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Olympia 2032 in Brisbane : Gold für Queensland

Glückliches, feierndes Australien: In Tokio beginnen am Freitag Steril-Spiele, in Brisbane geht die Post ab. Bild: EPA

Mit Brisbane 2032 gewinnt Australien zum dritten Mal Olympische Spiele. Ministerpräsident Morrison spielt die entscheidende Rolle. Doch es gibt auch Konflikte, wie so oft geht es um die Natur.

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          Geht alles nach Plan, wird sich Torrie Lewis in elf Jahren vor einer jubelnden Menge verneigen, um danach eine olympische Medaille in Empfang zu nehmen. Die 15-jährige Ausnahmesprinterin aus Brisbane soll mit dann 27 Jahren und nach zwei Olympischen Spielen in Paris 2024 und Los Angeles 2028 in ihrer Heimatstadt als Favoritin in die Startblöcke gehen. Von jetzt an werde sie täglich trainieren, um bei den Spielen der 35. Olympiade 2032 in Brisbane den Lauf ihres Leben abzuliefern, gab der Teenager zu Protokoll.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Schon vor 35 Jahren hatte Brisbane sich um die Spiele bemüht. Damals wurde die Stadt in der Mitte der Ostküste Dritte in der Ausscheidung, die Barcelona gewann. Nun steht die Hauptstadt des Bundesstaates Queensland ganz oben auf dem Treppchen. „Die anderen Städte, die ihre Pläne vorgestellt haben, stehen auf Parkposition für künftige Spiele“, hatte John Coates schon im Frühjahr selbstbewusst verkündet. Der Jurist aus Sydney, ein Vertrauter von IOC-Präsident Thomas Bach und selbst Vizepräsident des IOC, führt seit fast 30 Jahren das Australische Olympische Komitee, spielte eine wichtige Rolle beim Gebot Sydneys für die Spiele 2000, und gilt als Architekt der Bewerbung Brisbanes.

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          Zugleich aber war Coates Treiber des neuen Bieterverfahrens im Reform-Komitee „Agenda 2020/New Norm“ des IOC. Australische Medien unkten deshalb, Coates habe sich einen Vorteil für die Spiele in seiner Heimat erschlichen. Das IOC betonte sofort, der Australier sei in keiner Weise in Auswahl und Entscheidung eingebunden gewesen.

          Der Ministerpräsident ist ein Marketing-Experte

          Wohl aber spielte Australiens Ministerpräsident Scott Morrison eine große Rolle: Trotz Corona saß er vor gut einem Jahr in einem Hotelraum in Tokio mit Bach und Coates zusammen. Morrison, von seinen Gegnern als „Scotty from Marketing“ verspottet, leitete einst die Behörde Tourism Australia. Mit dieser Erfahrung wucherte er: Wie kein Zweiter warb er für sein Land. Ein weiteres Treffen des Trios folgte Mitte November in Tokio, als Morrison dort den neuen Ministerpräsident Yoshihide Suga traf, und Olympia zur Chefsache erklärte.

          Vorbereitet erscheint Brisbane auf die dritten Spiele auf dem Fünften Kontinent nach Melbourne 1956 und Sydney 2000: Die Stadt steht für das moderne, weltoffene Australien. Schon heute zählt die Metropole fast 2,5 Millionen Einwohner, viele von ihnen mit asiatischen Wurzeln. „Brizzy“ gilt als freundliche Stadt an einem mäandernden Fluss, ohne die Allüren der Traditionsmetropole Melbourne oder den Glanz und Glitter Sydneys. 1982 richtete die Stadt die Commonwealth Games aus, 2001 folgten die Goodwill Games mit 1300 Sportlern. Vor drei Jahren war dann die benachbarte Gold Coast, bald Teil des olympischen Geschehens, Gastgeber der Commonwealth Games.

          Beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs der G-20-Länder 2014 bewies Brisbane, dass es Großveranstaltungen auch gegen Proteste durchsetzen kann. Damals eroberte Bundeskanzlerin Angela Merkel sofort die Herzen der sehr entspannten Bürger, als sie direkt nach der Landung mit ihrem Tross einen Pub in der Kneipen-Straße Caxton Street ansteuerte. Die Stadt ist eines der Zentren für deutsche Firmen und Wissenschaftler „down-under“; unter anderem baut der Rüstungskonzern Rheinmetall hier eine Großfabrik, um Milliardenaufträge für die australische Armee abzuarbeiten.

          and it is... Brisbane 2032. Die Premierministerin des Bundesstaates Queensland mit dem „richtigen“ Briefumschlag.
          and it is... Brisbane 2032. Die Premierministerin des Bundesstaates Queensland mit dem „richtigen“ Briefumschlag. : Bild: AFP

          Noch bevor die Spiele vergeben waren, wurden sie instrumentalisiert. Die Ministerpräsidentin Queenslands, Annastacia Palaszczuk, sprach von einem „neuen Goldenen Zeitalter“ für ihr Land. Die Regierung erwartet, das Großereignis werde bei Kosten von rund 4,5 Milliarden Australischen Dollar (2,8 Milliarden Euro) rund 130.000 Arbeitsstellen schaffen. Nach Corona dürfte der Tourismus dank Olympia rund 20 Milliarden Australische Dollar zusätzlich in die Kassen spülen. Brisbane gilt vielen als Einfallstor zum Weltnaturerbe des Great Barrier Reef, dessen Ausläufer von hier in vier Stunden erreichbar sind. Das IOC verspreche 1,7 Milliarden Amerikanische Dollar, eine weitere werde über Eintrittskarten eingenommen, Sponsoren lieferten die dritte Milliarde, rechnet Coates vor: „Das ist genug, um für die Olympischen Spiele und die Paralympischen Spiele zu zahlen, ohne in die Haushaltskassen zu greifen.“

          Olympisches Dorf in Hamilton

          Schon beginnen die Vorarbeiten: in Hamilton, nur sechs Kilometer außerhalb des Geschäftsviertels hält der Staat rund 50 Hektar Land am Fluss, auf denen ein Olympisches Dorf für 14.000 Athleten heranwachsen soll. Ein zweites Athleten-Dorf mit 2000 Betten soll an der Gold Coast entstehen, ein drittes mit immerhin 600 Betten an der Sunshine Coast. Noch ist über die Stadien nicht entschieden. Entweder soll das Gabba-Stadium für 2032 renoviert werden, oder ein neues für 40.000 Zuschauer am Albion Park entstehen, um dort die Eröffnungs- und Schlussfeier auszurichten. Schon heute hat die Stadt mit ihrem fast tropischen Klima – die Spiele werden bei angenehmen Temperaturen im australischen Winter von 23. Juli bis 8. August stattfinden – 14 große Sportstätten, die Gold Coast hat weitere sieben, die Sunshine Coast bietet fünf und Segeln könnte vor dem Archipel der Whitsundays direkt auf dem Barrier Reef ausgetragen werden – einem der malerischsten Reviere der Welt.

          Doch sind auch in Brisbane Konflikte abzusehen: Zwar soll Olympia in Zukunft ohne „weiße Elefanten“ auskommen, Großprojekte, die nach den Spielen verfallen. Weshalb der Vorschlag Brisbanes das Nutzen vorhandener oder zumindest im Bau befindlicher Infrastruktur in den Mittelpunkt rückt. Doch natürlich hoffen auch „down-under“ Bürgermeister, ihrer rasch wachsenden Bevölkerung den Segen Olympias durch neue Straßen und Bahnen zu bringen. „Sie sind keine Bedingungen für das Ausrichten erfolgreicher Spiele, aber natürlich würde es enorm helfen, wenn beispielsweise die Transportkorridore ausgebaut würden“, sagt Coates. Palaszczuk selbst indes schaut auf die Haushaltskasse und betont, dass „90 Prozent der notwendigen Infrastruktur“ schon vorhanden sei.

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