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Fußballerin Marta : Olympia soll ihre Krönung werden

  • Aktualisiert am

Liebling des Landes: Marta Bild: AFP

Brasiliens Fußballfrauen sind bislang bei Olympia die Einzigen, die es schaffen, die Stadien zu füllen. Es liegt vor allem an einer Spielerin – und die will sich nun endgültig zur Legende erheben.

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          Es gibt bei diesen Olympischen Spielen auch ausverkaufte Arenen. Dem Brasilianischen Fußballverband CBF war das auf seiner Internetseite sogar eine eigene Mitteilung wert: „Danke, Belo Horizonte.“ Dort strömten 52 000 Zuschauer zum Elfmeterkrimi der brasilianischen Fußballfrauen gegen Australien und sorgten damit für einen neuen Spielzeitrekord. Solche Zuschauerzahlen sind selbst im alltäglichen Ligabetrieb der mächtigen Serie A eher die Ausnahme. Vor allem kamen sie aber, um das weibliche Gesicht der Spiele zu sehen: Marta. Die ehemalige Weltfußballerin ist auf dem Weg, diesen nicht immer und überall so glücklichen Spielen ihren Stempel aufzudrücken.

          Dass sie Fußball spielen kann, weiß die Welt bereits seit Jahren. Fünfmal in Folge wurde die Spielmacherin und Stürmerin mit den Offensivqualitäten zur Weltfußballerin des Jahres gewählt. Marta Vieira da Silva, wie sie mit vollem Namen heißt, steht mit jetzt 30 Jahren in der Blüte ihres fußballerischen Lebens. Sie stammt aus Dois Riachos, einer Kleinstadt im nordöstlichen Bundesstaat Alagoas. Der ist in Brasilien ungefähr so oft in den Nachrichten wie Eisstockschießen. Dafür ist Marta allzeit präsent: In den beliebten Game Shows des brasilianischen Fernsehens werden Rätsel mit Marta-Fragen präsentiert, die Zuschauer müssen raten, ob sich Marta oder eine Doppelgängerin hinter den Bildern verbirgt.

          Am Ball ist Marta nicht aufzuhalten
          Am Ball ist Marta nicht aufzuhalten : Bild: AP

          Für solche Spielereien hat die bislang beste Spielerin des Turniers keine Zeit. An diesem Dienstag (18 Uhr MESZ) geht es gegen ihre sportliche Wahlheimat Schweden. Dort hat sie die vergangenen vier Jahre für den FC Rosengard gespielt, kennt ihre Gegnerinnen - und die kennen sie. In der Vorrunde trafen beide Mannschaften schon einmal aufeinander. Marta warf den Turbo an, und Brasilien gewann dank der überragenden Offensivspielerin 5:1. Pia Sundhage, die schwedische Trainerin, wird wohl ihre Vorgehensweise überdenken. Im ersten Spiel versuchte sie es ohne Sonderbewachung. Das ging schief, es war die Nacht, in der sich Brasilien aufs Neue in seine Ausnahmespielerin verliebte. Knapp 44 000 Zuschauer strömten da schon ins Olympiastadion. „Marta, Marta“-Rufe hallten durchs Rund. Jetzt wird es wohl schwieriger, aber natürlich spricht viel für Brasilien.

          Der Wetterbericht sagt schwülwarmes Gewitter mit 29 Grad voraus. Keine optimalen Bedingungen für die Europäer, um zur Mittagszeit beste Leistungen abzurufen. Für Marta aber echte Heimspielatmosphäre. Sie und die brasilianischen Fußballfrauen rühren die Herzen der Menschen an. „Ich weiß um die Kraft der Olympischen Spiele und bin ganz auf dieses Turnier fixiert“, sagte Marta vor der zweiwöchigen Tournee durch ganz Brasilien, die am Freitag mit dem großen Finale im Maracanã ihr erfolgreiches Ende nehmen soll.

          Wenn sie über ein Tor jubelt, gewinnt Brasilien meistens
          Wenn sie über ein Tor jubelt, gewinnt Brasilien meistens : Bild: AP

          Brasiliens Fußballfrauen werden schlecht bezahlt, viele „Profi“-Spielerinnen leben am Rande des Existenzminimums. Die Spiele der nationalen Liga werden zwar übertragen, doch meist zur Mittagszeit und aus nahezu leeren Arenen. Marta, die keine finanziellen Sorgen hat, tritt trotz ihres ökonomischen Erfolges bescheiden auf. Das unterscheidet sie von vielen ihrer männlichen Landsleute, die ihren Reichtum oft geradezu obszön zur Schau stellen. Auch Neymar verfällt oft der Versuchung, in den sozialen Netzwerken mit goldenen Mobiltelefonen oder exklusiven Immobilien zu protzen. Weil der Superstar des FC Barcelona zudem zunächst schwer ins Turnier fand, sind viele brasilianische Fans ins Lager der weiblichen Seleção übergewechselt. Sie halten Marta und Co. für die authentischeren Fußballer. Marta-Trikots finden reißenden Absatz. Und es hallten „Marta, Marta“-Rufe durchs Stadion, als sich die Männer schwertaten.

          Olympia soll die Krönung für Marta werden. Sie ist die erfolgreichste WM-Torschützin, holte von 2006 bis 2010 den Titel der Weltfußballerin. Doch der ganz große Erfolg mit der Nationalmannschaft blieb ihr und Brasilien bislang verwehrt. Zwei olympische Silbermedaillen 2004 und 2008, dazu der zweite Platz bei der WM von 2007 stehen zu Buche. Zu einem großen Titel reichte es aber für Brasilien und Marta im Trikot der Seleção noch nicht. Olympia soll Marta jetzt endgültig zu einer Legende machen.


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