, andere wollen, dass man möglichst lange um Olympia kämpft. Wann muss aus Ihrer Sicht eine Entscheidung fallen?

          Ganz wichtig ist für mich, dass man ganz offen und transparent die Wahrheit kommuniziert. Es darf auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass man aus Kommerzgründen womöglich auf der Basis irgendwelcher geschönter Zahlen uns Sportler nach Tokio schickt und gesundheitliche Folgen billigend in Kauf nimmt. Aber umgekehrt darf es auch nicht so sein, dass man Olympia zu schnell aufgibt, da es der Traum aller Sportler ist und für jeden der gut 10.000 Athleten einen Menschheitstraum darstellt. In Asien scheint die Pandemie derzeit am Abklingen zu sein. Wenn es irgendwie möglich ist, muss Olympia stattfinden.

          Was haben Sie denn bei der Umfrage des DOSB unter den Athleten angekreuzt?

          Ich habe zu meiner eigenen Verwunderung noch nichts erhalten, weder per Post noch per E-Mail.

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